.                                                                                                                      Die Wichtelmänner, Abbildung aus Grimms Märchen (1915)

Friedrich Panzer: Bayerische Sagen und Bräuche, Beitrag zur deutschen Mythlogie, Band 2, S. 102f, München 1855

 

„… 155. Der Wichtelesberg bei Zürgesheim an der Donau, in Schwaben, bildet einen kegel, dessen fuß sich bis an das ufer der Donau herabzieht, am gipfel des berges steht ein kalksteinfels zu tag, mit einer kleinen öffnung, welche den eingang zum Wichtelesloch bildet. es soll sehr tief und mit einem bis an das ufer der Donau sich erstreckenden unterirdischen gang in verbindung sein. in Zürgesheim wird folgendes erzählt:

a) Einst ließen hirtenbuben eine gans in das Wichtelesloch, welche in der Donau, bei den almen, ein mit weiden bewachsenes ufer, wieder herauskam.

b) Auf dem Wichtelesberg wohnten in alten zeiten wichtele; einige sagen, es wären drei gewesen. die schloffen aus und ein im Wichtelesloch, und kamen nachts oft auf den Urfahrhof. war abends die wäsche für den nächsten morgen zum waschen hergerichtet, so haben die wichtelen nachts dieses geschäft verrichtet. sollte brod gebacken werden, so fand die urfahrbäuerin morgens die laib fertig, und sie durfte sie nur in den ofen einschießen. einst belauschte der urfahrbauer die wichtelen, und, weil sie ganz nackt waren, ließ er ihnen haes machen, und legte sie mit geld hin; denn ermeinte sie müßten sehr arm sein. sie weinten und sagten: „nun sind wir ausgelohnt, und müssen schlenkern“.

c) Ähnliches wird vom Moia’hof erzählt, ein bauernhof in Zürgesheim. alte leute fügen hinzu: der Moia’hof sei ein edelgut gewesen, zu welchem die flur des dorfes gehörte. noch jetzt hat der Moia’bauer die beßten gründe, welche um seinen hof herum liegen.

d) Um den schatz zu holen, wagten drei hirtenbuben sich mit einem strick in das Wichtelesloch hinabzulassen. der erste sagte: „ich fahr in gottes namen hinab“; er kam mit vielem geld zurück. so auch der zweite. der dritte sagte: „ich fahr in bocksnamen hinab“. als die beiden anderen der strick heraufzogen, hing ein gaisfuß daran. der böse hatte ihn behalten. auf dem Wichtelesberg sah man öfter einen dreibeinigen gaisbock und einen hund.

 


Heinrich Haßelberger, Der Wichtelesberg bei Zirgesheim, in: Leo Fischer, Schwäbische Sagen und Geschichten, 2. Auflage, S. 107f,

 

Der Wichtelesberg bei Zirgesheim

Bei Zirgesheim an der Donau liegt ein Bergkegel, dessen Abhang sich bis an das Ufer des Flusses heranzieht. Das ist der Wichtelesberg! In einem Kalkfelsen auf seinem Gipfel zeigt sich eine kleine Öffnung, das Wichtelesloch. Als einmal Hirtenbuben eine Gans in das Loch schlüpfen ließen, kam sie unten an der Donau, bei den „Almen“ wieder heraus.

Auf dem Wichtelesberg wohnten in alter Zeit die Wichtele. Die schlüpften aus und ein im Wichtelesloch und machten auf den Bauernhöfen der Umgegend ihre nächtlichen Besuche. Oft kamen sie auch auf den Urfahrhof. War abends die Wäsche für den nächsten Tag eingeweicht, so machten sich die Wichtele gleich an die Arbeit, und wenn die Bäuerin des Morgens aufstand, hing alles schon an der Leine zum Trocknen. Sollte Brot gebacken werden, so fand man beim Aufstehen die Laibe fertig und brauchte sie nur noch in den Bachofen schieben. Die Knechte und Mägde hatten gute Zeit. Sie richteten abends die Arbeit her und wenn alles im Hause schlief, kamen die fleißigen Kleinen und schafften, daß ihnen der Schweiß von der Stirne rann. Der Urfahrbauer aber hätte gerne gewußt, wer ihm so hilfreiche Hand leiste, und versteckte sich einmal nachts in der Küche hinter einem Schaffe. Da kamen die kleinen Männlein nach und nach hereingetrippelt und begannen zu arbeiten. Weil sie alle unbekleidet waren, hatte der Bauer Mitleid mit ihnen und befahl gleich am anderen Morgen seinem Schneider, für jedes ein Anzüglein zu machen. Eines abends legte er die fertigen Kleider auf die Küchenbank und steckte auch in die Taschen etwas Geld, weil er meinte, die Kleinen müßten doch sehr arm sein. Die nächtlichen Helfer fanden die niedlichen Kleidungsstücke und verwunderten sich anfangs; dann aber schlüpften sie schnell hinein und betrachteten sich wohlgefällig von allen Seiten. Rasch jedoch verflog ihre Freude und traurig sagten sie: „Nun sind wir ausgelohnt und müssen wandern.“ Seit jener Nacht kamen die Wichtele nicht mehr auf den Urfahrhof; dem Bauern aber ging es wohl bis an sein Ende.

Heinrich Haßelberger.


in: Johann Baptist Schön: Gedichte, S. 111, Donauwörth 1804

Ueber die berüchtigte Felsenhöhle des sogenannten Wichterlsberges nächst Donauwörth.

(Ninna)
Es soll ein Flammengeist hier auf Goldkisten wachen,
Und den, der ihn erlößt, durch Schätze glücklich machen?

(eine männliche Stimme)
Ich! – würdest du die – Höhle seyn. –

 


www.br.de – Radiofeature: Die Wichtel vom Wichteleshöhle  (P Seminar 2014/2015)


Im Höhlenkataster Frankenalb wird das Wichtelesloch unter der Katasternummer L28 geführt. Leider gibt es zu dieser Höhle keine genaueren Angaben. Es heißt darin lediglich „…Nicht mehr zugänglich (Einstieg durch Sprengungen
zerstört)…“; Das Wichtelesloch war die südlichste Höhle des  Karstgebietes L (siehe auch Beitrag „Dietmar Jung: Geologie der Karstgebiete L&M„).