Pro Jahr werden in Deutschland mehrere hundert Erdbeben gemessen. Schäden richten sie allerdings nur in den wenigsten Fällen an. Bezogen auf den Raum nördlich der Alpen bzw. der Karpaten weist Deutschland die höchste Erdbebentätigkeit Europas auf.

Die Epizentrenkarte der Bebentätigkeit Deutschland zeigt eine stark unterschiedliche Bebenaktivität. Die meisten Erdbeben werden im Oberrheintal, der Niederrheinischen Bucht, der Schwäbischen Alb und dem Vogtland registriert.

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In dem Artikel Gefährdung durch Erdbeben von Prof. Dr. Gottfried Grünthal wird explizit die Seismizitätszone des Raumes Nördlingen-Donauwörth als Bebengebiet untergeordneter Bedeutung mit Beben bis zur Intensität VII genannt. Das stärkste bekannte Beben in unserer Region war laut Aufstellung des Erdbebennachrichtendienst Bayern 1769 mit Zentrum bei Harburg. Demnach hatte es die Stufe VII und einen Schütterradius von 140 km. Im Erdbebenkatalog der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR)  wird die Intensität dieses Bebens gar mit einem Schütterradius von 270 km angegeben. Wie Dr. Erwin Geiss vom Bayerischen Landesamt für Umwelt (LfU) mitteilte, sei nach historischen Quellen dieses Beben auch in Luzern verspürt worden (Gießberger 1924, er zitiert Volger 1857). Damit scheinen  die 270 km Schütterradius durchaus denkbar. Die stärksten bisher in Bayern instrumentell beobachteten Beben ereigneten sich nach Auskunft von Dr. Geiss etwa im Zeitraum 1912–1918 im Bereich Eichstätt-Ingolstadt. Sie sind – zusammen mit den Beben bei Donauwörth/Nördlingen mit verantwortlich für das sich Ost-West erstreckende Gebiet erhöhter Gefährdung in der gezeigten Karte.

In nachstehender Tabelle sind historisch überlieferte und geophysikalisch gemessene Erdbeben für die weitere Region  mit ihrer Intensität gelistet. Für eine Reihe überlieferter Ereignisse (Nördlingen: Mai 1471 und 24.11.1690; Donauwörth: 09.12.1755) konnten GRÜNTHAL & FISCHER (2001) jeweils andere plausible Ursachen (Sturmereignisse, Verwechslungen) nachweisen (Information Dietmar Jung (LfU)).

2016-01-10Tabelle Erdbeben Dietmar Jung 2

Erläuterungen zu verschiedenen Erdbebenkatalogen (BGR, GFZ, USGS, Erdbebenstation Bensberg) findet man u.a. auch in der online verfügbaren Dissertation von Horst Meyenfeld (2008) verfügbar. In dem 2. Teil der Dissertation findet man ab Seite 119 auch ein Kapitel zu Erdbeben auf der Schwäbischen Alb.

 

Ursache der Erdbeben

Laut Dr. Geiss gibt es zu den Ursachen dieser Beben s.W. kaum detaillierte, moderne Untersuchungen, so dass immer nur – etwas pauschal – auf Deformationen im Zusammenhang mit der anhaltenden Alpenbildung aufgrund der Nordbewegung der Afrikanischen Platte hingewiesen wird.

Moderne hochpräzise geodätische Messungen z.B. der Strecke zwischen einer Station bei Matera (Süd-Italien) und Wettzell (Bayr. Wald) zeigen eine jährliche Verkürzung dieser Strecke um etwa 5 mm/Jahr. Dies führt zum Aufbau von Spannungen in der Kruste, die zumindest teilweise in Form von Erdbeben abgebaut werden. Hauptsächlich geschieht dies offensichtlich am Südrand der Alpen (vgl. Friaul-Beben), zu einem geringeren Maß in den Nordalpen und anscheinend auch am Nordrand des Molassetroges (vielleicht, weil hier die stärkste „Biegung“ der Mesozoischen (v.a. Malm) Sedimente in Richtung des Sedimenttroges erfolgt).

 

Einstufung der Erdbebenzonen im Raum Nördlingen-Donauwörth:

Die Einstufung in unserer Region ist unterschiedlich. Welches Gebiet wie eingestuft ist, kann leicht mit Hilfe der Erdbebenzonenabfrage ermittelt werden. Die Angaben dort beziehen sich auf die Ortsmitte. Die Einstufung kann innerhalb des Gemeindegebietes variieren, wie z.B. im Raum Donauwörth. Während Donauwörth-Stadt und auch der Stadtteil Riedlingen mit Erdbebenzone 1 eingestuft sind, liegen die Stadtteile Nordheim und Auchsesheim in der Erdbebenzone 0.

Tabelle 2    Erdbebenzonen und Untergrundklassen nach Gemeinden im Landkreis Donau-Ries

Auf der Seite der Erdbebenzonenabfrage findet man auch Angaben zu den jeweiligen seismischen Lastannahmen und eine Karte der geologischen Untergrundklassen.

Die mittlere Referenz-Wiederkehrperiode der harmonierten Erdbebengefährdungskarten gemäß Eurocode 8 beträgt 475 Jahre, dem entspricht eine Überschreitungswahrscheinlichkeit von 10% innerhalb von 50 Jahren.

Ihre Berücksichtigung finden Erdbebenzonenkarten und Untergrundklassen u.a. in der Erdbebennorm DIN 4149:2005-04 „Bauten in deutschen Erdbebengebieten – Lastannahmen, Bemessung und Ausführung üblicher Hochbauten“. Ziel dieser Norm ist die Vermeidung eines Einsturzes von Bauwerken bei starken Beben.  Die DIN 4149 gilt daher für alle Anlagen des üblichen Hochbaus aus Stahlbeton, Stahl, Holz und Mauerwerk. Bauwerke müssen nach dieser Norm so ausgelegt sein, dass sie bei dem in der Norm spezifizierten Bemessungsbeben eine ausreichende Resttragfähigkeit besitzen. Schwächere Beben soll ohne bzw. mit nur geringen Schäden überstanden werden.

Die Anwendung der Norm DIN 4149 beschränkt sich auf die Zonen 1 bis 3. Eine gute Erläuterung dieser Norm und deren Auswirkung bietet z.B. Prof. Dr.-Ing. A. Ötes von der Universität Dortmund in seinem Beitrag „Die neue Erdbebennorm DIN 4914“.

 

 

dazu in den lokalen Medien: