Die beiden Wohnblocks Sallingerstraße 7 und Sallingerstraße 9 wurden 1921-1922, bei Beginn der sogenannten „Goldenen 20er“ von der Stadt Donauwörth als Notstandswohnbauten im ehemaligen Culmanngarten gebaut. Hier eine Aufnahme aus dem Jahr 2016.

 

Zeit und Umfeld der Entstehung

Bereits vor dem Ersten Weltkrieg herrschte in den deutschen Städten Wohnungsnot, welche sich nach dem Kriegsende 1918 dramatisch verschärfte. Die Steigerung der Eheschließungen in Deutschland zwischen 1918 und 1920 von 350.000 auf 900.000, sowie die Notwendigkeit der Unterbringung von annähernd 200.000 Flüchtlingsfamilien führte vor allem in den Städten zu einer verherrenden Wohnungsnot. Die Politik reagierte einerseits mit zwangswirtschaftlichen Maßnahmen, wie Wohnraumbewirtschaftung und Mietenkontrolle, aber auch mit der Förderung des Wohnungsbaus (siehe dazu auch die ), der in der zweiten Hälfte der 1920er Jahre eine Blüte erlebte.

siehe dazu auch:
Regelung des Wohnungswesens im Donauwörther Anzeigeblatt vom 26.2.1921
Förderung des Wohnbaues; Bekanntmachung des Donauwörther Stadtrates im Donauwörther Anzeigeblatt vom 23.04.1921
Die Bekämpfung der Wohnungsnot
; ein Beitrag des ersten Bürgermeisters der Stadt Nördlingen Dr. Otto Mainer, veröffentlicht u.a. im Donauwörther Anzeigeblatt in 2 Teilen, am 19.4.1921 und am 20.4.1921

 

Beschluss, Planung und Bau

Angekündigt wurde der Bau u.a. am 18.6.1921. Im Donauwörther Anzeigeblatt hieß es in der Rubrik  Donauwörth und Umgebung unter Wohnungsnot – Wohnungsbauten: „(…) Der Stadtrat plant die Erstellung von zwei Beamtenwohnhäusern und ein Notstandswohnhaus mit einem Gesamtaufwand von ungefähr 800000 Mk. (…) Die hiesige Wohnungsnot hat im wesentlichsten Teile die Beamtenmehrung bei den verschiedenen Aemtern verursacht. Eisenbahn und Post hat allein eine Mehrung von 120 Beamten. (…)“

Der Beschluß für den Bau diese beiden städtischen Gebäude wurde in der Stadtratssitzung vom 4.7.1921 gefasst. Im Bericht des Donauwörther Anzeigeblatts vom 5.7.1921 heißt es dazu u.a.:
„(…) 4. Behebung der Wohnungsnot durch Neubauten. Um die hier herrschende Wohnungsnot wenigstens einigermaßen zu beheben (es bestehen z. Zt. 256 unerledigte Wohnungsvormerkungen) beschließt Stadtrat hiemit generell, heuer noch 2 Wohnhausneubauten mit je 4 Wohnungen selbst zu erstellen, (Bauplatz Kulmann Garten) (…)“

Dokumentierter Beginn der ersten Arbeiten ist der Zeitraum vom 8.-14.10.1921. In diesem Zeitraum wurden Bäume und Sträucher dieses Teilstücks des ehemaligen Culmann-Gartens gerodet.

Direkt danach erfolgte der Bau der beiden Notstandwohnbauten Berger Vorstadt 275a und 275b,
heute Sallingerstraße 7 und 9.

Gebaut wurden die beiden Gebäude 1921/22 ursprünglich für jeweils 4 Wohnungen, jeweils 2 in Erdgeschoß und 1. Obergeschoß. Im Dachgeschoß war zudem für jede Wohnung ein weiterer Raum vorhanden. Die Wohnungen selbst wurden als schön und groß bezeichnet und hatten ein „Spülklosett“. Das Wohnzimmer war mittels „Sparkachelofen“ beheizbar, dessen Qualität aber wohl zumindest anfangs nicht besonders war, es mussten bereits nach wenigen Jahren die ersten repariert oder ausgetauscht werden.
1926 kam die erste Antenne durch den Mieter Karl Diemand.
1929 Verlegen von Klingelleitungen
1947 Ausbau der Dachgeschoße, so dass auch dort jeweils 2 weitere Wohnungen entstanden.

 

Die ersten Bewohner

Bereits für den September 1922 in der Einzug des Lehrers Karl Thaumüller verzeichnet. Für den 23.12.1923 ist der Einzug des späteren (ab 1.4.1924) Sparkassenleiters Hans Mendorf  im Haus 275b dokumentiert.

Adress- und Geschäftsbuch für Donauwörth mit Berg 1925:
275a* (Stadtgemeinde) Berger Vorstadt
           Geyer Johann, Kassa-Verwalter, Berger Vorstadt
           Diemand Karl, Hauptpräfekt am Knaben-Institut Heilig Kreuz, Berger Vorstadt
           Thaumüller Karl, Lehrer, Berger Vorstadt
           Bauer, Adam, Oberbahnverwalter a.D., Berger Vorstadt
275b* (Stadtgemeinde) Berger Vorstadt
           Gittelbauer Fritz, Vollstreckungssekretär, Berger Vorstadt
           Wachter Xaver, Gefängniswachtmeister, Berger Vorstadt
           Hackl Joseph, Betriebstechniker, Berger Vorstadt
           Baumgärtner Johann, Eisenbahn-Assistent, Berger Vorstadt

Adress- und Geschäftsbuch für die Stadt Donauwörth 1929:
275a* (Stadtgemeinde) Sallingerstraße
           Mendorf Hans, Sparkassenverwalter
           Diemand Karl, Hauptpräfekt
           Thaumüller Karl, Lehrer
           Bauer Karolina, Oberbahnverwalterswitwe
275b* (Stadtgemeinde) Sallingerstraße
           Gittelbauer Fritz, Vollstreckungs-Obersekretät
           Baumgärtner Johann, Reichsbahnsekretär
           Baumgärtner Hans, Bautechniker
           Rupprecht Michael, Faktor
           Hackl Josef, Betriebstechniker

1937
275a*
           Diemand Karl,
           Thaumüller Karl, Oberlehrer
           Eberl Ludwig, Abteilungsleiter im Arbeitsamt
           Bauer Karolina, Oberbahnverwalterswitwe
275b*
           Strobl Ulrich, Vertragsangestellter (Stadtgemeinde)
           Baumgärtner Hans, Reichsbahn-Sekretär
           Gittelbauer Fritz, Vollstreckungs-Obersekretär
           Rupprecht Michael, Buchdruckerei-Faktor

 

Quellenverzeichnis

  • Stadtarchiv Donauwörth (Bauakten, Meldeverzeichnis)
  • Auskünfte Stadtarchivar Dr. Seuffert
  • Adress- und Geschäfts-Handbuch für Donauwörth mit Berg (1925)
  • Adress- und Geschäftsbuch für die Stadt Donauwörth (1929)
  • Donauwörther Anzeigeblatt; Jahrgänge 1921 und 1922

Nachtrag vom 8.4.2017

dazu auch ein Auszug aus meinem Beitrag in der Stadtratssitzung vom 6.4.2017: