1009   Palais Mai GmbH, München (DE) mit
            grabner huber lipp Landschaftsarchitekten und Stadtplaner Partnerschaft mbb, Freising (DE)

 

Den Wettbewerbsbeitrag von Palais Mai GmbH und grabner huber lipp Landschaftsarchitekten und Stadtplaner mbb wertete das Preisgericht vom 23.11.2017 mit Anerkennung.

 

Der Wettbewerbsbeitrag

zu „Wohnen in Donauwörth | Das neue Alfred-Delp-Quartier“:

 

PALAIS MAI

WOHNEN IN DONAUWÖRTH – DAS NEUE ALFRED DELP QUARTIER
SITUATION UND KONZEPT
Die ehemalige Alfred – Delp – Kaserne soll zu einem neuen Stück Donauwörth werden, ein Stück Stadt mit starker Identität an der Schnittstelle zwischen Besiedlung und Landschaft. Das Projekt sieht im Areal großes Potential für die Aufwertung und den Weiterbau der Parkstadt. Neue Wohnformen werden dazukommen, neue Nutzungen und Räume, die andere Nutzungen ermöglichen und so auch eine heterogenere  Mischung an Bewohnern. Das neue Quartier vernetzt sich mit der Stadt und definiert den Ortsrand und den Übergang zur Landschaft neu. Möglichst viele der angebotenen Wohnformen sollen das Gefühl des Wohnens im freistehenden Einfamilienhaus vermitteln bei gleichzeitig sparsamen Fläschenverbrauch. Wir schlagen insgesamt eine etwas höhere Dichte und somit eine nachhaltigere Ausnutzung des Grundstücks vor. Dementsprechend entstehen dichtere, klar definierte, unterschiedliche und abwechslungsreiche Räume (und Orte) mit hohen Aufenthaltsqualtitäten.

 

QUARTIER, RÄUME UND ORTE
Die neue Bebauung bildet entlang der Sternschanzenstrasse sehr unterschiedliche Übergangsräume aus. Über zwei Platzräume wird das neue Quartier mit dem bestehenden Siedlungsteil verwoben. Am Quartiersplatz finden sich öffentliche Nutzungen: Läden, Cafes, Praxen, der Ausstellungspavillon. Der nördlichere Platz ist dagegen mehr von gemeinschaftlichen Einrichtungen geprägt und deutlich „grüner“. Hier findet sich – über einen Filter aus den bestehenden Bäumen zu erreichen – eine Werkstatt und Räume für Coworking. Über diesen angerartigen Platz gelangt man in zwei größere landschaftlich geprägte Räume, sogenannte Landschaftshöfe. Sie vernetzen die Parkstadt mit der Landschaft, hier finden sich Mulden zur Retention. Die Landschaftshöfe lassen das Dahinterliegende erahnen und bringen so die Qualitäten der im Osten gelegenen freien Landschaft ins Quartier.

Weitere besondere Orte sind die Gemeinschaftshöfe die über verkehrsberuhigte Flächen (shared spaces) erschlossen werden und sich um diese gruppieren. Diese Räume bilden kleine Nachbarschaften am Rand des Quartiers. Sie bestehen aus zeilenförmigen Baukörpern (Reihenhäuser, Geschosswohnen) und punktförmigen Baukörpern (Townhousecluster, 3- und 4-Spänner, Loftwohnen).

 

NUTZUNGEN UND MISCHUNG
Die Ausschreibung spricht sehr zaghaft über Nutzungsmischungen und sieht hauptsächlich Wohnnutzungen vor. Es wäre wünschenswert an verschieden Orten andere Nutzungen anzubieten, die ein Mehr an städtischem Leben ermöglichen. So schlagen wir an unterschiedlichen Orten ergänzende Nutzungen vor: Läden, Cafe/Mensa, Ateliers, Coworking Räume und eine Gemeinschaftswerkstatt. In den eher geschlossenen Bebauungen am Quartiersplatz wäre ein Supermarkt vorstellbar. Weitere Einrichtungen der sozialen Infrastruktur (Kita, Nachbarschaftstreff,
ambulante Pflegestation etc.) sind gut an weiteren Punkten vorstellbar.

 

ORGANISTATION UND ERSCHLIESSUNG
Das Quartier wird für den KFZ Verkehr über eine großzügige Spange erschlossen auf der auch der Bus fahren kann. Die Erschließungsspange bindet ganz im Süden und ganz im Norden an die Sternschanzenstraße an. Zusätzlich wird die Bebauung entlang der Sternschanzenstrasse über die dort situierten Plätze erschlossen. Die Fahrstraße weitet sich an räumlich definierten Stellen zu shared spaces an denen sich Gemeinschaftsparkplätze finden. Teilweise werden Häuser über Wohnwege und Tiefgaragen zugänglich. Insgesamt ist das Ziel, eine möglichst effiziente PKW Erschließung anzubieten.
In der ersten Phase (A) werden nur der nördliche und der südliche Teil über  Stichstrassen mit Wendemöglichkeiten über die shared space Flächen erschlossen, der Ringschluss erfolgt erst in der zweiten Phase (B).
Besondere Bedeutung wird der fußläufigen Vernetzung innerhalb des Quartiers und der Erschließung für den Radverkehr beigemessen. Die nahräumliche Verbindung mit der Parkstadt und mit der Altstadt sowie innerhalb des Quartiers ist über zahlreiche Fuß- und Radwege gewährleistet.
Der Bus hält entlang der Sternschanzenstraße an den Plätzen und an einem Stopp innerhalb des Quartiers. Die hochwertig gestalteten öffentlichen Platzräume und eine gemischten Nutzungsstruktur im Umfeld der Bushalte sorgen für weiter Anreize den Bus (ÖPNV) zu nutzen.
Öffentliche Stellplätze (Besucher) werden auf den Straßen nachgewiesen. Zusätzlich werden
Gemeinschaftsparkplätze für Gebäude ohne Tiefgarage oder Wohnformen die nicht direkt mit dem PKW erschlossen werden, angeboten. Die Mehrzahl der privaten Stellplätze wird in Tiefgaragen nachgewiesen bzw. sind die Häuser direkt mit dem Auto erreichbar (Reihenhäuser, Townhousecluster).

 

TYPOLOGIEN
Im Gebiet finden sich sehr unterschiedliche Typologien. Grundsätzlich war es uns ein großes Anliegen möglichst viele Alternativen zum freistehenden Einfamilienhaus zu entwickeln. Ein weiteres Ziel war Wohnformen anzubieten, die verschiedene Wohnungsgrößen zulassen. Es gibt sehr kleine (Auszubildende, Singles) und sehr große Wohnungen (Loftwohnen als Familie, betreute WGs), so dass in allen Lebensphasen im Quartier gewohnt werden kann.

1_Einfamilienhaus/ (fast) freistehend, Punkt- und Reihenhäuser
Hier gibt es verschiedene Reihenhaustypologien: 2- oder 3-geschoßige Typen mit Dachterrasse,als Cluster angeordnete Reihenhäuser mit eigenem Eingang und Garten, um einen gemeinschaftlichen Hof angeordnete 2-geschossige Reihenhäuser mit darüberliegenden Geschosswohnungen.

2_ Mehrfamilienhaus/ Höfe, Punktbebauungen
Neben dem klass. Geschoßwohnungsbau finden sich hier vor allem Sonderformen: Geschoßwohnen
über Reihenhäusern zum gemeinschaftlichen Hof, gestapelte Villen (ein Geschoß =
eine Wohnung), Dreispänner als Punkthäuser in gerichteter Anordnung, Vierspänner mit
Wohnen in alle Richtungen.

A_ Geschlossene Höfe
Die geschlossen Höfe entlang der Sternschanzenstrasse dienen der Raumbildung und zugleich als Schallschutzbebauung. Die Gebäude sind 3-geschossig geplant und passen sich somit gut an den Maßstab der Umgebung an. Gleichzeitig bringen sie eine neue Typologie nach Donauwörth, die sich besonders für die Entwicklung durch Genossenschaften eignet.

B_ Zeilen entlang der Höhenlinien
Die zeilenförmige Bebauung entwickelt sich entlang der Höhenlinien und zeichnet die Topographie nach. Hier finden sich Reihenhäuser die, je nach Orientierung, mit carport auf dem Grundstück, Garage im Gebäude oder gemeinschaftlichem Parkplatz ausgestattet sind.

C_ Punkthäuser
Die Punkthäuser sind im Osten zur Landschaft hin orientiert und bilden den neuen Ortsrand im Übergang zur Landschaft. Zwei höhere Punkthäuser markieren das Quartier entlang der Sternschanzenstraße, jeweils als Auftakt einmal im Süden und einmal zum Norden hin.

 

PHASIERUNG (A UND B)
In der ersten Phase werden der Norden und der Süden getrennt voneinander entwickelt. Die Erschließungsspange wird nicht geschlossen, sondern die einzelnen Bereiche werden über Stichstrassen erschlossen. Die verkehrsberuhigten Flächen dienen als Wendemöglichkeit und definieren zugleich einen angemessenen räumlichen Abschluss für die erste Phase der Entwicklung.

 

SCHALLSCHUTZ
Entlang der Sternschanzenstrasse sind meist geschlossene Bebauungen angeordnet. Die Hofbebauung schützt die anschließenden Freiräume vor Lärm. Über die Orientierung der Grundrisse wird der Schallschutz gut gelöst. Die Wohnungen sind alle durchgesteckt oder ausschließlich zum Hof orientiert. Zur ruhigen Hofseite orientieren sich die schützenswerten Räume, gleichzeitig werden die Freiräume im Hof geschützt. In Ausnahmefällen z.B. bei den zwei MarkerPunktgebäuden, könnte über Schallschutzloggien oder Hamburger Fenster bzw. mittels kontrollierter Wohnraumlüftung gelüftet werden.

 

ENERGIE UND NACHHALTIGKEIT
Durch die kompakte städtebauliche Setzung (wenig freistehende Häuser) wird der Wärmeverlust der Wohnbebauung minimiert. Eine effiziente Verlegung des Versorgungsnetzes ist gewährleistet. Die polygonalen Formen führen in den meisten Fällen zu einer Erhöhung des Südanteils der Gebäude. Die Dächer sind als Flachdächer gedacht die eine mögliche extensive Begrünung, aber auch die Nutzung von Photovoltaik zulassen.

Die offen gezeigte Wasserhaltung über Retentionsmulden prägt den Charakter des Quartiers und soll auch bei den Gebäuden thematisiert werden. So ist die Verwendung von Regenwasser angedacht. Neben dem Einsatz für die Gartenbewässerung und Toilettenspülung ist eine zusätzliche Nutzung des Regenwassers zum Wäschewaschen möglich.

 

 

___________________________________________________________________________________________________

Einzelbewertung des Preisgerichtes vom 23.11.2017

aus der Ausstellungsinformation:
Wohnen in Donauwörth / Das neue Alfred-Delp-Quartier; Einzelbewertungen, S. 12f.

„…
Einzelbewertungen

1009 / Anerkennung

 

   

Alleinstellungsmerkmal/Idendität des Gesamtkonzeptes
Städtebauliche Qualität des Gesamtkonzeptes

Die Arbeit bietet ein eigenständiges Gesamtkonzept als Lösung für die Aufgabenstellung an. Qualitäten und auch Schwächen erschließen sich aber erst auf den zweiten oder dritten Blick.

Die Gesamtform leitet sich aus den landschaftsräumlichen Bezügen zur umgebenden Kulturlandschaft, der Topographie und den vorhandenen Typologien in der Parkstadt her und entwickelt sie zu einem eigenständigen Bild aus geschwungenen Blockrändern und Clustern weiter. Insbesondere zur Sternschanzenstraße entsteht eine charakteristische Adresse im Wechselspiel aus öffentlichen Räumen, Gebäudekanten und Grünstrukturen.

Die städtebauliche Struktur der Zeilen ist robust genug, um im Laufe der Umsetzung auf sich wandelnde Nachfragen nach Bau- und Wohnungsformen sowie auch eine höhere Dichte durch größere Höhen zu reagieren. Gleichzeitig bestehen in einigen Bereichen im Süden jedoch Mängel in der Erschließung (Doppelerschließung).

Freiräumliche Qualität des Gesamtkonzeptes

In den Freiräumen liegt eine große Qualität. Die horizontal Ost-West durchlaufenden Grünräume stellen eine direkte Anbindung an die Kulturlandschaft her und die privaten halböffentlichen Quartiersplätze sind gut angeordnet. Für beide gilt, dass Sie in ihrer Größe angemessen dimensioniert sind und funktionieren können.

Gestalterische Angemessenheit in Bezug auf die umgebende Bebauung und Topographie

Die geschwungenen Riegel wirken fremd und vertraut zugleich. Einerseits nehmen sie die Maßstäblichkeit der Parkstadt auf, andererseits bilden sie wohlproportionierte städtische Räume. Durch die Höhenstaffelung entlang der Topographie enstehen auch aus dem Inneren des Gebietes gute und weite Ausblicke.

Jedoch sind die Baufelder für mögliche Solitärbauten entlang der Promenade nur angerissen und würden im Falle einer Realisierung an dieser Stelle räumliche und funktionale Konflikte mit der dahinterliegenden Wohnbebauung erzeugen.

Umsetzbarkeit der Bauabschnitte
Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit des Gesamtkonzeptes

Die Umsetzung in mehreren Bauabschnitten erscheint schwierig. So entstehen in den ersten beiden Bauabschnitten im Norden und im Süden jeweils lange Sackgassen, die gleichzeitig relativ wenig babaubare Fläche entwickeln. Außerdem liegt der charakteristische Eingangs- und Auftaktplatz im zweiten Bauabschnitt.

Die Eigenständigkeider Baustrukturen erfordert im Falle einer Umsetzung eine hohe und langanhaltende Disziplin und Kontinuität in der Genehmigungspraxis. Während der Umsetzung können leicht Fragmente entstehen, die langfristig nicht tragfähig sind. Auch darin liegt eine Gefahr, dass das Grundkonzept im Laufe der Zeit verwässert wird. Die überwiegende Südausrichtung und die kompakten Bauformen werden in Hinblick auf Energieverbrauch und Energieversorgung positiv gesehen.“