Die zahlreichen positiven Wirkungen (siehe obenstehende Grafik) von innerstädtischem Grün und insbesondere der innerstädtischen Bäume sind bekannt und unbestritten. Nicht ganz so klar ist vielen die wesentlich höhere Bedeutung von größeren Bäumen im Verhältnis zu kleinen. Dies soll nachstehende Grafik verdeutlichen. Demnach bräuchte man um eine 20 m hohe Buche zu „ersetzen“, 2000 junge Bäume mit einem Kronenvolumen von jeweils 1 m3.

ein baum

Der Schutz unserer innerstädtischen Bäume (privat und öffentlich) liegt daher im Interesse des Allgemeinwohls. Dass dies auch die große Mehrheit der Bürger erkannt hat, zeigt das Ergebnis der 4. Internetumfrage aus 2014 der Deutschen Gartenamtsleiterkonferenz (GALK e.V.):

Laut Befragung waren in allen Altersgruppen und bei  98% der Befragten „Grün- / Freiflächen und Parks“, und „Straßenbäume und -grün“ sehr wichtig bis wichtig! Friedhöfe, Spielplätze und öffentliche Sportanlagen wurden im Stellenwert geringer eingeschätzt, vermutlich da diese Anlagen nur von bestimmten Benutzergruppen frequentiert werden. (S. 7f)

Was die Umfrage auch zeigte, war ein Misstrauen der Bürger bezüglich Fällungen und unsachgemäßer Behandlung (S. 22):

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Auch in Donauwörth ist dies so, was nicht von ungefähr kommt. In Donauwörth hatten gerade in den letzten Jahren Stadtbäume einen schweren Stand. Nach eigenen Erkenntnissen wurden im Stadtgebiet von Donauwörth allein in den letzten 15 Jahren u.a. auch zahlreiche bereits nominell geschützte Bäume gefällt. Allein die Zahl der aus dem Stadtbild ersatzlos verschwundenen „in Bebauungsplänen festgesetzten Bäume“ und „Bestandsbäume Parkstadt“ liegt wohl im dreistelligen Bereich. Weitere Bäume im Stadtbereich sind akut gefährdet.

Ursachen für dieses Vorgehen sind u.a. eine fehlende Normierung der Vorgehensweise, mangelnde Wertschätzung von städtischem Grün und falsch verstandene Bürgerfreundlichkeit. So wurde z.T. zwar einzelnen Bürgern entgegengekommen, die negativen Auswirkungen auf das Gemeinwohl aber i.d.R. nicht ausreichend berücksichtigt. Auch wenn aus fachlicher Sicht keine Notwendigkeit einer Fällung bestand und die Fällungen reines Entgegenkommen für Einzelne waren, gingen trotzdem die Kosten meist ausschließlich zu Lasten der Stadt und damit der Allgemeinheit. Zudem erfolgte häufig keinerlei Ausgleich.

Die Umsetzung einer sachgerechten Baumschutzverordnung, einer Ausgleichsregelung und Kostenübernahmeregelung könnte hier künftig zu einer wesentlichen Verbesserung beitragen. Die Vorgehensweise würde grundsätzlich vereinheitlicht und so eine Gleichbehandlung aller Bürger gewährleistet. Berechtigte Einzelinteressen und Gemeinwohl könnten unter definierten Rahmenbedingungen gleichermaßen berücksichtigt und zumindest in gewissen Grenzen miteinander vereinbart werden.

Um dies zu erreichen habe ich in meiner Eigenschaft als Stadtrat und Referent für Naturschutz und Landschaftspflege nachstehende Anträge gestellt:

 

» Antrag Baumschutz, 23. November 2015
» Antrag Straßenbäume Tiroler Ring, 13. Juli 2015
» Antrag zu Lösung Problem festgesetzte Bäume, 06. April 2015

 

Ausgewählte Literatur zum Themenkomplex Stadtgrün und Baumschutz:

Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB): Grün in der Stadt – Für eine lebenswerte Zukunft (Mai 2015)

Deutsche Gartenamtsleiterkonferenz (GALK e.V.): Wie zufrieden sind Bürger mit städtischen Grünflächen – Ergebnisse der vierten bundesweiten Internetbefragung (2014)

Stiftung DIE GRÜNE STADT: Bäume in der Stadt (12/2014)

Stadt München:  Baumschutz

Marc Wilde: Bäume und Ihre Wohlfahrtswirkungen im städtischen Siedlungsraum