Der im September 2015 vorgestellte Donauwörther Klimabericht stellt unter anderem einen durch den Klimawandel erforderlichen Waldumbau fest. So heißt es im Kapitel Auswirkungen für die Forstwirtschaft:

„… In den Wäldern Donauwörths wird die Fichte gegenüber anderen Baumarten in Zukunft zurückgehen. 80 % der Waldböden müssten mit stabilen tiefwurzelnden Baumarten (vor allem Stieleiche, Weißtanne und Esche) bestockt sein. Derzeit liegt deren Anteil bei ca. 50 % (in Bayern deutlich ein überdurchschnittlicher Wert, der die Erfolge des bereits vor gut 10 Jahren begonnenen Waldumbaus aufzeigt). Generell werden die Bestände im Stadtwald neben dem reinen Umbau auch verdichtet, um den durchschnittlichen Holzzuwachs von derzeit ca. 4,5 Festmeter (Fm) im Jahr auf langfristig ca. 6-8 Fm/ha a zu steigern – eine Maßnahme, die der CO2-Bindung dient. 

Große Bedeutung kommt der richtigen Pflege und deren Einbettung in stabile gemischte Bestände zu. Beim praktizierten Waldumbau ist der Wildverbiss das größte Problem. Besonders Weißtanne und Eiche sind hier extrem gefährdet. Durch die zunehmend milden Winter ist die natürliche Auslese bei den Wildbeständen nicht mehr gegeben, so dass die Populationen zunehmen und das Ökosystem belasten.

Die Kosten für Schutzmaßnahmen sind mit bis zu 12.000 Euro pro ha sehr hoch. Für Donauwörth ist die schnelle Erreichung waldverträglicher Wildbestände von höchster Bedeutung. Von vielen unbemerkt, drohen dem klimaverträglichen Waldumbau wegen übertriebener Pflege der Wildbestände deutlich höhere Kosten und regelmäßige Rückschläge, die völlig unnötig sind. Hier liegt vermittelnder Klärungsbedarf auch in der Verantwortung der Stadt.“

Tatsache ist derzeit, dass es eine Naturverjüngung insbesondere der geforderten Baumarten Eiche und Weißtanne aufgrund der zu hohen Wildbestände im Donauwörther Stadtwald nicht gibt. Der hohe Wildverbiss hat unmittelbare wirtschaftliche und ökologische Folgen für den Stadtwald. So liegen nach Angaben der Forstverwaltung die Wildschutzkosten im langjährigen Durchschnitt bei ca. 15.000 €/Jahr.  Durch den selektiven Verbiss des Rehwildes werden vor allem die wertvollen und seltenen Baumarten unterdrückt, so dass ein schleichender Baumartenwechsel hin zu verbissresistenten und nicht standortgerechten Baumarten erfolgt (Fichte, Rotbuche, Esche, Linde). Dadurch ergeben sich auch langfristig Qualitätsverluste und Folgekosten. An Beispielbeständen (Windwurfaufforstung „Wiebke“ 1990) wurden Wertminderungen von ca. 15.000 €/ha (!) durch Verbissschäden errechnet.

All dies steht im direkten Widerspruch zum gesetzlichen Anspruch und Auftrag (s.o.).

(ergänzende gesetzl. Grundlagen: Art. 32 Abs. 1 BayJG „…. neben der körperlichen Verfassung des Wildes ist vorrangig der Zustand der Vegetation, insbesondere der Waldverjüngung zu berücksichtigen“).

Ohne unser Zutun und unsere forstwirtschaftlichen Anstrengungen würde unsere wichtigste Hauptbaumart Stieleiche über kurz oder lang aus dem Stadtwald verschwinden. Schon jetzt klafft ein Loch in der Altersklassenzusammensetzung der Stieleiche im Bereich der 40 bis 80-jährigen Eichen. Nach meinem Verständnis wäre dies aber nicht zielführend, so dass gegengesteuert werden muss. Ziel muss daher sein, den Rehwildbestand entsprechend anzupassen. Dies fordern auch die gesetzlichen Grundlagen Bundesjagdgesetz und das Bayerische Waldgesetz.

Grundsätzlich ist das Problem auch in Donauwörth erkannt. Ob aber die vorhandene Wilddichte tatsächlich ausreichend reduziert wird, um das Problem Wildverbiss insbesondere bei den besonders gefährdeten Baumarten Eiche und Weißtanne in den Griff zu bekommen, ist nach wie vor fraglich.

 

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siehe auch:

Bundesjagdgesetz:
„… Die Hege hat zum Ziel die Erhaltung eines angepaßten artenreichen und gesunden Wildbestandes. Die Hege muß so durchgeführt werden, daß Beeinträchtigungen einer ordnungsgemäßen land-, forst- und fischereiwirtschaftlichen Nutzung, insbesondere Wildschäden, möglichst vermieden werden…“

Bayerisches Waldgesetz
Grundsatz „Wald vor Wild“
Art 14. „Hierzu sind insbesondere bei der Waldverjüngung standortgemäße Baumarten auszuwählen und standortheimische Baumarten angemessen zu beteiligen sowie die Möglichkeiten der Naturverjüngung zu nutzen“

Christian Ammer, Torsten Vor, Thomas Knoke, Stefan Wagner (2010)
Der Wald-Wild-Konflikt – Analyse und Lösungsansätze vor dem Hintergrund rechtlicher, ökologischer und ökonomischer Zusammenhänge

Fachbeitrag von Wolf Hockenjos
in Oekojagd, November 2010: „Wald und Wild“ soll „Wald vor Wild ersetzen“