Plädoyer (und Antrag) für Blühstreifen und Blühflächen auf kommunalen Flächen

 

In den letzten Jahrzehnten hat sich unsere Kulturlandschaft immer stärker zum Nachteil der Tier- und Pflanzenwelt verändert. Häufig ist unsere Landschaft mittlerweile nahezu blütenlos, Schmetterlinge und andere Fluginsekten werden immer seltener.
Bewirkt hat diesen massiven Artenrückgang von Flora und Fauna insbesondere die Industrialisierung unserer Landwirtschaft mit dem Einsatz von Giften wie Neonicotinoiden, Glyphosphat, der Überdüngung und dem Entstehen monotoner Agrarlandschaften, sowie der Biotopverlust bei Pflanzen aufgrund erhöhten Stickstoffgehaltes.

Spätestens seit 2017 gilt das große Insektensterben als wissenschaftlich belegte Realität. Nach einer Untersuchung des entomologischen Vereins Krefeld (88 Standorte in Nordrhein-Westfalen) ist die Insekten-Biomasse seit 1989 um ca. 80% zurückgegangen. Andere Forscher verzeichneten an 63 Orten im Bundesgebiet (alles Naturschutzgebiete) einen Rückgang um durchschnittlich 76 Prozent. Eine weitere aktuelle Studie, die niederländische, britische und deutsche Forscher in der Fachzeitschrift plos one veröffentlicht haben, belegt ebenfalls, dass die Zahl der fliegenden Insekten dramatisch abgenommen hat.
Ein direkter Zusammenhang mit dem ebenfalls zu beobachtenden Vogelsterben gilt lt. NABU als sehr wahrscheinlich.

Um dem Artensterben entgegenzuwirken wird von Experten neben der Forderung nach einem Kurswechsel in der Agrarpolitik auch die Schaffung von Blühstreifen und Blühflächen empfohlen. Bei Blühstreifen handelt es sich um streifenförmige Einsaat von einheimischen Wildkräutern und -blumen. Naturschutzfachliches Ziel ist es, durch die Vernetzung von Blühstreifen in einem verarmten Landschaftsraum, die Strukturvielfalt dauerhaft zu erhöhen. Auf diese Weise können Lebensräume und Nahrungsquellen für Insekten geschaffen werden.

Die Umwandlung von Flächen im innerstädtischen Bereich in Blühflächen oder Blühstreifen leistet einen Beitrag zur urbanen Biodiversität und hat dazu noch eine ganze Reihe positiver Nebeneffekte.
So haben Blühflächen eine erheblich größere Oberfläche als der übliche Rasen. Sie entziehen der Atmosphäre deswegen mehr CO2 und gehören dementsprechend zu erwünschten CO₂-Senkern im urbanen Raum.
Zusätzlich haben die strukturreichen urbane Blühflächen einen weiteren positiven Effekt für das Stadtklima. Aufgrund der größeren Oberfläche wird auch die Erwärmung von bebauten Flächen stärker verringert.
Darüber hinaus sind Blühflächen eine Bereicherung für das Landschafts- und Stadtbild.
Dazu kommt, dass nach vergleichenden Untersuchungen, die Pflege von Blühwiesen und Blühstreifen langfristig kostengünstiger ist, als von vergleichbaren Grünflächen und Grünstreifen.

 

Antrag vom 02.01.2018: „Blühendes Donauwörth“

 

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Nachtrag vom 11.04.2018

Leider war der Antrag nicht wirklich erfolgreich. Stadtverwaltung und Bau-, Planungs- und Umweltausschuss waren der Ansicht, dass durch die Stadt Donauwörth im Stadtbereich bereits ausreichend gegen das Insektensterben getan wird.
Nicht ausreichend berücksichtigt wurde dabei, dass es bei „Blühstreifen“ in erster Linie um einen Beitrag für die Artenvielfalt und gegen das Insektensterben geht und die „Optik“ eher zweitrangig ist.

Auszug aus dem öffentlichen Protokoll der 71. Sitzung des Bau-, Planungs- und Umweltausschusses vom 26.02.2018

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