1012   Thomas Schüler Architekten und Stadtplaner, Düsseldorf (DE)
            mit 
faktorgruen, Freiburg (DE)

 

Den Wettbewerbsbeitrag von Thomas Schüler Architekten und Stadtplaner mit  faktorgruen wertete das Preisgericht vom 23.11.2017 mit Anerkennung.

 

Der Wettbewerbsbeitrag

 

zu „Wohnen in Donauwörth | Das neue Alfred-Delp-Quartier“:

( Zusammenstellung aus original Text, Plänen und Illustrationen; freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Thomas Schüler)

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Gartenstadt Alfred-Delp-Quartier

Stadträumliche Lage

Die Alfred-Delp-Kaserne war bislang ein abgeschlossener Bereich, um den sich die  Stadtentwicklung Donauwörths herum entwickelt hat. Durch seine Öffnung besteht nun  die Möglichkeit diesen besonderen Ort erlebbar und zugänglich zu machen. Die  Insellage der Kaserne wird zukünftig Teil des städtischen Gefüges und wird wesentliche  Vernetzungsfunktionen zwischen den angrenzenden Stadt- und Grünbereichen  übernehmen.

Die Planung sieht vor das Kasernengelände sowohl mit den angrenzenden Stadtteilen  zu verweben und es gleichzeitig als eigenständiger Stadtbaustein erlebbar zu machen.  Die neuen Baufelder werden behutsam in das Gelände eingefügt, so dass möglichst  viele Bestandsbäume erhalten bleiben können. So werden die Voraussetzungen für einen gemischt genutzten Stadtteil für Wohnen und Arbeiten geschaffen, welcher  eingebettet im Bestandsgrün das Bild einer Gartenstadt entstehen lässt.

Das Konzept schafft einen familienfreundlichen naturbezogenen Stadtteil, der über eine  hohe Freiraumqualität Gemeinschaft, Identität und Kommunikation fördert und somit die  Voraussetzung für eine hohe Wohn- und Lebensqualität im Quartier schafft.

 

Grüne Mitte

 Das freiräumliche Herzstück des Quartiers wird durch die Grüne Mitte als  kommunikative und gemeinschaftliche Parkfläche gebildet. Die großen Bestandsbäume werden hier durch Neupflanzungen ergänzt und prägen den Charakter des neuen  Stadtteils. Als zentrale Grünfläche bildet sie die gemeinschaftliche Mitte und fördert die  Identifikation mit dem Quartier.

Durch die Nutzung für Spiel und Freizeit trägt die Grüne Mitte zur Qualitätssteigerung  des gesamten Stadtteiles bei und bildet ein neues zentrales Freiraumelement mit einer  hohen Aufenthaltsqualität. Sie wird naturnah ausgebildet und nimmt die erforderlichen  Ausgleichsflächen für das Gebiet auf. Gleichzeitig übernimmt sie die Funktion eines  zusätzlichen Retentionsraumes für das anfallende Regenwasser. Die Grüne Mitte trägt  durch ihre Aufenthaltsqualität und ökologische Funktion als  Regenwasserretentionsfläche zur Qualitätssteigerung des Quartiers bei.

Eine zentrale Freitreppe in Verlängerung der Hauptzufahrt bildet den nördlichen  Abschluß der Grünen Mitte. Vorgelagert befindet sich ein Aktionsband welches mit  unterschiedlichen Spiel- und Sportflächen einen besonderen kommunikativen  Treffpunkt  bildet. Großzügige Sitzstufen schaffen Aufenthaltsbereiche mit hoher  Verweilqualität und öffnen das Gebiet stadteinwärts. Der besondere Blick nach Süden  wird inszeniert und für alle Bewohner erlebbar gemacht.

 

Die Grünen Anger

Zwei Grünfugen in Nord-Süd- Richtung durchqueren das Quartier und münden in die  zentrale Grüne Mitte. Sie bilden die Hauptwegeachsen innerhalb des Quartiers und  schaffen großzügige Wegekorridore zur angrenzenden Parksiedlung und den nördlichen  Freiflächen.

Als lange Anger schaffen sie Zonen für kleinere Spiel- und Aufenthaltsflächen und  nehmen die Retentionsflächen zur Rückhaltung des anfallenden Regenwassers auf. Sie  werden naturnah ausgebildet und bieten zusätzliche  Ausgleichsflächen für das Gebiet.  Lockere Baumstellungen mit Obstbäumen greifen das Motiv der Streuobstwiesen auf  und lassen die Landschaft in den Siedlungsraum hineinfließen. 

 

Zentrale Quartiersplätze an der Grünen Mitte

An den Stirnseiten des Quartiersparks entstehen kleine Platzsituationen, die hier dem  Grünraum seinen Abschluß geben und zum dem Park hin öffnen. Die Plätze dienen als  Orte für öffentliches und gemeinschaftliches Leben und werden jeweils durch offene  Höfe mit Mehrgenerationenwohnen gerahmt. Hier befinden sich kleine Läden, die Kitas  und eine zentrales Quartierscafe, welche hier als Magneten wirken.

Bänke unter den Bäumen laden zum Verweilen ein und geben dem Platz den Charakter  eines Wohnzimmers für die angrenzenden Bewohner des Quartiers. Als urbaner  Platzraum lässt er vielfältige Nutzungsmöglichkeiten zu und integriert zentrale Spiel- und  Aufenthaltsflächen.

 

Der Landschaftspark

 Die Grünen Anger verbinden sich mit dem südlichen Grünzug und schaffen hier gut  erkennbare Zugangssituationen in das neue Stadtquartier. Die vorgelagerte  Promenade wird hier aufgeweitet und bildet eine Platzsituation, die sich als Balkon in den Grünzug schiebt und hier einen Kommunikationsort mit einer hohen  Aufenthaltsqualität schafft.

Der neue Grünzug erhält ein großzügiges Entree in Form von Sitz- und Rasenstufen und  schafft die Verbindung zwischen der Altstadt und dem neuen Stadtquartier. Ein  Treppenweg in Verbindung mit einer begleitenden Rampe überwindet den  Höhenunterschied, eine neue Brückensituation über die Bundesstraße bindet das Freibad mit ein und schafft einen neuen Eingang in den Schellenberg. Die Schanze wird  in ihrer Kontur herausgearbeitet  und locker mit Bäumen überstellt. Sie bildet das  Wahrzeichen des neuen Quartiers und einen Verteiler für die ankommenden Wege.  Die Schanzenstraße wird verkehrsberuhigt und auf die erforderliche Mindestbreite  zurückgebaut.

 

Städtebau

 Das städtebauliche Konzept entwickelt sich aus der freiräumlichen Grundidee. Die  Siedlungsstruktur folgt den Höhenlinien und bildet eine gestaffelte Bebauung mit guter Süd-Westorientierung. Die kompakten Baufelder gruppieren sich hangaufwärts und  bilden kleine Wohnhofsituation.

Die Baufelder ermöglichen auf verschiedenen Parzellengrößen eine flexible Bebauung  für Geschoßwohnungsbau, Baugruppen und Stadthäuser mit unterschiedlichen Wohn-  und Arbeitsmodellen und ermöglichen so die Voraussetzung für eine flexible  städtebauliche Körnigkeit. Die Bautypen auf den Grundstücken sind grundsätzlich  austauschbar, wobei die Dichte an der Grünen Mitte am höchsten ist und sich zu den Rändern hin auflockert.

Das modulare Konzept der einzelnen Wohnhöfe bildet das städtebauliche Grundgerüst  und ermöglicht eine Vielzahl unterschiedlicher Bautypologien. Es ist robust für spätere  Veränderungen ohne die städtebauliche Grundidee zu verlieren. Das Konzept bildet so  die bautypologische Voraussetzung für ein dichtes innerstädtisches gemischtgenutztes  Stadtquartier, für ein nebeneinander von Wohnen, Arbeiten und Freizeit. 

Die Grüne Mitte wird durch verdichtete Wohnhöfe gerahmt, die hierüber ihre Adresse  erhalten. Eine differenzierte Bebauung mit unterschiedlichen Gebäudetypen bildet eine spannungsvolle Raumkante mit abwechslungsreicher Architektur die hier der Grünen  Mitte ihre Raumkanten geben.

 

Erschließung

Die Erschließung des 1. BA erfolgt über die zentrale Hauptachse die ausgehende von  der Schanzenstraße bis zum Quartiersplatz führt. In seiner Weiterführung entsteht eine  ringförmige Erschließung die alle weiteren Baufelder anbindet.

Nach Freiwerden des 2. BA wird die Hauptzufahrt an die ursprüngliche Stelle im  Kreuzungsbereich der Jurastraße verlegt, wo das erhaltene Zugangsgebäude den  Auftakt bildet. Die neue Zufahrt führt Wege- und Blickachse in das Quartier hinein, über  die Grüne Mitte hinweg weiter in den freien Landschaftsraum. Die Zufahrt verbindet  sich  mit der Ringerschließung des 1. BA zu einer klaren inneren Verkehrsführung.

Der Straßencharakter innerhalb der einzelnen Wohnquartiere wird zugunsten einer  Mischfläche ohne erkennbare Fahrbahnbereiche aufgelöst, wodurch gemeinschaftliche  Räume zum Spielen, Treffen und Aufenthalt entstehen. Einzelne Stellplätze unter  Bäumen gliedern den Straßenraum und wirken geschwindigkeitsmindernd. Die  Erschließungsschleifen sind nur für die Anwohner befahrbar, dadurch werden die  Quartiere von Durchgangsverkehr frei gehalten. So entstehen verkehrsberuhigte Innenbereiche mit einer hohen Nutzungsqualität der Freiräume.

 

Mobilitätskonzept

Direkt an den Quartiersplätzen und in direkter Nähe zu den Haltepunkten der Busse  befinden sich die zentralen Mobilitätsstationen. Unter einer leichten Dachkonstruktion  befinden sich die Einrichtungen der Bushaltestelle und alle Funktionen für das Konzept  der „sanften Mobilität“. Angegliedert befinden sich die carsharing Stellplätze und  Leihfahrräder, sowie die Ladestationen der Elektromobilität.

Die Mobilitätsstationen liegen zentral im Kreuzungspunkt aller Wege und leisten ihren  Beitrag zur Reduzierung des Kfz-Aufkommens. Die Fuß- und Radwege durch den  Grünraum stärken das durchlässiges innere Erschließungskonzept und fördern den  Individualverkehr.

 

Regenrückhaltung

Für die Entwässerung des gesamten Gebietes wird ein dezentrales  Regenwassermanagement in drei Stufen vorgeschlagen, mit dem Ziel, das anfallende  Regenwasser möglichst lange zurückzuhalten bzw. einer Mehrfachnutzung zuzuführen.

In einer ersten Stufe wird das anfallende Regenwasser aus den privaten Flächen in  dezentralen Retentionszisternen gesammelt, auf dem Grundstück zurückgehalten und in Form von Grauwassernutzung zur Gartenbewässerung oder für die Toilettenspülung  genutzt. Dadurch kann auch der Verbrauch an kostbarem Trinkwasser reduziert  werden.  Lediglich ein Notüberlauf wird über die offenen Mulden abgeleitet. Die  anteilige Dachbegrünung kann das anfallende Regenwasser aus den privaten Flächen  zusätzlich reduzieren.

Das Regenwasser aus den öffentlichen Straßen- und Platzflächen wird in einem Netz  aus offenen Rinnen gesammelt und den zentralen Grünflächen der beiden Anger  zugeführt. Diese sind durch einzelne Sitzstufen kaskadenartig angelegt, so dass das  überschüssige Wasser jeweils an die tiefer liegende Mulde weitergeleitet wird.

Über die Grüne Mitte, die ebenfalls als Retentionsraum dient, gelangt das Wasser als  letzter Baustein schließlich in den südlichen Landschaftspark, von hier aus erfolgt am  tiefsten Punkt des Geländes ein Anschluss an den bestehenden Regenwasserkanal als  Notüberlauf.

Durch die hohe Verweildauer des Wassers in den begrünten Mulden kann ein Teil des  Wassers verdunsten oder es versickert bereits in den Vegetationsflächen. Die offenen  Regenwassermulden tragen so gleichzeitig zur Verbesserung des Mikroklimas bei.

Die Investitionskosten können durch den Entfall aufwendiger unterirdischer Kanäle  zugunsten eines offenen Systems minimiert werden, das Thema der  Regenwasserbewirtschaftung wird als ökologische Qualität sichtbar und erlebbar  gemacht und trägt zum positiven Image der Siedlung bei.

 

Energie

Alle Gebäude haben durch gute Südorientierung, hohe Kompaktheit und geringe  Verschattung ausgezeichnete Voraussetzungen für einen niedrigen Heizenergiebedarf.  Die städtebauliche Struktur aller Gebäudetypen ermöglicht eine verschattungsfreie  Integration solarer Energiesysteme auf den Flachdachflächen. Mit einer Solarfläche von  1/3 der Dachfläche ist eine Dachbegrünung eine ökologisch optimale Kombination.

An zentraler Stelle in de Grünem Mitte integrierte wird die Energiezentrale vorgesehen,  welche hier die Besonderheit des Quartiers sichtbar macht und die  Energiegemeinschaft symbolisiert. Identitätsstiftend wird die Siedlung von hier aus mit  Wärme versorgt. Die zeichenhafte Energiezentrale wird vorrangig aus regenerativen  Energiequellen Wärme und Elektrizität erzeugen. Ein Nahwärmenetz transportiert die  Wärme zu den Wärmeübergabestationen in allen Gebäuden.

 

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Einzelbewertung des Preisgerichtes vom 23.11.2017

aus der Ausstellungsinformation:
Wohnen in Donauwörth / Das neue Alfred-Delp-Quartier; Einzelbewertungen, S. 14f.

„…
Einzelbewertungen

1012 / Anerkennung

 

Die Arbeit 1012 fußt auf einem stringenten H-förmigen Erschließungssystem. das sich vom Sportplatz bis an die südliche Kante erstreckt. Die Dichte nimmt von Norgen nach Süden zu – die verschiedenen Nutzungstypologien sind streng von Nord (EFH/DH) nach Süden (MFH dann Gewerbe) segregiert. Der Exerzierplatz wird zur grünen Mütte mit angegliederten Sondernutzungen wie Spiel- und Sportflächen mit einem sogenannten Quartiersplatz im Westen, der aber keine Raumkanten hat und keine Platzqualitäten entfalten kann.

Es entsteht ein, in sich schlüssiges, System, viel Wohnraum gut erschlossen auf dem Grundstück unterzubringen.

Während die Grundstruktur durchaus Gefallen findet, und der Bezug zu den bestehenden Terrassierungen gut ablesbar ist – bleibt der Entwurf schematisch und es gelingt den Verfassern nicht, aus der Übersetzung der bestandstopographie eine innovative Stadtstruktur zu entwickeln. Gerade die fehlende Nutzungsmischung, wie auch eine fehlende Raumdifferenzierung sind das große manko des Entwurfes. Positiv überzeugt die Umsetzbarkeit des Entwurfes in einzelnen Bauabschnitten.

Die Wirtschaftlichkeit des Entwurfes liegt im oberen Bereich.“