Der Beitrag beruht auf dem zeitgenössischen Bericht von Johann Theodor Boetius aus dem Jahre 1704, ergänzt mit links zu diversen Einträgen bei Wikipedia etc., sowie verschiedenen Darstellungen und Grafiken.

 

 

Der Autor – Johann Theodor Boetius
– stammt wahrscheinlich aus Nürnberg und
– war als Buchdrucker und Buchhändler, sowie als Verleger und zeitweise auch als Chronist in Dresden (1691-1696)
   und Leipzig (1698-1722) tätig.

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Woselbst

Nicht allein von dem Ursprung und Anfang der

Stadt Donauwerth/ als eines Bayerisch- und Schwäbischen Haupt-Passes/ dessen Fortication, vielmaligen Belkagerungen/Eroberungen/ und andern merckwürdigen Zufällen/ sondern auch von den Ursachen des itzigen Bayerischen Krieges/ hauptsächlich aber von der den 2. Julii dieses Jahres dabey vorgefallenen blutigen Action, und auff Seiten Sr. Kayserl. Maj. Und dero hohen Aliirten wider die Bayern und Frantzosen erhaltenen Victorie, wie auch dem ferneren Verfolg des Feindes/ ausführlich gehandelt wird.

Nebst einem beygefügten Abriß der Stadt/

Und der auff dem Schellenberge gehaltenen Rencontre,

in Kupffer/

Alles von einer unpartheyischen Feder entworffen,

 

Mit Königl. Poin. Und Churfürstl. Sächs. Privilegio.

Leipzig/

Bey Joh. Theodoro Boetio,

auf dem Auctions-Platz in Rothhaupts-Hofe am Marckte/

1704.

 

 

I.   Donawerth/ oder wie es andere schreiben / Thonauwerth / ist derjenige Platz / welcher itzo wegen der darbey von den Kayserlichen und andern hohen Aliirten erfochtenen herrlichen Victorie die allgemeine Materie zu allerhand discursen giebet. Wannenhero man nicht undienlich erachtet/ so wohl von der Beschaffenheit und vielfältigen Zufällen dieses Ortes/ als inbesonderheit von den Chur-Bayerischen wider den Kayser un das Reich ergriffenen Waffen eine kurtze/ doch nach unserer Möglichkeit richtige Erzehlung ans Licht zu stellen/ und daferne unsere Arbeit dem neubegierigen Leser angenehm / mit rapportirung der ferneren Progressen künfftig fortzufahren.

II.   Die Stadt Donawerth an sich selbst ist in Schwabenland gelegen/ acht Meilweges unterhalb Ulm/ an der Donau oberhalb/ ehe der Lech/ so Bayern und Schwaben scheidet/ darein fällt/ wird aber zu Ober-Bayern gerechnet/ in das Bißthum Augspurg und Rent-Amt München. Sie wird vor eine wohlgezierte Stadt von den Bayerischen Historicis ausgegeben/ und kann man zu oberst vom Schellenberg/ auff welchem eine wackere Schantze angeleget ist/ bey heiterem Wetter den St. Ulrichs-Thurm zu Augspurg/ so doch sechs Meilweges von dannen lieget / sehen. Sie hat drey Vorstädte/ einen stattlichen Forst / kleine lustige Höltzer / und der Fluß Wernitz sencket sich am Ende der Stadt in die Donau. An einem andern Ende lieget das berühmte Closter zum Heil. Creutz/ welches/ nach Stengelii Bericht / Graf Mangold von Dilling im Jahr 1030.. vor etliche Nonnen gestifftet/ denen seine Tochter Gundera zur ersten Aebtißin vom Pabst Leone IX. vorgesetzet worden.
Nachwahls ist solches Kloster Anno 1068. Von dem Berge herunter auff die Ebene/ und endlich ums Jahr 1100. An statt der Nonnen/ Benedictiner-Mönche/ von St. Blasio aus dem Schwarzwald/ dahin kommen. Fast am Ende des Marckts/ so in die Länge erbauet / ist die vornehmste Kirche zu Unser lieben Frauen mit einem feinen Thurm/ der aussen herum einen schönen Krantz hat/ und mit grünen Ziegeln bedecket ist. Von weltlichen Gebäuden haz es vier Thore und etliche kleine Pförtlein/ ein feines Rath- und Tantz-Hauß/ auff dem Marckte einen schönen Brunnen/ und ausser diesen ist das Fuggerische Pfleg-Hauß sehr berühmt. Vormahlen hat es in dieser Stadt gute Wirthshäuser gehabt / sonderlich die zwo Herren-Herbergen am Marckte; denn weil München 14. Nürnberg 12. Nördlingen 3. Weissenburg 5. Augspurg 6. Meilen davon gelegen/ und die von oben herab zu Wasser kommenden allhier anlanden müssen / so ist die Landstrasse allemahl sehr Volckreich/ und hat man vor diesem die allda gemachte Creutz-Käse hoch gehalten.

III.   Die ersten Herren des Ortes sind die Grafen von Kiburg und Dillingen gewesen/ nach deren Abgang es an Kayser Heinrich den VI. kommen/ welcher die Bürger allhier mit Freyheiten und Rechten begabet/ die so dann ihre Häuser/ das Kloster und Schloß mit einer Mauer umgeben/ und ihre Policey angerichtet. Kayser Conrad der Vierdte versetzte diesen Platz vor 2000 Marck Silbers an das Hauß Bayern/ sein Sohn Conradinus aber/ der letzte Hertzog in Schwaben/ hat es Anno 1266. demselben gar verkaufft. Als aber folgends sich Churfürst Rudolff/ Pfaltzgraff bey Rhein/ und Hertzog in Bayern/ ums Jahr an Kayser Albrechten dem Ersten vergriffen / so schreibet man / Donawerth sey Anno 1301. oder 1302. Von dem Kayser belagert/ das auff einem harten Felsen allhier gelegene Schloß niedergerissen / dem Boden gleich gemacht/ und die Stadt dem Reiche zugeeignet worden; die hernach Kayser Carl der Vierdte dem Hause Bayern Anno 1376. vor 60000. Flor. Versetzt/ die aber auff Zulassung Kaysers Sigismundi, zu der Zeit/ als Hertzog Ludovicus Barbarus zu Ingolstadt mit seinem Vetter Hertzog Heinrich von Landshut einen schweren Krieg geführet/ sich an das Römische Reich wieder begeben/ und die besagten 60000. Gulden / nicht dem Hertzog in Bayern / sonderm dem Kayser bezahlethaben soll. Und ob sie schon Anno 1458. von Hertzog Ludwig dem Reichen in Bayern belagert und erobert worden/ so muste er doch mit Kayser Friedrich dem Vierdten und Marggraff Albrechten zu Brandenburg deßwegen Krieg führen / und endlich solche Stadt dem Reiche wieder zustellen; Von welcher Zeit an sie bey demselbigen verblieben / und Monatlich 136. Fl. An statt 2. zu Pferde und 28. zu Fuß / einfachen Römer-Zug / contribuiret / die Herren Fugger aber die Reichs-Pflege allhier / absonderlich gegen dem Reiche / beständig vertreten haben. Anno 1546. ist die Stadt von dem Churfürsten Johann Friedrich zu Sachsen / und Landgraff Philipp zu Hessen eingenommen worden; bald hernach hat solche Kayser Carl der Fünffte durch Octavium Farnesium auffordern und wieder einnehmen lassen. Doch ist folgends der Rath und Bürgerschafft mehrentheils der Augspurgischen Confession zugethan gewesen/ und hat die freye Ubung der Evabgelischen Religion gehandhabet.

IV.   Anno 1607. begab sich zu Donawerth eine Sache / welche die Stadt um ihre Freyheit/ und die Einwohner um das Exercitium ihrer evangelischen Religion brachte. Denn als der Rath zu Donawerth dem Abt im Closter zum H. Creutz daselbst seine Processiones durch die Stadt nicht gestatten wollte / der Abt aber deßhalber Kayserl. Patenten heimlich auswirckte / und hierauff Anno 1606. am Tage S. Marci mit einem grossen Hauffen und Gepränge eine Procesion durch die vornehmste Gassen der Stadt zur Donau-Pforten hinaus nach dem Dorff Achsesheim hielt/ kam ihm der gemeine Pöbel bey seiner Rückreise mit Aexten/ Spissen/ Degen/ Knütteln und dergleichen entgegen/ fielen seinen Comitat an/ zerschmissen die Fahnen/ Creutze und andern Ornat / und verursachten durch sothanen Unfug / daß gedachter Abt den gantzen Handel bey Kayser Rudolpho II. angab / und die Bürger des Criminis laesae Majestatis , oder des Lasters der beleidigten Majestät beschuldigte. Hierauff geschahe kein langer Auffschub/ sondern Hertzog Maximilianus in Bayern/ welcher lange zuvor eine so favorable Gelegenheit sich an die Stadt zu reiben/ gewünschet/ kriegte Befehl/ daß er der Sachen Beschaffenheit erkundigen sollte. Wie nun dieser seine Abgeordnete dahin schickte / fanden sich zu der Stadt größtem Unglück etliche verwegene leichtfertige Leute / welche nicht allein die Bayerischen Abgeordneten / sondern auch den Kayser selbst mit allerhand Schmäh-Worten angriffen. Als nun bey so gestalten Sachen gedachte Abgeordnete/ weil der Rath das tumultuirende Volck nicht im Zaum halten konnte / wenig mit ihren Vermahnungen ausrichteten/ kam die Sache endlich dahin/ daß den 7. Augusti des 1607. Jahres eine Kayserl. Achts-Erklärung wider die Stadt publiciret/ und derselben Execution dem Hertzog Maximiliano in Bayern auffgetragen wurde. Der Rath/ um fernern Unheil vorzubeugen/ versprach dem Abte das öffentliche Exercitium der Römischen Religion/ und die Anstellung der Procesionen nach seinem Belieben frey zu lassen ; aber die Resolution wider die Stadt war schon gefaßt / darum halff dieses Versprechen alles nichts. Doch damit es fein scheinbarlich zugien / schickte Hertzog Maximilian den Kayserlichen Herold beyneben etlichen andern Gesandten in die Stadt/ die Bayern zu fragen / ob sie zu demjenigen/ was der Rath versprochen/ einwilligen wollten : Da sie nun mit der Antwort etwas verzogen/ war der Handel schon richtig/ und begab sich dr Kayserliche Herold auff eine Wiesen nechst vor der Stadt/ und verlaß allda die Achts-Erklärung. Unterdessen zog Hertzogs Maximiliani in Bayern Kriegs-Volck/ in zu Fuß/ und 700. Reutern bestehende/ unter dem Obristen Berneshausen zusammen / kam den 11. Decembr für die Stadt/ und begehrte solche ihm im Nahmen Kayserl. Maj. Zu öffnen. Der Rath hielt um etliche Tage Bedenckzeit an/ aber umsonst / denn sie mochten nicht eine Stunde erlangen/ und zog Berneshausen/ so bald sich das Fuß-Volck gelagert/ mit der Reuterey wieder zu rück/ um die Stück auch herbey zu holen und damit den Ernst anzufangen. Da nun der Rath und Bürger sahen/ daß es nicht länger zu warten/ ergaben sie sich auff diese Conditiones, daß den Protestirenden ihr Exercitium Religiones gelassen/ der Inwohner mit der Plünderung verschonet / und die Achts-Erklärung wiederum auffgehoben würde/ auch die Unschuldigen dieses Handels nicht entgelten möchten. Als dieses gewilliget/ wurde der Obriste Berneshausen in die Stadt gelassen / welcher / nachdem er die Pforten besetzt/ alsbald die Bürger difamirte / diejenigen / so des vorgegengenen Tumults halben verdächtig / in gefängliche Hafft nehmen/ und die vornehmste Kirche der Stadt denen Jesuiten einräumen ließ. Es gab sich auch bald an Tag/ daß der Hertzog in Bayern bey dieser Occasion mehr auff sein eigen Interesse, als die Execution des Kayserl. Mandats gesehen / sintemahlen er stracks alle Dinge in seinem Namen in der Stdt verrichten/ allerley Ordungen im Gewicht/ Maaß und Ellen/ wie es in seinem Lande gebräuchlich/ einführen/ ingleichen zur Gedächtniß der Recuperirung solcher Stadt / deren posession die Hertzoge in bayern biß dahin in die 200. Jahr beraubt gewesen / auff St. Thomas-Tag jährliche allgemeine Dancksagung anstellen liesse.

V.   Ungeachtet nun die zu Ulm damahls versammleten Protestirenden Fürsten/ Grafen und Stände des Schwäbischen Creyses / so wohl auch die zu Regenspurg anwesenden Reichs-Deputirten bey Ihro Kayserl. Majest. Und dem Reichs-Convent um restitution der Stadt inständigst abhielten / so wollte doch alle ihre Mühe nichts verfangen / sondern der Ort blieb in Bayerischen Händen/ vornemlich / da die Böhmischen Troublen darzu kamen/ und der Churfürst Fridericus V. seine gantze Pfaltz darüber verlor/ biß endlich Anno 1630. der Schwedische Krieg sich nach Deutschland zog. Denn als der König in Schweden / Gustavus Adolphus, dem Ligistischen Generalisimo, Grafen von Tilly / auff dem Fuß in die Bayerischen Gräntzen nachgieng/ gelangete er den Martii, war der Montag nach Patmarum, vor Donawerth / woselbst 500. zu Fuß/ 500. zu Pferde/ und 500. Land-Volck zur Besatzung gelegen/ die sich erstlich aus der Schantze auff dem Schellenberg ein wenig gewehret/ und nach der Stadt geschehener Auffforderung dem Könige nichts als Kraut und Loth und die Spitze ihres Degens entgegen bieten lassen / aber kurtz darauff / als die Schweden mercklich avanciret / den 27. Martii 1632. Des Morgens über die Brücke davon gezogen / deren gleichwohl viel auff derselben durch die grobe Stück erschossen worden ; darauff die Schwedischen in die Stadt gedrungen / die überbliebene Tillischen niedergehauen/ die Bürger aber verschonet haben. Die Uberwinder funden in der Stadt etliche tausend Säcke Früchte/ 3000. Scheiben Saltz/ und 8. grobe Stück Geschützes. Hierauff hat sich die Stadt wiederum/ wiewohl gar kurtze Zeit / als eine Schwäbisch freye Reichs-Stadt gehalten / und die Augspurgische Confession allda eingeführet. Nachdem aber Anno 1634. die Bayerischen und Ligistischen sonderbares Glücke bey ihrem Feldzuge genossen / wurde den 6. August ist. V. Donawerth von ihnen angegriffen / der Schellenberg emportiret / und bald darauff auch die Stadt erobert / von welcher Zeit an sie beständig unter Bayerischer Herrschafft gestanden / und unerachtet sie auff Schwäbischem Grund und Boden liegt / dennoch zu denen an Chur-Bayern gehörigen Städten gezehlet wird.

VI.   Nunmehro scheinet unser Donawerth und die übrigen Gräntz-Plätze zwischen Bayern und Schwaben zum Sitze eines Landverderblichen Krieges zu werden / und es ist fast nöthig / um dem geneigten Leser desto bessere Information von der Sache zu geben / daß man die Ursachen dieser Bayerischen Unruhe / so viel man vernünfftiger massen penetriren kann / ein wenig untersuche. Es ist itzo nicht das erste mahl / daß die Könige von Franckreich ihren Kopff mit der Universal-Monarchie voller Träume haben / und man findet/ daß Heinrich der Vierdte dergleichen etwas im Vorschlage gehabt/ wenn ihn nicht das mörderische Messer des Ravaillacs davon gerissen. Sein Sohn Ludwig der XIII. machte bey dem so genannten dreyßigjährigen deutschen Kriege zwar auch allerhand Anstalten darzu / und wurde von seinem Staats-klugen Ministre, dem Cardinal Richelieu, mit den subtilesten Rathschlägen secundiret ; doch konnte er bey der damaligen vereinigten Macht der beyden Häuser / Oesterreich und Spanien / nicht so viel reussiren / als er wünschte. Sein Nachfolger / Ludwig der XIV. an welchem der Cardinal Mazarin einen solchen König erzogen/ von dessen Staats-Klugheit viele andere Höfe die Regeln ihrer Regir-Kunst abgelernet/ brachte erstlich die Prinzten von Geblüte und die Hugenotten in seinem Reiche zur Raison, nachmahls griff er Spanien zu unterschiedlichen malen und an vielen Orten mit der grösten force an/ und brachte durch seine glückliche Conquesten es so weit / daß sich die grösten Puissances von Europa / diesen Lauff seiner Siege zu hemmern/ entschliessen/ und ihre Waffen wider die seinigen vereinigen müssen. Es ist leicht zu erachten/ warum Franckreich sein Absehen auff die Unterdrückung Spaniens jederzeit gerichtet gehabt. Denn weil Spanien sowohl wegen der Menge seiner Reiche / als wegen der reichen Gold-Gruben in Indien der mächtigste Staat von Europa / über dieses auch Franckreichs nechster Nachbar war/ und vorher ebenfalls/ sonderlich unter Caroli II. Gelegenheit an die Hand/ und Franckreich hat wohl nimmermehr gedacht / daß dieser kränckliche König selbigen Krieg noch überleben / und den Rißwickischen Friedens-Schluß ratificiren solte. Weil aber gleichwohl die Schwachheit des Königes täglich mehr zu- als abnahm / und die Frantzösischen Propositiones am Spanischen Hofe das Gehör nicht funden / welches man wünschte / so fielen die Frantzosen auff einen Anschlag / von welchem sich vorher kein gescheider Mensch jemahls hatte träumen lassen. Dieses war der Partage-Tractat, welchen Franckreich Engelland und Holland mir einander schlossen / und also noch bey Leibzeiten Königs Caroli II. seine Länder eintheilen wollten. Sothanes Project kam allen Staats-Verständigen so extravagant vor/ daß sie es vielmehr vor eine erdichtete Schrifft eines müßigen Kopffs als vor ein authentisches Document hielten / indem es theils ungereimter / theils wieder alle Rechte und Billigkeit lauffender Handel zu seyn schiene/ daß sich einige Potenzen unterstehen wollten/ über die Erbschafft eines andern Souverainen / und zwar ohne sein Wissen und Willen/ ja so gar auch bey seinem Leben zu disponi Auff Seiten des Allerchristlichsten Königs war es kein fremdes attentatum, daß aber der unvergleichliche kluge König von Groß-Britannien/ und die sonst vorsichtigen Holländer solchen wiederrechtlichen Tractat beliebten/ war etwas unglaubliches : Wiewohl dem allem unerachtet Ihro Königl. Majest. Diesen Partage-Tractat gäntzlich verworffen / und mit einer großmüthigen moderation erwarteten/ was Gottes allmächtige Hand künfftig in diesem puncto über sie verhängen würde.

VII.   Mittler Zeit hatte die Kron Franckreich durch ihren an den Spanischen Hof geschickten Ambassadeur Duc de Harcourt, den Cardinal Porocarrero Ertz-Bischoff von Toledo, und einige andere von den vornehmsten Staats-Ministren / mit unsäglichen Geld-remissen und Versprechungen auff ihre Seite kriegt / und die Sache auff einen so glücklichen Fuß gesetzt / daß König Carolus II. ungeachtet aller seiner guten Neigung vor das Hauß Oesterreich / ungeachtet aller Ehe-Pacten / Erb-Verbrüderungen/Vertrage/Successions-Fälle / reciprocirlichen Ansprüche zwischen Oesterreich und Spanien/ in seiner letzten Todes-Stunde/ wider allen seinen Willen/ ein von Franckreich ausgekünsteltes/ von dem Cardinal Porocarrero aber ihm vorgestelltes Testament unterschreiben / vermöge dessen das Hauß Bourbon , und nahmentlich den andern Sohn des Dauphins, Duc de Anjou zum Universal-Erben einsetzen / das Ertz-Hertzogliche Hauß Oesterreich aber gäntzlich übergehen müssen. Bald hierauff erfolgte Anno 1700. Königs Caroli II. Tod / und Franckreich / welches alle ersinnliche Praeparatoria zu Occupirung dieser gesegneten Erbschafft gemacht / verließ auff einmahl den neulichen Partage-Tractat, und trat mit diesen falschen Testament ans Licht. Hatte sich vorher jedermanniglich über die Partage verwundert/ so wurde das Erstaunen über den neu ausgebrüteten Testament noch grösser / und gantz Europa sahe nunmehr mit grosser Wehmuth / daß die allgemeine Ruhe auff einmahl wieder zu Grunde gehen muste. Zwar man konnte sich wohl einbilden / daß Oesterreich seine rechtmäßigen Ansprüche auff die Spanische Succesion mit dem Degen in der Faust wieder die Frantzosen würde zu defendiren haben / aber an das unvermuthete Blendwerck sothanen Testaments hatten die wenigsten gedacht/ Holland aber und Engelland sahen am meisten / wie schrecklich sie durch obigen Tractat mit der Nasse herum geführet worden. Inzwischen feyerte Franckreich keine Stunde/ die Spanischen Länder in Possesion zunehmen / und sich mit considerablen Allianzen zustärcken. Den Duc d’Anjou erklärete sein Herr Groß-Vater/ der alte Ludwig/zum Könige in Spanien/ ließ ihm alsobald die ersinnlichste Ehre und den gebührenden respect erweisen/ und sonder Zeit-Verlust die Reise nach Spanien beschleunigen/ woselbst er mit grossem Frolocken seiner Partie angenommen und als König von Spanien und Indien öffentlich ausgeruffen worden. Die Frantzösischen Trouppen marchirten hauffenweise in die Spanischen Niederlande/ bemächtigten sich unter dem Namen der Auxiliar-Völcker aller dortigen Festungen und Plätze/ delogirten die Holländischen daselbst befindlichen Guarnisonen/ und die Wahrheit zubekennen/ so hatten die Herren General-Staaten es vor ein Glücke zu schätzen/daß selbige Trouppen nicht intercipiret und zu Krieges-Gefangenen declariret wurden. Zu gleicher Zeit gieng eine starcke Frantzösische Armee nach Italien / impatronirte sich der Königreiche Neapolis und Sicilien/ wie auch des Hertzogthums Meyland/ in welchem kurtze Zeit vorher der alte Prince de Vaudemont als Königl. Spanischer Gouverneur, mit sonderbarer Genehmhaltung des Kayserlichen Hofes/ constituiret worden.

VIII.   Nachdem auf sothane Art die Possesion derer Span. Provintzen durch die Frantzösischen Soldaten verrichtet/ und Franckreich wohl wuste/ man würde ihn diesen fetten Braten so ruhig nicht verzehren lassen/ war es Zeit auff Allianzen zu gedencken/ oder doch einigen mächtigen nachbaren die Neutralität zu persuadir Daher wurde mit Portugal unter vielen Promessen und vortheilhaften conditionen die Neutralität / mit Savoyen und Mantua aber ein Bindniß geschlossen/ und weil Ihro Königl. Majest. Vor allen Dingen das Hertzogthum Meyland/ als ein verfallenes Reichs-Lehn vindiciren muste / bemühete sich Franckreich durch seine Creaturen am Päpstlichen Hofe/ den neu erwehlten Papst auff seine Seite zu bekommen/ welches auch glücklich geschehen / wiewohl gedachten Papst Clemens XI. der vorher Cardinal Albani geheissen / den Neapolitanischen Zelter / um die Belehnung des Königreichs Neapolis zu praestiren/ nicht angenommen. Hierauff gieng Anno 1701. das Krieges-Feuer in Italien an. Der Kayser sendete unter dem Generalat des Princen Eugenius von Savoyen eine schöne Armee von den auserlesensten Soldaten über die Tyrolischen Gebirge dahin ab/ welche/ unerachtet des ihnen schwer gemachten Durchbruches/ und derer von den Frantzosenen bereits occupirten considerabelsten Pässe/ dennoch in die Lombardie einbrachen / und ihre gegenpart / welche doppelt / ja fast dreymahl stärcker als sie waren / in unterschiedlichen rencontres zurücke schlug/ auch in demMantuanischen Hertzogthum posto fassete/ mit dem ferneren Endschluß / wenn die Eroberung von Mantua gelingen sollte / alsdenn recta ins Meylandische einzubrechen. Es ist unsers Vorhabens nicht / die vortreffliche conduite des klugen Kayserlichen Generals, noch die unvergleichliche bravour seiner tapfern Soldatesca allhier zubeschreiben / vermöge welcher die Kayserlichen sich nicht alleine unterschiedlicher Plätze bemächtigten / sondern auch die Frantzosen im freyen Felde angriffen/ und ihren Generalisimum, den Marechal de Villeroy aus der Festung Cremona / in welcher er mit einer Besatzung von 5000. Mann regulirter Trouppen lag/ mit 3000. Mann der ihrigen herausholeten / und sonder Zweiffel den Platz behauptet hätten / deferne sie von dem übrigen Corpo der ihrigen zu rechter Zeit secundiret worden / welche eine über den alldasigen Strom von dem Feinde abgeworffene Brücke auffgehalten. Doch bleibet gewiß/ daß wenn es der Sachen Zustand gelitten/ die Kayserlichen Trouppen mit eben solchen Renforts, als bey den Frantzosen geschehen/ zu secundiren/ so sollten sie itzo nicht allein Meister von Meyland/ sondern wohl selbst von Neapolis und Sicilien seyn. Wiewohl man sich nicht unbillich verwundern muß/ daß eine so kleine Macht von unterschiedl. geschwächten Regimentern / in einem Lande/ da sie alle Victualien vor baares Geld anschaffen musten/ vorne und auff den Seiten einen mächtigen Feind gehabt/ kaum den Rücken zu bedecken gewust/ sich dennoch biß dato dergestalt defendiret / daß wenn die Gegenpart gemeynet / binnen etlichen Tagen sie vollends zu zertretten/ selbige doch ihre Posten mit ruhmwürdiger Tapfferkeit defendiret / und zugleich einen Weg gefunden/ in dem Angesichte und Mittel ihrer Feinde die force ihrer noch übrigen Armee nach Piemont zu transportiren / und mit dem Hertzog von Savoyen / der nach abondonirung der Frantzösischen Partie auff Kayserliche Seite getreten / sich gewünschter massen zu conjugieren.

IX.   Gleichwie aber Franckreich aus langer praxi derer mit den Deutschen geführten Kriege abgemerckt / daß Deutschland keinen grösseren Stoß als durch seine innerliche Zwiespalt leiden/ und durch Deutsche Soldaten bekrieget werden müste/ wenn man es mit Nachdruck angreiffen wolle / also ware von nothen / unter den Deutschen Fürsten einige auff die Seite zu kriegen/ und mit ihnen particuliers-Allianzen zu treffen/ Hierzu schiene niemand bequemer als die beyden Churfürsten zu Cölln und Bayern / und die Hertzoge zu Braunschweig-Wolffenbüttel Gebrüdere / weil man alsdenn durch Bayern die beyden Creyse Schwaben und Franckenland im Zaum halten/ Oesterreich beständig allarmiren / die Communication mit der Frantzösischen Armee in Italien durch Tyrol rentiren / durch Lüttich und Cölln aber den Chur- und Rheinischen Creiß schwächen / und durch das Cöllnische mit Braunschweig communiciren konnte. Aus dieser Ursache wurde ausser dem Frantzösischen General d’usson der Marquis de Bonnac nach Wolffenbüttel als Envoyé gesendet/ mit den beyden Herren Hertzogen Rudolph August und Anton Ulrich eine defensiv-Allianz geschlossen / ihnen gewisse Subsidien zu Unterhaltung einer starcken und mehr als sonst gewöhnlichen Militz accordiret / auch zu neuer Werbung Gelder vorgeschossen / und die Sachen daselbst auff solchen Fuß reduciret( daß die gesamten Reichs-Stände und benachbarte Puissances weite Augen darüber auffsperrten. Vornemlich wurde mit dem jüngeren Hn. Bruder/ Hertzog Anton Ulrich/ particuliere Conferenz von Frantzösischer Seite gepflogen / und brachen bereits solche gefährliche Indicia hervor / daß ihre Kayserl. Majet. der Nothdurfft befunden/ durch ein ernstliches Mandat de dato Wien den 8. Februar. 1702. die die sämtlichen Braunschweig-Wolffenbüttelischen Unterthanen von Eyd/ Pflicht und Gehorsam gegen Hertzog Anton Ulrichen loszusprechen / und die Regierung sothaner Fürstenthümer dem Hertzog Rudolf August alleine anzubefehlen. Was beyderseitige Herren Gebrüdere darauff geantwortet/ lieget am Tage/ es wurde aber solches so gar gültig nicht angenommen / und am Wienerischen und Englischen Hofe solche Impressiones wider Hertzog Anton Ulrichs Durchlachtigkeit vorgebracht/ daß endlich Ihro Kayserliche Majet. den Hertzog von Holstein-Plön den 15. Martii mit einer Commission nach Braunschweig schickte / Ihro Königl. Maj. Von Engelland aber Dero Ministre im Nieder-Sächsischen Creyse/ den Herrn von Cresser, dahin abgefertiget/ welcher auch den 16. Martii von Zell in Braunschweig angelanget / und ein an Hertzog Rudolph Augustum allein gerichtetets Königliches Hand-Schreiben mitgebracht/ darinnen sehr harte Imputationes gegen Dero Herrn Bruders Durchl. enthalten gewesen. Sobald Hertzog Anton Ulrich solches vermercket / hat er sich den 17. Martii von Braunschweig nach Wölffenbüttel begeben / Hertzog Rudolph Augustus aber sich mit dem Englischen Ministre unterredet. Enterdessen rückten in der Nacht zwischen den 19 und 20 Martii die Zell- und Hannoverischen Trouppen unter dem General-Lieutenant Sommerfeld in das Braunschweigische Gebiete/ huben viele Wolffenbüttelische Trouppen in ihren Quartieren auff/ zerstreueten die andern / bemächtigten sich des Passes Reina / und zwungen die übrigen / sich unter die Stücke von Braunschweig und Wolffenbüttel zu retiriren. Damit aber dieses nicht zu einem grossen Feuer ausschlüge/ wurden alsobald durch Kayserl. Englische und Preußische interposition Tractaten gepflogen / in welchen sich Hertzog Rudolph Augustus / als Senior des Hochfürstl. Braunschweig-Lüneburgischen Hauses / bereden ließ / die Frantzösische Allianze zu casiren / den grösten Theil seiner Militz an die hohen Herren Aliierten zu überlassen / wider die Chur-Würde von Hannover nicht ferner zu protestiren / dem Chrufürsten die Praecedenz in gewissen Actibus zu überlassen / das Amt Campe von Celle zu Übernehmen / und an dessen statt seine Anforderung des dritten Theils an das Sachsen-Lauenburgische dem Chrufürsten von Hannover zu cediren. Hertzog Anton Ulrich/ welcher sich unterdessen in Osterwick auffhielte / ließ zwar durch einen Notarium Caesareum, Conrad Kirchhoff genannt/ wider diesen zwischen der Zell- und Hannoverischen Linie/ und Herrn Hertzog Rudolph August geschlossenen Tractat solenniter protestiren / und wollte keinesweges wieder in die cassirung der Allianze mit Franckreich / (so lange nemlich das Römische Reich noch keine öffentliche Krieges-Declaration wider Franckreich publiciret) noch auch in die Cession der Anforderung auff das Sachsen-Lauenburgische einwilligen/ wie weit man hierauff reflexion gemacht/ lieget am Tage.

X.   Wie kurtze Mühe es gebraucht / die in dem Braunschweigischen entstandene Unruhe zu dämpffen/ so vielmehr Arbeit und Blut haben die von seiten Franckreichs mit Chur-Cölln und Chur-Bayern geschlossene Allianzen den Römischen Kayser / dessen hohe Alliirten und das sämtliche Deutsche Reich bißher gekostet. Was die eigentlichen Ursachen seyn / welche diese beyden Churfürsten bewogen/ die Ertz-Hertzögliche Oesterreichische/ oder vielmehr die Partie des gesammten Deutschen Vaterlandes zu verlassen / und sich mit Franckreich so tieff zu engagiren / lässet sich guten theils wohl errathen / aber so deutlich nicht melden / weil ohne dem bey jedwedem Kriege inter praetextum & causam gar wohl zu unterscheiden ist. Es scheinet aber / weil bald nach dem Rißwickischen Frieden die Unpäßlichkeit des Spanischen Königes Caroli II. täglich mehr zu als abgenommen / und Franckreich keine Zeit vergebens weggehen lassen / sich auff alle Weise zu Occupirung eniner so stattlichen Erdbschafft gefast zu machen/ der so genannte allerchristl. König von Franckreich schon damahls als Ihro Churfürstl. Durchl. zu Bayern noch die Stelle eines Königlichen Gouverneurs in den Spanischen Niederlanden bekleidet / mit ihm heimliche Tractate gepflogen / und unter Versprechungen grosser Praerogativen so wohl ihn / als seinen Herrn Bruder/ den Churfürsten zu Cölln auff seine Seite gebracht. Wir wollen die Chur-Bayern specialiter angehende affairen in folgende Paragraphos versparen/ und die seltsame Conduite des Churfürsten zu Cölln etwas genauer ansehen. Dieser Printz Josephus Clemens ein Sohn Ferdinandi Mariae Churfürsten zu Bayern / Ertz-Bischoff zu Cölln/ des heiligen Römischen Reichs durch Italien Ertz-Cantzler und Churfürst / des Apostolischen Stuls Legatus Natus, Bischoff und Printz zu Lüttich/ Probst zu Bergetesgaden/ Coadjutor zu Hildesheim/ u. hat von dem Ertz-Hertzoglichen Hause Oesterreich viele Gnaden-Bezeugungen bey Erlangung aller dieser hohen geistlichen Beneficien genossen/ und hätte sich wohl niemand eingebildet/ daß ein so vornehmer Stand des heiligen Römischen Reichs vom ersten grad, seines characters vergessen/ und mit den offenbaren Feinden des Ertz-Hertzoglichen Hauses Oesterreich / welches doch dem Hause Bayern zur Chur-Würde und Possesion in der Ober-Pfaltz verholffen / zu unverwindlichen Schaden des gesamten Deutschen Vaterlandes/ in ein Bindniß einlassen/ oder sich in die allezeit treubrüchige Krone Franckreich (unter versprochener Beyhülffe zur Secularisirung seines Ertz-Bißthums Cölln) zur Brechung seiner Treu und Pflicht gegen das von Gott ihm vorgesetzte allerhöchste Oberhaupt/ nemlich Ihro Kayserlichen Majestät/ sollte verleiten lassen. Dieses propos desto besser zu secretiren brauchte gedachter Herr Churfürst/ mit Wohlbefinden seines Herrn Brudern in Bayern gegen die auff dem Reichs-Convent versammlete Collegia allerhand scheinbare Sincerationes, fieng unter der Hand an starck Volck zu werben/ verwarff den vorgehabten allgemeinen Associations-Tractat anderer benachbarter Kreyse/ redete öffters von einer particulieren anderweitigen Association, reparirte und verproviantirte seine Festungen/ reisete nach Bonn/ und ließ durch seinen Cantzler/ den Baron Karg de Bebenburg auff dem Land-Tage zu Bonn den 18. Augusti 1701. dem daselbst versammleten Chur-Cöllnischen Dom-Capitel und übirgen Kreyß-Städten seinen Vortrag/ und in demselben eine grosse Geld-Forderung thun. Dem Dom-Capitel kam diese Proposition fremde vor/ daher berufften sie ihre auff selbigen Land-Tag verschickte Deputirten zurücke/ antworteten de dato Cöln den 10. Sept. 1701. dem Churfürsten auff sein Begehren/ liessen auch den 1. Octobr. 1701. ein Manifest contra Chur-Cölln ausgehen / worinnen sie über die fremden eingenommenen Völcker/ viele Werbungen/ Einquartierungen/ Services, und andere Kränckungen ihrer Privilegien/ sich hefftig beschwereten / und beym Kayser Schutz suchten. Der Churfürst zu Cölln publicirte dawider zu Bonn d. 15. Octobr. 1701. sein Gegen-Manifest. Ihre Kayserl. Majest. aber verwiesen ihm solches Verfahren durch ein Schreiben de dato Wien d. 2. Nov. und liessen deßhalben an die Chur-Rhein und Westphälischen Herren Kreyß-Directores ein Rescriptum abgehen/ das bemeldete Dom-Capitel und die Land-Stände wider den Chur-Fürsten zu Cölln in Schutz nehmen / und verordnete Chur-Pfaltz zum Commissario , wiewohl Chur-Cölln mit diesem Commissariat nicht zufrieden gewest/ sondern in einer den 5. Januar. 1702. an Ihro Kayserl. Majest. Abgelassenen Antwort an das sämtliche Reichs-Collegium nach Regenspurg um Erkäntniß seiner Sachen provociret. Unterdessen schritte er zur Vollführung seines Desseins, und nahm an die an das Churfürstenthum Cölln gehörige Festung Kayserswerth/Rheinberg/Bonn/ wie auch in das Stifft Lüttig / unter dem Nahmen der Burgundischen Kreyß-Trouppen/ Frantzösische Völcker ein; welches factum er in einem an den Römischen Kayser sub dato Bonn d. 18. Nov. 1701. geschriebenen Briefe dergestalt entschuldigte: Er sey nemlich zur Einnehmung dieser fremden Völcker genöthiget worden 1.) Weil sich itzo wegen der Spanischen Successions-Sache eine weitaussehende Krieges-Flamme hervor thue / seine Länder aber im Mittel zwischen dem Hause Oesterreich und Bourbon lägen / und also am ersten mitgenommen zu werden schienen ; 2.) Weil der Krieg contra Franckreich vom Reiche noch nicht declariret/ oder selbige Crone vor einen allgemeinen Reichs-Feind erkläret sey ; 3.) Weil der Kayser ihn wider sein auffrührerisches Dom-Capitel nicht geholffen ; 4.) Weil die Hertzogthümer Jülich und Berge eine merckliche Anzahl ausländischer Trouppen eingenommen ; 5.) Die Chur-Rhein und Westphälischen Kreyß-Directoria auff Kayserl. Befahl dem Dom-Capitel wider ihren Churfürsten beystehen sollten. Zu gleicher Zeit/ nemlich den 20. Nov. 1701. Schickte er an den Gouverneur der Citadell zu Lüttich/ Herrn von Berlo/ folgende Ordre, daß / weil die Holländer in Jülich gerückt/ und 10. Battaillons in den Flecken Herstall/ gleichsam vor die Pforten der Stadt Lüttich / gelegt / so sollte er den Frantzösischen General Mr. de Montrevel mit den bey sich habenden 4000. Mann/ nach producirter sothaner Ordre, sonder grosse Weitläuffigkeit einlassen. Dieses Verfahren/ welches von dem Dom-Capitel d. 12. Dec. an den Kayserl. Hof mit unterthänigster Schutz-Bitte berichtet worden / (wie denn auch Ihr. Kayserliche Maj. Ihnen hierauff d. 17. Dec. 1701. einen allergnädigsten Schutz-Brieff ertheilet) befremdete das gantze Reich und dessen hohe Alliirte/ nemlich die Engelländer und Holländer nicht wenig / dahero gebrauchten sie alle zuläßige praecaution , hielten zu Düseldorff wegen Belagerung Kayserswerth und Rheinbergen Rath / liessen daselbst 44. Frantzösische Schiffe / welche mit Korn/Haber/Brettern/Stricken/Anckern und andern Krieges-materialien beladen nach gedachten beyden Festungen wollten/ durch Chur-Pfaltz auff dem Rhein anhalten/wegnehmen/ und bey Düsseldorff ausladen/ ungeachtet aller deßhalben geschehender Chur-Cöllnischer Gravaminum und Frantzösischer Bedrohungen. Ihro Kayserl. Majest. aber ertheilten an die ausschreibenden Fürsten des Westphälischen Kreyses d. 9. Jan. 1702. ein Rescript , darinnen ihnen die Commission auffgetragen ward / die von Chur-Cölln eingenommene Frantzösis. Militz auszuschaffen / und bestmöglichst zu vertreiben. Diesem Rescript folgeten noch andere / nebst denen gewöhnlichen Avocatoriis und wurde dem Herrn Bischoff von Raab anbefohlen / vier Kayserl. Mandata an den zu Bonn sich auffhaltenden Churfürsten durch einen Courrier zu übersenden. Das erstere war deutsch an Seine Churfürstl. Durchl. zu Cölln/ das andere lateinisch an Se. Churfürstl. Durchl. als Printzen von Luyck/ gerichtet ; Beyde hielten eine Citation Sr. Churft. Durchl. und dero Cantzlers / des Baron Kargs/ nach Wien in sich/ welche daselbst vor dem Reichs-Hoff-Rath ihre Conduite justificiren / bey dessen Entstehung aber in die Acht erkläret/ und aller ihrer Ehre/Würde/Lehen/Haab/ und Güter verlustig/ auch alle Unterthanen von dem Eyd der Treue losgesprochen seyn sollten/ wenn sie den Baron von Mean, Groß-Dechant der Cathedral-Kirche zu Luyck nicht binnen zwey Monaten wiederum in völlige Freyheit setzen liessen / die auswärtige und unter dem falschen Nahmen des Burgundischen Kreyses in ihre Lande gekommene Trouppen zurück schickten / und der Allianze mit Sr. Allerchristlichsten Majestät und dem Hertzog von Anjou, der darinnen vor einen Ursurpateur der Spanischen Crone gehalten wird/ gäntzlich absagten. Ihro Kayserl. Majest. Verbieten andern Civil– und Militair-Bedienten/ und insgemein allen Dero Unterthanen Sr. Churf. Durchl. so lange / biß sie jetzt gemeldeten drey Artickeln ein Genügen gethan/ vor dero Herrschafft zu erkennen / oder dero Befehlen zu gehorsamen / bey Straffe / daß die Geistlichen iher Güter/Ehre und Würden beraubet/ und in die Acht erkläret / die Weltlichen aber ihr Leib und Leben verlieren / und alle ihre Güter confisciret seyn sollen. Das dritte Mandat war an den Grafen von St. Maurice, als commandirenden General Sr. Churftl. Durchl. Trouppen/ worinnen ihm anbefohlen wird / alle Soldaten / welche ohne Vorwissen des Capituli geworben sind / abzudancken. Und das vierdte / welches an den Grafen von Königseck/ als Sr. Chrurfl. Durchl. Ober-Hofmeister gerichtet war/ hielte einen Befehl in sich/ an alle Dero Hoff-Bediente/ daß sie aus deren Diensten gehen/ und Sie verlassen sollten / zu welchem Ende es sie von dem geleisteten Eyd der Treue frey und losspricht. Der Herr Churfürst zu Cölln war gleich in der Kirche/ in der Abend-Betstunde/ wie er diese Zeitung empfieng/ und sagte zu dem Grafen von Königseck (der mit dem Kays. Mandat in der Hand zu Ihnen in den Kirchenstand kam/) daß der von Ihr. Kayserl. Majet. Ihnen gethane Verweiß unbillich/ und der gebrauchte Vorwand den Reichs-Satzungen schnurstracke entgegen wäre: Sie wolten das heilige Sacrament/ so daselbst ausgestellet/ zum Zeugen nehmen/ daß alles/ was sie gethan/ bloß aus dem Absehen/ den Frieden in Europa zu erhalten/ geschehen/ und ihrer Meynung niemahls gewesen sey/ dem Reiche zu schaden/ daß/ wann sie nicht die Warheit sagten/ sie Gott bäten/ sie in der selben Stunde sterben zu lassen/ bey dem einmahl gefaßten Schluß und Vorhaben beständig verbleiben. Hierauff wurde dem Könige von Franckreich/ Ihrem Herrn Bruder dem Churfürsten zu Bayern / und ihrem auffm Reichs-Tag zu Regenspurg subsistirenden Minister von dieser Mandaten Inhalt Nachricht ertheilet / und absonderlich an Se. Churfl. Durchl. zu Bayern geschrieben / daß hieraus zu sehen/ „wie des Kayserl. Hofes-Hochmuth alle Tage zunehme/ daß er selbst/ indem er sich bemühet/ durch die vorgewandte Furcht einer allgemeinen Monarchie/ das Röm. Reich wider Franckreich zu erregen / die Churfürsten/ Fürsten und Stände des Reichs ihrer vornehmsten Rechte und Praerogativen beraubte/ um solche dem Kayser alleine/ oder vielmehr dem Hause Oesterreich zuzueignen/ daß man vor kurtzem gesehen/ was dieser Hoff gethan / aus eigner Macht die neundte Chur einzuführen und festzusetzen/ und in denen zum Reich gehörigen Landen ein neues Königsreich auffzurichten/ wie es höchst zu verwundern / daß/ ob gleich die deßwegen entstandene Unruhe noch nicht gestillet/ derselbe sich doch anitzo unterstehe/ die Churfürsten und Fürsten des Reichs in ihren eigenen Personen übel zu tractiren/ und diejenigen / welche des Hauses Oesterreich Partey nicht blinderweise annehmen wollen/ aller ihrer Hoheit verlustig zu erklären/ gleich als wenn man nicht zwischen dem / was man dem Kayser als Kayser/ und dem Kayser als Ertz-Hertzog von Oesterreich schuldig ist/ einen Unterscheid machen / und bedencken müste/ daß er nur als Ertz-Hertzog von Oesterreich wegen der Succession der Spanischen Monarchie mit den beyden Cronen Krieg führen wolle; Und wenn er auch bey dieser Gelegenheit berechtigter wäre/ wider dieselbe als Kayser zu agiren / und Se. Churfl. Durchl. darbey ihrer Schuldigkeit nicht nachgelebt hätten / so könnte Er doch mit Veracht- und Hindansetzung der Reichs-Grund-Gesetze gegen einen Churfürsten nicht so strenge verfahren / noch mit Ausschliessung des Reichs und des Churfürstl. Collegii sich der Erkäntniß darüber eintzig und allein anmassen. Se. Churfl. Durchl. fügen noch wegen der Gefangenschaft des Groß-Dechants Mean hinzu/ daß sie mit einem Eydschwur darthum könten/ wie sie daran keinen Theil hätten/ weil aber zu vermuthen/ daß Se. Allerchristl. Majest. grosse Ursache gehabt haben müssen / warum sie ihn nacher Namur führen lassen / und da seine Heiligkeit diese Sache nun an sich gezogen / so stünde es ihnen nicht zu/ sich weiter darein zu mischen. Was die Einnehmung der Burgundischen Kreyß-Trouppen in ihre Lande beträffe/ so hätten sie weder zu dem Rheinischen Chur- noch Westphälischen Kreyß einiges Vertrauen haben können/ und dannenhero geglaubet/ daß sie sich nirgends besser/ als an den Marquis de Bedmar, welcher bey Sr. Churfl. Durchl. Abwesenheit in den Niederlanden commandiret / addressiren würden/ um von demselben des Burgundischen Kreyses Beystand und Hülffe wider des Churfürsten von der Pfalz Gewaltthätigkeiten zu erlangen/ welcher ausländische und unstreitig fremde Trouppen deßwegen über den Rhein gehen lassen/ damit er die Cöllnische Chur-Lande auff allen Seiten einschliessen / und Se. Churfürtl. Durchl. derjenigen Willen unterwerffen möchte/ die gleich darauff ihre Feinde geworden. Im übrigen hätten sie dieses Mittel eher nicht ergriffen/ als biß der Churfürst von der Pfaltz ihnen geweigert/ biß zu Ende des Novembris ihnen Zeit zu vergönnen / sich bey Ihro Kayserl. Majest. Und Dero Alliirten zubemühen / die Neutralität vor ihr Churfürstenthum Cölln und Fürstenthum Luyck zu erhalten. Die von Sr. Churfl. Durchl. mit Sr. Allerchristl. Majest. getroffene Allianze belangend/ so könnte man Ihnen das ja das Recht nicht streitig machen / welches sie gleich andern Chur- und Reichs-Fürsten hätten / defensiv-Allianzen nach dero Gefallen/ und wie sie es vor rathsam befinden/ mit wem es auch sey / vor die Erhaltung ihrer Lande zu schliessen / wenn sie nur nicht wider den Kayser und das Reich zusammen lieffen. Das von ihnen mit Franckreich gemachte Bündniß wäre weder gegen den einen noch das andere/ weil der Krieg/ in welchem der Wienerische Hof gantz Europa zu verwickeln/ und dadurch ins größte Verderben zu stürtzen suchet/ bloß eine zwischen den beyden Ländern Bourbon und Oesterreich eintzig und allein entstendene Streitigkeit beträffe / daß also Se. Churfl. Durchl. nicht sehen/ warum der Kayser sie zwingen wollte/ diese nur zu ihrer Landes-Beschützung und keiner Menschen Nachtheil geschlossene Allianze auffzuheben.“
In dergleichen Terminis hat die Antwort bestanden / welche der Churfürst von Cölln auff die Ihn überreichten vier Kayserliche Mandata erstattet. Mit eben dergleichen formalien entschuldigte Er sich gegn Chur-Mayntz / und man sollte sich fast überreden lassen/ wenn man dergleichen Sincerationes nur obenhin ansiehet/ denen Worten Beyfall zu geben. Es hat aber leider die Würckung leider bezeuget / daß das Hertze mit der Zunge nicht allemahl übereinstimme/ und das dasjenige nicht eben mit der Wahrheit verknüpffet sey/ was den Schein einiges Rechten bey sich führet. Zwar Privat-Personen dürffen sich nicht allemahl erkühnen/ ihre Meynung auffrichtig zu sagen / was sie von solchen Praetextibus halten : wenn man aber dieses Chur-Cöllnische Sentiment mit demjenigen Briefe in gleiche Waagschale leget / den Er an seinen Herren Bruder den Churf. von Bayern geschrieben / und von Kayserlicher Partey auffgefangen worden / so gewinnet die Vergleichung gar einen anderen Ausschlag. Es wird dem neubegierigen Leser nich verdrüßlich fallen / wenn wir seine Curiosität zu vergnügen nur ein eintziges von Chur-Cölln an Chur-Bayern gerichtetes eigenhändiges Schreiben de dato Bonn d. 28. Sept. 1702. welches in der Kayserlichen Hände gerathen/ und nachmahls durch den Druck publiciret worden/ hier anführen. Es lautet aber von Wort zu Wort also: „Von allen Orten/ ausser unseer Feinden/ höret man nichts anderes / als Ew. Liebd. Nahmen loben und preisen / und siehe Franckreich Ew. Liebd. an vor einen neugebohrnen Turenne, Condè und Luxembourg, massen alle Frantzosen/ mit denen ich noch geredet/ mir frey sagen: C’est l’unique bon General, qui peut remettre la France. (Dieses ist der einzige gute General/ welcher Franckreich wieder in guten Stand setzen kann.) Ich schreibe die Formalia, wie selbe es zu mir gesagt haben / und ist erst ein Brigadier von der grossen Armee hier ankommen/ welcher alles dieses mir confirmiret hat. Der Simeoni und Valdar schreiben mir auch von Pariß/ daß niemahl der König über eine Sache so viel Freude bezeuget habe/ als über diese/ und daß in Pariß von Niemand/ als Ew. Liebd. geredet wird. Was Freud nun dieses alles mir bringen kann/ können Ew. Liebd. ohnschwer bey sich selbsten ermessen/ massen auch Ihnen bekand/ wie sehr ich dieselbe liebe / dahero um so viel mehr mich hingegen verdriest das spöttische Verfahren der Regensburgischen Schul-Füchse/ welche nicht gescheuet/ Ew. Liebd. einen Pacifractorem (Friedenbrecher) zu nennen/ und ein Reichs-Gutachten in denen choquantisten Terminis von der Welt an Se. Kayserl. Majest. wieder Sie abgehen zu lassen/ da doch eine Unmögligkeit ist/ daß die Gesandten zu Regensburg könnenvon ihren Principalen über dieses emergens einige Instructionen noch zur Zeit erhalten haben/ indem die Entreprise (das Unternehmen) von Ulm ja so ohnerwartet vor sich gegangen/ daß niemand davon etwas penetriren können. Dieses Verfahren ist also spöttlich/ outragant, (grausam) und scandalos (ärgerlich) daß diesen partialen Leuten gleich ein der vornehmern Reichs-Churfürsten für einen Fuß-Hader dienen sollte/ mit welchem sie glauben gleich umzugehen/ als wie mit ihren Schreibern. Nebst diesen ist auch im höchsten Grad impertinent, was mein Gesandter mir berichtet hat von Regensburg/ daß nemlich der Meyntzische Gesandte ihme angedeutet/ wenn ich mich vorhin pro bello Imperii contra Hisp. & Gall. (vor den Reichs-Krieg wieder Spanien und Franckreich) declariren wollte/ so würde man mir Votum und Sellionem nicht allein/ sondern en recompense (zur Vergeltung) Hildesheim geben/ wiedrigen falls aber solle ich keines haben. Ach! das ist eine schöne Reichs-Freyheit und liberum suffragium zu besítzen! Nein / diese zwey Stücke machen mir den Verstand verlieren / und bin ich nun so resolvirr, Leib/ Leben/ Gut und Blut vor meine Deutsche Freyheit auffzusetzen/ als jemahls gewesen. Ew. Liebd. aber werden noch vier Schergen in Bayern finden/ welche die Stadt Regensburg können fasten machen/ denn die insolenz dieser obn instruirten Sachen au dessus de tout ca qui est au monde, (so groß/ daß keine in der Welt zu finden ist.) Inzwischen hoffe ich/ Ew. Liebd. werden bald diesen hitzigen Köpffen den Dampff benehmen/ und sie wacker auf die Finger klopffen/ damit sie lernen auffs nechste nicht ohne Noth neue Kriege in das Reich zu ziehen/ und jene nicht als Schelme tractiren/ welche wahre vor die Deutsche sentimenten und conduite führen thun.

XI.   Nachdem nun zu einigen güthlichen Tractaten mit Chur-Cölln auff Oestereichischer Seite die geringste Hoffnung nicht zu machen/ und die Acocatoria nebst der Achts-Erklärung wider den wiederspenstigen Printzen ergangen/ so wurde dem Dom-Capitel zu Cölln und dem Herrn Bischoff zu Raab die Administration des Ertz-Stiffts anvertrauet/ der Krieg aber/ welchen so wohl der Kayser als dessen hohe Aliirten wieder den König in Franckreich/ den Duc d’Anjou und deren Helffer oder Helffeshelffer declariret/ mit würcklichen Thätligkeiten angefangen. Der Churfürst zu Cölln hatte unterdessen seine Hofstadt und Lager noch zu Bonn/ und hielt zu Anfang des Martii einen Landtag zu Lüttich/ dessen Stände/ so in das Capitel/ die Ritterschafft und die Deputirten von den Städten eingetheilet werden / dem Churfürsten zu Cölln / als ihrem Printzen eine Summe von 150000. Thalern auff das Jahr 1702. gewilliget/ jedoch unter der Bedingung / woferne man dem Fürstenthum Lüttich eine ungekränckte Neutralität zuwege bringen würde. Allein gleichwie höchstgedachter Churfürst schon ehemahls das jus amorum & collectandi ohne Willen und Vorbewußt ermelter Land-Stände / und insbesonderheit des Dom-Capitels praetendiret/ auch sich dessen würcklich gebrauchet hat/ also wurden denen Deputirten durch den Frantzösischen General-Lieutnant de Mondreval im Nahmen und curatorio nomine des so genannten Burgundischen Kreyses der Bescheid gegeben: Es sey itzo nicht Zeit von der Neutralität zu reden/ als über welche der Churfürst selbsten nicht mehr disponiren könnte/ auch möchten sie sich die Gedancken nur vergehen lassen/ ob würden die Burgundischen Kreyß-Völcker gutwillig wieder abziehen/ sie wären zwar kommen/ sie und ihr Land zu beschützen / woferne sie aber einer grössern Gewalt weichen müsten/ so sollte zu Lüttich/ und in denen andern besetzten Oertern/ kein Stein auf dem andern bleiben. Aus diesem tröstlichen Zuspruch konnte man nunmehro die in so vielen Chur-Cöllnischen und Bayerischen Schreiben gerühmte Patriotische Intension dieser Auxiliar Völcker nicht undeutlich erkennen/ und zwar also derjenige Schluß höchstrühmlich / vermöge dessen die hohen Herren Aliirten durch den Kayserl. und Holländ. General Feld-Marschall/ den Herrn Printz Volrad zu Naßau-Saarbrücken/ die Stadt und Festung Kayserswerth / welche an Chur-Cölln gehörete/ den 16. Aprilis, 1702. von den Königl. Preußischen und Holländischen Trouppen berennen liessen. Man vermuthete eine schleunige Übergabe dieses Ortes/ weil aber der alldasige Commendante Marquis de Blainville nicht alleine eine starcke Besatzung / genungsame ammunition, und die Seite des Rheins von der Attaque frey hatte/ durch welchen Vortheil die Krancken und blessirten bey nächtlicher Weile mit frischen Soldaten stets abgewechselt wurden / so währete die Belagerung ziemlich scharff und lange/ und der in der Nähe stehende Frantzösische Marechal de Bofier drohete unterschiedliche mahl mit einem Entsatz / biß den 9. Jun. der Contrescarpe mit Sturm/ die Stadt und Festung aber den 17. Junii par accord übergieng worauff die in 800. frischer Mannschafft noch bestehende Guarnison mit 2. Stücken Geschützes ausgezogen / der Ort selbst aber / weil er so viel Bluth gekostet/ und leichtlich wieder zu einem Ratten-Nest der Frantzosen dienen können/ alsobald in den Augen des Churfürsten zu Cölln zu demoliren angefangen wurde / ungeachtet selbiger zu Bonn d. 19 Jun. 1702. eine hefftige Protestation, wieder die demolition von Kayserswerth publiciren lassen. Mittler Zeit starb zum ewigen Leidwesen aller rechtschaffenen Patrioten der durch seine Thaten höchstglorwürdige König Wilhelm von Groß-Brittanien / dessern unvermutheter Todt dem Anfange dieses Feld-Zuges einen gewaltigen Stoß gab : wiewohl / nachdem die Prinzeßin Anna / eine Tochter des vertriebenen Königes Jacobi II. und Gemahlin Georgens  aus Dännemarck / ordentlicher Weise in dieser Monarchie succediret / die Sachen bald wieder ein anderes Ansehen gewonnen / vornehmlich da sie ihren General-Leutenant/ den unvergleichlichen Held/ damals Grafen/ itzo aber Hertzogen von Marleboroug/ in die Niederlande gesendet/ das Commando über die alldasigen Trouppen zu führen. Also giengg nunmehro der Krieg/ der den 15. Maji von Holland und Engelland solenniter wider Franckreich declariret worden/ so wohl in den Spanischen Niederlanden/ als auch im Reiche/ vornehmlich aber in dem Spanischen Geldern/ Ertzstifft Cölln/ und Ober-Rheinstrom/ mit grosser Ungestüm an. Der Churfürst zu Cölln stand mit 5000. Mann seiner Trouppen bey Bonn / und sahe die demolition von seinem Kayserswerth mit eigenen Augen an/ zog nachmahls seine Leute vollends aus der Haupt-Festung Bonn heraus/ besetzte die ausser einiger Land-Militz mit lauter Frantzosen / und nahm seine retirade nach den Spanischen Niederlanden. Die Holländer liessen unter Anführung des berühmten General Coehorns das Fort St. Danaes erobern /  schleiffeten die Spanischen Linien in Brabant / jagten mit zweyen Armeen/ unter dem Commando der Grafen de Marleboroug und de Athlone den Boufier und Hertzog von Burgund aus Geldern/ liessen den General Coehorn die grosse und considerable Stadt Venlo d. 11. Sept. berennen / welche auch/ als von den Belagerern wegen der Eroberung von Landau/ Freuden-Schüsse im Lager geschahen/ und die Stücke gegen die Stadt loß gebrennt worden/ die Frantzosen aber vermeynet / es sey dieses die Anstalt zum General-Sturme/ den 24. Sept. mit accord sich ergeben. Welche Entreprise um desto considerabler ist/ weil man wohl 14. Tage vorher/ ehe noch ein Mann vor dieser Festung gestanden/ schon allenthalben von solcher Belagerung geredet / Franckreich indessen auff die Holländische Festung Hulst eine vergebliche diversion gemacht / die Alliirten aber nicht über 14 Tage mit der Attaque zugebracht / und dabey ihr Volck dergestalt menagiret / daß man vor gewiß saget/ es wären in allem nicht über 100. Mann todt geblieben und verwundet worden / ungeachtet die von denen Frantzosen angelegte grosse Schantze St. Michael/ so von mahr als 400. Mann besetzt gewesen/ durch Sturm übergangen. Hierauff haben die Alliirten Ruermond und Stevenswerth zugleich belagert/ welches letztere als ein Haupt-Paß über die Maase den 1. Octobre Ruermond aber den 6. dito mit grossem Vergnügen der Herren general-Staaten accordiret/ welche nicht allein dadurch das gantze Spanische Geldern in die Hände kriegt/ sondern auch die Maase von Mastrich an biß nach Rotterdam frey gemacht/ und ein Schlüssel nach dem Bißthum Lüttich bekommen / in dessen Haupt-Stadt denen Frantzosen nicht wohl darüber zu Muthe geworden / und sie bereits ihre Magazins hinweg zu führen begonnen. Ihre Furcht hatte auch guten Grund/ denn die hohen Alliirten vefolgten ihren Sieg/ und / um den Churfürsten zu Cölln wegen seiner Wiederspenstigkeit zu Paaren zu treiben/ marchirten sie gegen Ende des Octobris vor Lüttich/ bemeisterten sich erstlich der Stadt/ bald darauff / nemlich den 23. Octobris, der vortrefflichen Citadelle mit Sturm/ den 29. Octobr. Aber der so genannten Carthause mit accord, und erhielten durch diese geschwinde glückliche conqueste den Vortheil wider Cölln und Franckreich/ daß nunmehro Rheinberg/ Geldern und Bonn ziemlich enge eingeschlossen/ und so gut als bloquiret waren; wie denn Rheinberg folgenden Winter sich unverhofft ergebn/ dessen gewesene Frantzösis. Guarnison den 15. Febr. 1703. In 800. Mann starck mit vier Stücken und zwey Mörsern ausgezogen / und an deren statt die Königlichen Preußischen Völcker die Festung in Besitz genommen. Hierdurch bekamen die hohen Alliirten wieder einen Paß über den Nieder-Rhein/ und die freye Fahrt aus den Niederlanden nach Cölln / sonderlich aber kriegte das Hertzogthum Cleve eine gute Vormauer und Bedeckung ( bey deren Ermangelung es in dem verwichenen Feldzug durch die Frantzösische Armee unter dem Marschall de Bouflers sehr mitgenommen worden. Auff gleiche Art ergieng es mit der Festung Geldern / denn dieser Ort wurde schon voriges Jahr von den Preußischen Völckern enge eingeschlossen / und diesen gantzen Sommer durch hart bloquiret / nachmahls vom 6. biß 8. Octobr. Durch eine starcke Bomardirung die meisten Gebäude ruiniret/ und der Commendant bewogen/ die Chamade zu schlagen; allein/ weil er die Capitulation allzu hoch gespannet/ und die Belagerer ihm keinen accord, als sich mit seiner Guarnison zu Krieges-Gefangenen zu ergeben / gönnen wollen / so ist das Schiessen und Feuer-Einwerffen den 9. Und 10. dito wieder angegangen/ und nach 5000. bis 6000. eingeworffenen Bomben der Ort sehr übel zugerichtet worden/ daß er endlich zu Ausgang des Jahres capituliret/ vermöge welchen accords die feindliche Guarnison den 21. Dec. 1703. ausgezogen/ die Land-Militz nach Hause gegangen / die 550. Frantzosen aber nach Mecheln convoyret worden. Die Preußischen Trouppen besetzten hierauff den Ort / und sollten ihre in der Styrumischen Action gefangene Officiers und Gemeinen gegen obige Guarnison ausgewechselt und loßgelassen werden. Das Haupt-Werck beruhete auff der Belagerung und Eroberung Bonn / zu welcher Attaque unter dem Grafen von Marleboroug der General-Lieutenant Cohorn destiniret wurde / der auch mit der Arbeit bald fertig zu werden vermeynte / nachdem er das benöthigte Handwercks-Geräthe / so in 150. Canonen und 300. Hanf-Granaten-Mörser bestanden / in Zeiter herbey schaffen lassen. Bonn ist an sich selbst einer der considerablesten Plätze von gantz Deutschland/ und hat dreymahl schwere Belagerungen ausgestanden. Denn/ nachdem Churfürst Maximilian Heinrich zu Cölln / des itigen Hn. Vaters Bruder / im Jahr 1673. Frantzösische Guarnison eingenommen / und von keinen gütlichen Tractaten hören wollte/ wurde der Ort den 3. Nov. von denen Kayserl. und Holländern / welche letztere der damalige Printz von Oranien/ nachmahls König von Engelland/ commandirte/ berennet/ und nach harter gegenwehr den 12. dito erobert. Die andere Belagerung im Jahr 1689. war weit mühsamer und langwieriger / massen sie vom Ausgang des Junii an biß den 12. Octob. Gedauert/ und haben Se. Königl. Majest. in Preussen derselben in hoher Person glorwürdigst beygewohnet. Ob gleich nun dieses mahl die Festung mit vielen neuen Abschnitten/ Wercken und Minen auch einer guten Besatzung versehen war/ so wurde doch den 24. April. die von denen Frantzosen disseits angelegte Rhein-Schantze/ und folgenden Tages die Stadt selbsten berennet. Den 1. Maji ware die davor stehende Armee biß 30000. Mann starck worden / den 5. wurden die Trencheen eröffnet / den 10. dito die disseitige Rhein-Schantze mit dem Degen in der Faust erobert/ worüber sich die Frantzosen/ welche sie viel länger zu behaupten getrauet/ sehr alteriret/ den 16. Maji. Aber gieng diese importante Festung an die Alliirten par accord über: und ob sich gleich die Frantzosen flattirten/ man würde viel Volcks darbey einbüssen / und sie würden den Alliirten/ ehe sie damit fertig würden/ alle vorigen Jahres in Geldern und Lüttich gemachte Conquesten wieder hinweg nehmen/ so geschahe doch viel ein anders/ denn die Guarnison zog den 18. Maji. heraus/ man hatte aber zwey Frantzösische Battaillons so lange als Kriegs-Gefangene angehalten/ biß der Feind die zu Tongern gefangene Holländer/ weil man an ihnen die Capitulation gebrochen/ wieder auff freyen Fuß gestellet. So haben auch die Cöllnischen Völcker zurück bleiben müssen/ und der Feind allen in dem Bergischen verübten Schaden an Chur-Pfaltz restituiren sollten/ von welchem allen die merckwürdigen Accords-Puncte in dem Leipziger Extract de anno 1703. Nachzulesen meritiren. Nachdem man auff dieser Seite mit recuperitung des Ertz-Stiffts Cölln fertig/ war noch das an der Maase zwischen Namur und Lüttich gelegene Castell Luy übrig / welches auff Gutbefinden der hohen Generalität/ der itzt öffters in den Gazetten mit Ruhm gedachter Herr Baron von Trogne den 15. Augusti berennte / und die Stadt alsobald mit accord erhielt/ vor dem Castell aber / welches auff jener Seite des Stroms auff einen Felsen erbauet ist/ die Nacht zwischen 18. und 19. Aug. die Trencheen eröffnete/ und es den 25. Augusti, am Tage des heil. Ludwigs/ zur Übergabe zwang/ auch den alldasigen Commendanten samt der in 1200. Mann bestehenden gantzen Guarnison zu Krieges-Gefangenen machte. Also sahe nunmehro Ihro Churf. Durchl. von Cölln / wie empfindlich Ihnen die Frantzösische Allianz geschadet/ über deren maintenirung er alle seine Ländereyen und Festungen verlohren / seine eigen Person selbst aber im exilio herum wallen / und des Frantzösischen Königes Gnade zu leben sehen müssen / in welchem exilio er noch zu dato bald zu Namur/ bald an einem andern Orte der Niederlande sich auffgehalten/ und vor Endigung des Krieges an restitution seiner Ehre/Würde und Güter wohl nicht gedencken darff. Seine Manifeste an das Chur-Cöllnische Dom-Capitul/ und zugleich an den Herren Bischoff von Raab werden wenig respectiret/ und ungeachtet man Frantzösischer Seiten alle ersinnliche Mühe anwendet / sich der Person des Bischoffs von Raab / der des Kaysers und hoher Herrn Alliirten Interesso so treulich observiret / zu bemächtigen/ auch deßhalben neulich/ durch den berühmten Partey-Gänger la Croix, ein gefährliches dessein wider ihn schmieden lassen/ um ihn gegen Abend/ wenn er in die vor Cölln gelegene Carthause sich begiebet/ todt oder lebendig wegzunehmen/ so ist doch durch Gottes Gnade solches Complot in Zeiten entdecket/ und sothane Verräther/ ungeachtet der von la Croix geschehenen harten Protestation zu Cölln nach ihrem Verdienst executiret worden.

XII.   Was Chur-Bayern anbelanget / dessen Churfürstl. Durchl. jetzt die haupt-Person der am Donaustrom angefangenen Tragoedie representiret / so kann man sich kaum gnungsam verwundern über die Ursachen seines mit Franckreich geschlossenen engagements, und derer gegen den Kayserl. Hof und das Römische Reich darbey gebrauchten Sincerationen. Er ist der dritte Churfürst aus dem Hause Bayern/ welche vor diesem keine Churfürsten/ aber doch mächtige Hertzöge waren/ Maximilianus Emanuel genannt/ gebohren Anno 1662. von Ferdinando Maria Churfürsten zu Bayern/ und Henriette Adelheit, einer Tochter Victoris Amadei, Hertzogs in Savoyen. Sein Herr Vater starb Anno 1679. Und verließ außer diesen älteren Printzen/ noch einen andern/ Josephum Clementem, itzigen im exilio lebenden Churfürsten zu Cölln. An 1683. Schloß Churfürst Maximilianus eine genaue Allianze mit dem Kayser / halff in eigener Person die von den Türcken belagerte Stadt Wien entsetzen/ wie auch Anno 1685. den herrlichen Sieg wider die Türcken bey Gran erfechten/ welches Jahr er sich mit der Kayserlichen Princeßin Maria Antonia vermählet/ die von wegen ihre Frau Mutter/ Margaretae Theresiae, Caroli II. Königes in Spanien Schwester / einen Anspruch auff die Spanische Monarchie formiren konnte. Anno 1686. halff er in Hungarn Ofen wegneghmen/ Anno 1687. die Türcken bey Mohatz schlagen/ und Anno 1688. die Gräntz-Festung Griechisch-Weissenburg ersteigen / auff dessen breche er auch blessirt wurde. Anno 1689. befand er sich mit seinen Trouppen bey der Belagerung von Mayntz/ Anno 1690. wohnete Er der Wahl und Krönung des Römischen Königes in hoher Person bey/ führte Anno 1691. etl. Regimenter nach Italien dem Hertzoge von Savoyen wider die Frantzosen zu Hülffe / und nahm 1692. das Gouvernement der Spanischen Niederlande über sich / welches Jahr ihm seine Gemahlin mit der Geburt des Chur-Printzen Josephi Ferdinandi erfreuet / aber auch gleich darauff durch ihren frühzeitigen Todt wieder betrübet. Von selbiger Zeit an hat Er mehrentheils in Brüssel residiret / und den Krieg wieder Franckreich in den Niederlanden fortsetzen helffen / auch den damahligen hohen Alliirten / nechst dem Könige Wihelm von Groß-Britannien / ersprießliche Dienste gethan. Anno 1694. vermählete er sich zum andernmahle mit Theresia Cunigunda, des Polnischen Königes Johannes III. eintziger Prinzeßin Tochter / wiewohl das Beylager erst zum Anfange des folgenden Jahres vollzogen wurde. Als nun Anno 1695. Namur von dem Könige in Engelland belagert war / der Marschall de Villeroy aber / um den Alliirten eine diversion zu machen / Brüssel bombardirte / so befand sich diese neue Churfürstliche Gemahlin eben dazumahl in selbiger Stadt / und muste diese grausame Bombardirung mit ansehen / hat aber nachgehends ihrem herren gemahl eine Prinzeßin und sieben Printzen nach einander zur Welt gebohren, Anno 1697. erfolgte der Friede zu Rißwick / dahero machte der Herr Churfürst allerhand gute Ordnungen in seinem Niederländischen Gouvernement, und ließ den jungen Chur-Printzen von der ersteren Gemahlin / Josephum Ferdinandum, von München nach Brüssel holen/ um ihn auff Spanische Art aufzuziehen und vielleicht als einen zukünfftigen Erben der Niederlande denen Spaniern vorzustellen. Allein diese Hoffnung wäret nicht lang/ denn der Todt entriß ihn mit höchstem Leidwesen seines Herren Vaters im siebenden Jahre des Alters aus dem zeitlichen Leben / und machte sonder Zweiffel mit seiner Beerdigung einen Strich durch viele weit hinaussehende Concepte. Nachdem auch Anno 1700. König Carolus II. in Spanien selbst Todes verblichen / und das oben gemeinte Testament den Duc d’Anjou zum Universal-Erben eingesetzt / die Regierung aber so wohl in den Niederlanden als anderswo nach dem Willen des allerchristlichsten Königs Ludovici XIV. eingerichtet ward/ so schrieb selbiger König ein sehr geneugtes Hand-Briefgen an unseren Herrn Churfürst/ bedanckte sich vor die der Kron Spanien durch sein kluges Gouvernement zweither erwiesenen Dienste/ und weil bey solcher charse die Sorgen vor das Churfürstenthum Bayern/ seinen Worten nach / grossen Abbruch erlitten/ so trug er das Gouvernement der Spanischen Niederlande dem bekandten Marquis de Bedmar auff/ und erlaubte Se. Churfürstl. Durchl. ihre eigene Lande wiederum zu besuchen. Weil nun gedachter Herr Churfürst bey Verwaltung seines bißherigen Gouvernements einen considerablen Vorschuß so wohl an Trouppen/ als baarem Gelde geleistet/ dahero auch etliche Millionen an Spanien zu praetendiren hatte/ und nach erfolgtem Todes-Fall bey der Erbschafft ebenfalls einigen part zu nehmen verhoffte/ itzo aber bey so jählinger von Franckreich geschehener Occupation der Spanischen Länder mit leeren Händen nach Hause gehen muste/ so bildete man sich ein / Er würde eine ziemliche Verbitterung wegen dieser dimission auff das Hauß Bourbon werffen/ und sichs auffs neue mit dem Ertz-Hertzogl. Hause Oesterreich auffs genaueste verbinden / theils weil Ihro Kayserl. Majest. sein Herr Schwieger-Vater / Ihme auch wegen der in Hungarn geleisteten Krieges-Züge und Auxiliar-Völcker ziemlich verbunden / theils weil leichtlich zu erwarten war/ es würde der Kayserliche Hof seine auff die Spanische Erbschafft habende billiche Ansprüche nicht alleine mit Canonibus ex Jure, sondern auch mit Canonen ex metallo kräfftiger massen vindiciren/ und dadurch Se. Churfürstl. Durchl. als einem verhoffentlichen Kayserl. Bundes-Genossen / und vornehmen Gliede des heiligen Römischen Reiches Gelegnheit erwachsen / sich an Franckreich mit Nachdruck zu revengir Mittler Zeit hatten dessen allen ungeachtet die Frantzösischen Machinationes an dem Bayerischen und Cöllnischen Hofe / zwar heimliche / doch hauptsächliche admission gefunden/ und der Herr Churfürst nebst seinem Herr Bruder mit Franckreich eine secrete Allianz geschlossen / vermöge welcher / wie man debitiren wollen/ und aus verschiedenen intercipirten Briefen / wie nicht weniger aus den darauff erfolgten Actionibus selbst nicht undeutlich zu schliessen gewesen / der alte Ludwig sich verpflichtet/ Sr. Churfürstl. Durchl. die an Spanien praetendirte Summen zu bezahlen / jährliche pensiones und suffisante Auxiliar-Trouppen zu senden/ zu der pofses eines benachbarten Königreiches zu verhelffen / und ihn in den Stand zu setzen / daß er dem gantzen Römischen Reiche Gesetze vorschreiben könne. Hingegen war Chur-Bayern obligiret / den Duc d’Anjou vor einen rechtmäßigen Erben der Spanischen Monarchie zu erkennen/ dem Hause Oesterreich in vindicirung seines Rechtens nicht beyzustehen/ sondern bey der besten Gelegenheit die Waffen selbst wieder dasselbige zu ergreiffen / und in dem Hertzen Deutschlandes den vornehmsten Kreyßen des Reiches eine solche diversion zu machen/ daß sie die Frantzösischen Waffen am Ober-Rhein nicht sehr forciren möchten. Dieser vor das gesamte Vaterland Deutscher Nation höchstgefährliche Anschlag wurde mit grosser Mühe secretiret/ ungeachtet viele redliche Patrioten den Braten gar zeitig rochen. Denn als Ihro Kayserl. Majest. feste gestellet/ Anno 1701. in Italien die Compagne wider die zwey vereinigte Cronen Franckreich und Spanien zu eröffnen/ und sich wegen sothaner praevelirenden Macht nicht allein im Reiche und gute positur setzen / sondern auch nach mächtigen Bundsgenossen umsehen musten / so war die erste Sorge / wie man den Kreyßen des Röm. Reichs eine heilsame Association der Waffen recommendiren / und das sämtliche Reich/ wegen Augenscheinlich zu besorgender Gefahr eines Frantzösischen Einbruchs / zur Gemeinschafft des vorseyenden Krieges persuadiren möchte. Es erkenneten die treugehorsamsten Reichs-Stände aus bißheriger Erfahrung der kaum beygelegten Kriege ihre Gefahr/ dahero machte der Fränckische und Schwäbische Kreyß d. 23. Novemb. 1701. zu Heidenheim einen gewissen Assesions-Recess, setzten denselben Anno 1701. den 6. Maji etliche articulos separatos bey/ invicirten andere Kreyße zu sothaner Alliantz / und verglichen sich / eine gewisse Anzahl regulirten Militz zu keines andern offension, jedoch zu ihrer eigenen Beschützung / auff den Beinen zu halten. Dieser Associations-Recess wurde von denen zu Heilbronn versammlet gewesenen Chur-Rheinisch-Fränck-Bayr-Schwäb- und Ober-Rheinischen Kreyße Ausschreib-Amts Gesandten den 17. Aug. 1701. auffs neue durchgesehen / und von den meisten confirmiret. Inzwischen schrieb Chur-Bayern den 23. Maji Anno 1701. nach Wasserburg einen Convent des Bayerischen Kreyßes aus/ propornirte darbey / welchergestalt er zur Fränckischen und Schwäbischen Association invitiret worden / ließ die Vota derer Herren Stände selbigen Kreyßes deßhalber colligiren / und ihre Meynungen vernehmen. Ihro Kayserl. Maj. sendete auff solchen Bayrischen Convent den Concommissarium der Reichs-Versammlung zu Regenspurg/ Herrn Baron de Seiler / welcher nicht allein das Werck approbiren/ und im Nahmen des Oesterreichischen Kreyßes der Association beyzutreten/ sondern auch den 11. Junii 1701. einen schrifftlichen Vortrag übergeben/ und darinnen die Gerechtsame des Ertz-Hauses Oesterreich auff die Spanischen Reiche behaupten muste. Die Kreyß-Deputirten versprachen den Vortrag ihren Herren Principalen zu communiciren/ welches auch geschehen; alleine gleich wie Passaw/Lobkowitz/Regenspurg alles vor den Kayser placidirten/ Saltzburg hingegen und Fresingen das gantze Associations-Werck verworffen/ also gaben die Bayerischen insonderheit zur Antwort: Ihr hoher Principal wolle nur in terminis generalibus bleiben/ sein Land wider alle Gefahr defendiren/ in das Spanische Successions-Wesen aber sich keinesweges einlassen. Ja/ es wurde der Bayerische Cämmerer und Revisions-Rath Caspar Marquard Zindt/ Frey-Herr von Kentzingen nach Nürnberg gesendet/ dem Fränckischen Kreyß allerhand Remonstrationes zu thun/ welche vor Oesterreich nicht profitable waren. Unter dieser im Reiche noch obhandener Uneinigkeit hattes es die Kayserlichen beyden Abgesandten/ Herr Graff von Goes in Holland/ und Herr Graff Wratislaw in Engelland so weit gebracht/ daß die zwischen dem Kayser/ der Cron Engelland und den Herren General-Staaten geschlossene grosse Alliance den 7. Sept. 1701. Im Haag von allerseits Interessenten unterschrieben und ratificiret worden. So ergienge auch an das Hochfürstl. Fränckische Kreyß-Ausschreib-Amt ein Kayserl. Rescript d. 14. Sept. 1701. Mit Vermelden/ es habe der Herr General-Lieutenant Printz Louis von Baaden nöthig befunden/ eine Linie längst dem Rhein zu ziehen/ worzu er die Schwäbischen Kreyß-Trouppen gebrauchet/ und sich in seinem de dato Rastadt den 1. Oct. 1701. Abgelassenen Schreiben beschweret/ daß der Fränckische Kreyß seine alldort gestandene Völcker von der Arbeit wegberuffen / aus Furcht / man möchte Franckreich dadurch irritiren. Beyderseitige Schreiben aber würckten bey letzterem Kreyße so viel/ daß sie auffs neue 1500. Mann dahin detachirten/ um die Arbeit an den Linien befördern zu helffen. Dieses alles konnte Chur-Bayern unmöglich verborgen bleiben/ dahero ließ er seine Militz zu Schwabing nechst der Residentz-Stadt den 9.-16. Octobr. Durch die Musterung gehen/ befand sie 16700. Mann starck/ und als dem Frantzösischen Gesandten jemand von den Umstanden auff Lateinisch fragte/ wie ihm diese Armee gefiele/ gab er zur Antwort: Est valde pulcher exercitus pro tam parva Provincia.

XIII.   Damit aber die Kayserl. Intention rechtschaffen secundiret würde/ und man 1701. einen glücklichen Feld-Zug wider Franckreich und Spanien thun möchte/ so wurden bey Anfang dieses Jahres von Seiten Oesterreichs nochmahlige Tractaten mit Chur-Bayern gepflohen/ und alle ersinliche persuasiones angewendet/ auch von Holl- und Engelland stattlich Offerten gethan/ ihn in das grosse Bündnis zu ziehen/ und dahin zu bereden/ daß er 12000. Mann an den Kayser überliesse/ selbige nach Hungarn zu verlegen/ und hergegen daselbst ein gleiches quantum guter Regimenter heraus ziehen/ um sie dem Printzen Eugenio nach Italien zum Succurs zu senden/ welcher sie sehr von nöthen hätte. Doch weil keine Mühe verfangen/ und die negociation des Herrn Grafens von Schlick/ welcher aus Wien an den Hof nach München verschickt ward/ auffs neue fruchtlos ablieff/ so kamen die Fränckischen und Schwäbischen Kreyß-Deputirten den 16. Mart. 1702. zu Nördlingen nochmahls zusammen/ machten ihren alten Associations-Tractat richtig/ denen der Kayser/ im Nahmen des Oesterreichischen Kreyßes beytratt/ und durch seinen zu Nördlingen gegenwärtigen gesandten/ den Herren Grafen Maximilian Carl zu Löwenstein-Wertheim/ 16000. Zu halten versprach. Welch gute Intention, ungeachtet der d. 20. Mart. 1702. geschehener Bayerischen Protestaction, noch herrlicher wurde/ als sich die Churfürsten zu Mayntz/ zu Trier/ zu Pfaltz/ und nebst ihnen der Chur- und Ober-Rheinische Kreyß in dieses Bindniß begab/ 6500. Mann zu halten versprach/ und von der Westphälingischen Kreyß/ mit welchem sie ihr Vorhaben communiciret/ in einer d. 20. April. Gestellten Antwort/ möglichsten Beystandes versichert worden. Damit giengen die Krieges Operationes am Ober- und Nieder-Rhein gewünschter massen an. Chur Cölln wurde in die Acht erklärt/ seine Festungen durch die Holländischen/ Preußischen und andere Alliirte Soldaten/ theils erobert/ theils demoliret / die Regirung des Cöllnischen Ertz-Stiffts dem alldasingen Dom-Capitel übergeben/ der Herr Churfürst aus dem Possess aller seiner Herrschafften gesetzt/ von der Succession im Stifft Hildesheim excludiret/ sein Gesandter auff dem Reichs-Convent zu Regenspurg nicht agnosciret/ keine von seinen Protestationibus angenommen/ und ihm dadurch die nachdrückliche Schärffe Kayserl. Autorität gewiesen/ nachdemahlen keine gütliche Zureden bey ihm verfangen wollen. Chur-Bayern sahe diese nachbarlichen Brand/ und das unglückliche Schicksal seines Herrn Brudern mit grossen Augen an/ vermeynte aber noch nicht Zeit zu seyn/ mit dem Kayser und dem Reiche zu brechen/ biß man sehen könnte/ was die am Ober-Rhein wider Franckreich agirenden Kayserl. und Reichs-Waffen vor Glücke haben würden. Diese stunden unter dem Commando des Kayserl. General-Lieutenants Printz Ludwigs von Baaden/ und waren/ wie oben gemeldet/ Anno 1701. Mit Verfertigung einer Linie längst dem Rhein beschäfftiget gewesen. Zu Anfang des Jahres 1702. fiengen sie an/ starck nach dem Rheinstrom zu marchiren/ wurden von vielen übernommenen Auxiliar-Völckern vermehret/ zogen sich bey Eingang des Aprilis zusammen/ fortificirten Rastadt/ giengen nachmahls ins Elsas vor Landau/ hielten es erstlich sehr enge eingeschlossen/ belagerten es aber bald darauff würcklich/ und erwarteten Ihro Majest. den Römischen König/ welcher dieser Belagerung beywohnen/ und die gantze Armee am Ober-Rhein commandiren sollte. Landau ist eine ziemlich alte Stadt in dem Unter-Elsas/ 4. Meilen von Speyer/ an sich selbst nicht sonderlich feste/ aber im Jahr 1687. Von Mr. de Vauban zu einer real– und Haupt-Festung gemacht. Ihre fortification bestehet in 8. hohen Bastionen/ und so vielen Aussenwercken/ welche auff eine gantz neue Marnier gebauet; über das siehet man daselbst verschiedene Forten/ Schantzen/ Redouten und andere detachirte Wercke/ beynebst einer festen Citadelle. Nicht weniger haben die Frantzosen den kleinen Fluß Welch durch einen Canal, welcher zwey Stunden lang durchs Gebirge biß nach Anweiler gehet/ zur Schiffahrt bequem gemacht/ und welches zu verwundern/ in dr strengesten Kälte die meiste Arbeit darran verrichtet. Aus diesem Capital-Ort konnte man die Gräntzen des Reiches gewaltig infestiren/ und war also von nöthen/ dessen Bemächtigung zu tentiren/ wiewohl der berühmte Mr. de Melac mit einer sehr starcke Frantzös. Besatzung darinnen lag. Der Herr Marggraf von Baaden/ als commandirender Kayserl. Generalisimus, formirte die attaque an dreyen unterschiedlichen Orten/ und ließ mit den Batterien zu Ausgang des Junii den Anfang machen; Inzwischen reiseten Ihro Majestäten der Römische König Josephus mit dero Gemahlin den 26. Junii von Wien ab/ kamen den ersten Julii nach Prag/ schickten ihre Equippage auff der Donau voraus/ und gelangten den 27. Julii in dem Lager vor Landau an/ woselbst sie alles in hitziger Arbeit begriffen antraffen. Die Kron Franckreich schickte den alten Marschall Cantinat an den Ober-Rhein/ der 22000. Mann zusammen zog/ sich bey Hagenau verschantzte/ den Entsatz der Festung Landau zu tendiren vorgab/ und die Unsrigen etliche mahl allarmirte/ darbey aber der Deutschen Streiffereye nicht verhindern konnte/ welche mit einer Partie in Lothringen rückten/ und unweit Metz den Frantzösischen General Lieutenant Marquis de Varenne, welcher unter dem Catinat in Deutschland dienen sollte/ gefangen kriegten/ der nachmahls auff inständiges Anhalten des Hertzogs von Lothringen wieder loß gegeben wurde: Wiewohl die Frantzosen aus Furcht/ die Deutschen möchten einen Einbruch in Lothringen/ und durch dieses in Franckreich tentiren/ sich zu Ausgang des Jahres dieses Hertzogthums bemächtigen/ und es mit starcker Mannschafft besetzen. Mit der Belagerung von Landau wurde möglichster massen geeilet/ dahero fieng man an/ den 6. Augusti auff der Contrescarpe posto zu fassen/ etliche Tage darauff sie völlig zu behaupten/ und die Festung dergestalt zu beängstigen/ daß sie sich per accord ergeben/ und die Frantzosen in noch 1400. Mann gesunder Mannschafft bestehende/ den 12. Sept. mit 4. halben Carthaunen/ 2. Mörsern/ 6. verdeckten Wagen und 40. Karren nach Kriegs-Marnier ausziehen müssen/ welche Eroberung/ wie der Ausgang gewiesen/ eben noch zu rechter Zeit erfolget.

XIV.   Denn nachdem der Churfürst zu Bayern die Operationes der Kayserl. Armee sahe/ und auff Oesterreichische Seite/ oder zu der hohen Allianz keinesweges zu ziehen war/ ihn aber nunmehro Zeit bedünckte/ seine fälschlich vorgegebene Neutralität zu behaupten/ so fieng er an/ seine Trouppen zu versammlen/ und geschahe der erste Auffbruch den Augusti 1702. nach Schwaben. Die Nachricht von diesem marsch erweckte bey dem Fränckisch- und Schwäbischen Kreyß grossen Kummer/ als welche ihre Mannschafft in dem Lager von Landau stehen hatten/ und von aller defension entblösset waren. Dannenhero marchirten die Chur-Bayerischen Trouppen weiter hinauff/ und hatten das Glücke/ den 8. Septembris durch Gelegenheit eines Nebels sich gantz unvermuthet der Reichs-Stadt Ulm zu bemächtigen/ woselbst sie alle Thore und Posten besetzten/ sich des Zeughauses versicherten/ und denen Bürgern das Ober-Gewehr abnahmen.

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siehe dazu auf www.ulm.de: Stadtplan von 1702. F 1 Festungsplan Nr. 36
Auf dem Plan wird die Einnahme Ulms durch bayerische Truppen im Jahr 1702 im Spanischen Erbfolgekrieg beschrieben. Am 8. September 1702 näherten sich einzeln als Bäuerinnen und Bauern verkleidete bayerische Soldaten dem Gänstor und überwältigten die Wachen.
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Man kann leicht erachten/ was diese entreprise und die bald darauff erfolgte Bombardirung und Einnehmung der Stadt Memmingen vor einen entsetzlichen Allarm im gantzen Reiche verursachet. Denn Ulm ist eine sehr berühmte Reichs-Sttadt in Schwaben/ und wichtiger Paß in das Würtenbergische und dem Ober-Rhein. Sie lieget an der Donau/ und zwar in einer solchen gegend/ wo dieser grosse Strom anfanget an der Schiffahrt bequem zu werden/ massen allda noch zwey kleine Wasser/ der Iler und Blau hinein fallen. Man hat sie bißher nicht unter die ansehnlichsten und reichsten/ sondern auch unter die festesten Städte des Röm. Reiches gerechnet/ indem sie mit tieffen und breiten Gräben/ auch starcken Pasteyen und Wällen versehen/ welche Fortification aber ihr bey dem itzigen Überfall schlechte Dienste gethan/ und kann man sich bey solcherh ihrem Unglück dessen noch erinnern/ was im Jahr 1681. ihrer Schwester der guten Stadt Straßburg wiederfahren ist. Der Schwäbische Kreyß hat bißher in dieser Stadt seine gewöhnliche Conventus oder Zusammenkünffte gehalten/ auch in deroselben letzterern sich vor das Interesse des Hause Oesterreich in der Spanischen Successions-Sache erkläret/ wodurch eben Chur-Bayern disgoustiret wirden. Selbiges schrieb aus Lichtenberg d. 10. Sept. 1702. An die Schwäbische und Fränckische Kreyß-ausschreibende Fürsten und Stände: Daß/ weil die beyden Kreyße Francken und Schwaben bald nach dem fanalen Eintritt des letzt-verblichenen Königes in Spanien eine Association geschlossen/ und diese Spanischen Successions-Händel die privat-Angelegenheiten des Ertz-Hauses Oesterreich leidiglich angiengen/ bemeldte beyde Kreyße aber ihre Trouppen an den Ober-Rhein wider Franckreich würcklich gebrauchen lassen/ wodurch die verderbliche Krieges-Flamme/ die man so sorgfältig abzuwenden getrachtet/ in diese herlliche Reichs-Lande freywilliger weise herbey gezogen/ und andern nechst anliegenden Kreyßen und Landen die augenscheinliche Gefahr vorsetzlich auff den Hals geschoben/ vornemlich aber Bayerland dadurch gantz bloß gestellet und prostituiret worden/ als habe man der Nothdurfft erachtet/ zu solchem Ende mit den Trouppen auszurücken/ und inzwischen zu Bedeckung der Gräntzen/ des Donau-Passes zu Ulm sich so lange zu versichern/ biß die Gefahr was mehres nachgelassen/ und man der gemeinsamen Ruhe/ darauff sothanes Absehen gerichtet/ in diesen herobigen Reichslanden noch besser vergewissert sey. Ein gleiches urgirte Chur-Bayern in seinem aus der Carthauß Buxheim den 30. Sept. 1702. An Ihro Kayserl. Majest. abgelassenem Remonstrations-Schreiben/ welches aber mit nachdencklichen doch gnädigsten Terminis beantwortet/ und von beyden Kreyßen die Unrechtmäßigkeit dieser Bayerischen Attaque demonstriret/ auch zur benöthigten Defension Anstalt gemacht worden. Dieses konnte so heimlich nicht geschehen/ sondern es eclatirte allenthalben/ man würde Bayern an dreyen Orten angreiffen/ und zu bessern Gedancken forciren. Dahero ergiengen von den Chur-Bayerischen Land-Ständen dreymahlige Remonstration-Schreiben an Ihro Churfürstl. Durchl. de dato München d. 19. Octobr. 4. Nov. und 22. Nov. 1702. die bevorstehende verdebliche Gefahr der Untenthanen betreffend/ worinnen sie wegen der bißherigen vielen Gaben/ und Einquartirung sich beklagten/ die allgemeine Furcht des Landmannes vorstellten/ die gantz erschöpfften Landschaffts-Cassen entdeckten/ um einige regulirte Regimenter zur Beschützung des Landes und der Residenz anhielten/ zu Friedens-Gedancken riethen/ und unter andern sich dieser merckwürdigen expressionen bedienten: Daß wenn der Kayser und das Reich in öffentliche Thätigkeit und Feindseligkeit mit Se. Churfürstl. Durchl. zerfallen/ man um und um mit Feinden gleichsam als einer mauer eingeschlossen seyn/ und in der Nähe nirgends hin einige Zuflucht haben/ die weitentlegene Assistence von Franckreich aber nicht wohl zu hoffen/ aber doch nicht anders sich darauff zu steiffen seyn würde/ als was die convenience und interesse des Königes gestallten Umständen nach par raison de guerre zulassen thäte. Welches bey so viel dessen obhand habenden Feinden sehr gefährlich/ und aber unsern (der Landstände) geringen Gedancken nach uns so mehr zweiffelhafftig seyn und vorkommen soll/ als uns das leidige Exempel Ihro Churfürstl. Durchl. zu Cölln vor Augen liegt/ welcher gleich wie wir mit Feinden/ also derselbe mit Frantzösischer und Spanischer Hülff umgeben gewest/ diese aber gleichwohl nicht erklecklich war/ dero Lande von höchstverderblichen ruin zu erretten/ Franckreich also besorglich noch weniger uns protegiren würde/ wenn dergleichen rigoroser Gewalt auff uns anbrechen sollte/ wie unsere immer mehr und mehr verbitterte Feinde auff alle Weise dahin machiniren werden; sonderlich aber Kays.seits dem Vernehmen nach/ das Absehen hauptsächlich dahin machen/ ja so gar sich bereits an verschiedenen Orten moviren sollen/ Ew. Churfürstlichen Durchl. Lande an drey unterschiedlichen Gräntzen/ als da ist die erstere von Tyrol aus/ gegen Auerburg/ Neuer-Bayern und Wasserburg/ die andere von Saltzburg gegen Dichmaning und so weiters/ die dritte aus dem Land ob der Ens gegen Ried und Braunau/ allerseits mit einer starcken Mannschafft/ mehresten von denen schon auff den Beinen habenden und obverstandener massen würcklich zusammengeführter regulirten Militz / zu verglichener einer Zeit anzufallen/ und sich von dem Isi-Strom Meister zu machen.   Gesetzt nun aber/ fahren die Bayerischen Land-Stände in obigem Schreiben fort/ da uns auch Franckreich mit einig ergiebigen Trouppen succurriren thäte/ würde doch/ wie in vorigen Schwedischen Kriege man ersehen/ das theatrum belli hereingezogen/ und das erarmte Land von Freund- und Feindes-Völckern übern Hauffen geworffen/ also daß/ wie wir immer das Werck überlegen/ und nichts guts/ sondern nur immer böß- und Landschädlich Consequentien vorbilden können. Und sollte es dann dahin wiederwertig ausschlagen/ Gnädigster Churfürst und Herr/ was lamentable Elend und Noth würde dem nun schon bedrängt/ und armen Lande unverschuldeter/ nachdem es Ew. Churfürstl. Durchl. so treulich und willig zu Dero unterthänigsten Diensten/ auch Wohlfart des gemeinen Wesens alles praestiret/ zugezogen/ wie nachtheilig würde Ew. Churfürstl. Duchl. Und Dero Durchlauchtigstem Churhause fallen/ wenn durch dergleichen Untergang dero Cammer-Interesse einen so schädlichen Bruch leiden muste; und was endlich am aller considerablesten uns vorkommt/ wie praejudicirliche Folge thäte es der gantzen werthen Christenheit gebähren/ wenn die in Deutschland noch einig überverbliebene stärckste Säulen / nach dem Ertz-Hauß Oesterreich/ sollte geschwächet/ und die ohne dem sehr wachsende Protestirende Häuser und Potentien noch mehr zu jetzt und hinfür zunehmenden Schaden des Catholischen Wesens/ gestärcket würden. Dieses sind in Warheit Worte von grossem Nachdruck/ aber doch in schlechte consideration gezogen worden.

XV.   Der Herr Churfürst von Bayern blieb aller Erinnerungen auff seinem Propos, verübte im Schwäbischen Kreyß grosse Feindseligkeit/ fieng an zu Memmingen eine fortification anzulegen/
___________________________________________________________________________________________________________________________________________ Kurfürst Maximilian II. errichtete für seine Truppen an der Westseite der Stadtmauer die Rote und die Schwarze Kaserne. Auch sollte Memmingen 1702 zur bayerischen Landesfestung ausgebaut werden. Das Projekt kam allerdings durch den baldigen Abzug der Bayern und die Rückgabe Memmingens als freie Reichsstadt ans Reich nicht zustande. (Quelle: Wikipedia)
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besetzte Günzburg und Lauingen mit seinen Trouppen/ und machte alle ersinnliche Anstalt/ sich mit denen Frantzosen am Ober-Rhein zu conjugir. Die hohe Kayserl. Generalität/ welche im Begriff war/ den Catinat mit seiner Armee auffzureiben/ befande sich genöthiget/ ein starckes Detachement nach Schwaben zu schicken/ ingleichen die obere Armee zu theilen/ und mit einem Corpo die Frantzosen unweit Friedlingen zu observiren/ mit dem andern aber dem Marschall Catinant, der über den Rhein gegangen/ und sich bey Hüningen gleich über gesetzt/ auff den Halß zu gehen/ da es denn d. 6. Oct. 1702. auff beyden Seiten brave Schläge setzte/ und die Kayserl. Armee etliche tausend Mann einbüßte. Der Marquis de Villars bekam hierauff/ als der Marchal de Lorge am 19. Octobr. Todes verblichen/ solche Dignität und zugleich völlige Commando über die Armee am Ober-Rhein/ blieb bey Villingen stehen/ verschantzte sich daselbst starck/ in Hoffnung/ daß der Churfürst von Bayern sich annoch mit ihm conjugieren würde; wie denn dieser mit einem Corpo von 18000. Mann Schafhausen passiret seyn/ und sich äuserst bemühen sollte durch den Schwarzwald durchzubrechen. Was vor Ursachen aber dem Herrn Churfürsten dazumahl sothane conjugation unmöglich gemacht/ solches hat er in einem weitläufftigen Schreiben an den Marechal de Villars endecket, welches doch zu seinem Unglücke auffgefangen/ und/ weil es nicht mit Ziffern geschrieben gewesen/ nachmahls öffentlich in Druck kommen. Darinnen beklaget er sich de dato Ehingen 9. Nov. daß der Frantzösische bey ihm sich auffhaltende Ministre Ricour nicht fleißige Obsicht auff die Briefe habe/ daß er keine starcke Geschütze damahls bey sich geführet/ daß er seyne Reuterey aus Mangel der Pferde schonen müssen/ daß man ihm nicht genungsame Nachricht von der Annäherung gegeben/ daß er Bayern gegen dem Printzen Louis von Baaden nicht gar zu weit bloß lassen/ und seinem unterthänigen Adel nicht allzu viel trauen dürffe/ daß man seinem Entwurff/ den er im vergangenem Früh-Jahr an den König geschickt/ nicht satisfaction gethan; Es lautet aber der Entwurff also: Daß die Cron Franckreich sich der Passage übern Rhein versichern/ Brücken zu Fort-Louis und Hünningen schlagen/ Wercker vor selben auffwerffen/ und eine Armee herüber stellen/ von solcher mit einigen Detachementen mich verstärcken/ mit dem Rest aber dem Printz Louis von Baaden/ wo er sich übern Rhein wagen würde/ den Kopff bieten/ ich aber (nemlich der Churfürst zu Bayern) nach Einnahme der Stadt Ulm/ so weit als ich nur könnte/ an den Rhein rücken/ und also die Conjuction selbst befördern sollte/zc. Endlich verstrich die Zeit zur Conjunction, und die Trouppen giengen aller Orten in die Winter-Quartiere/ von den bißherigen fatiguen ein wenig auszuruhen/ und bald im Stande zu seyn/ wiederum etwas importantes vorzunehmen.

XVI.   Dazumahl sahe der Kayserl. Hoff und die Reichs-Versammlung deutlich genung/ wohin die Bayerischen Desseins collineirten/ dahero wurden nicht allein zu Regenspurg und Wien continuierliche Consultationes gehalten/ sondern es geschahe auch im Monat October die Krieges-Declaration wider Bayern/ samt den gewöhnlichen Avocatorien/ und was dem Anhängig. Unter andern trat dazumahl ans Licht eine Vorstellung der Situation der Chur-Bayerischen Affairen/ auch wo/ und wo nicht dem Churfürsten beyzukommen sey. Diese ist würdig allhier gelesen zu werden/ und lautet also:
„Die Reichs-Stadt Memmingen/ so sonsten ein nechst der Iller gelegener noch ziemlich tenabler Ort/ hat sich neulich nach erlittenem bombardement, und weilen keine Militz/ wie sie drey Wochenlang darum beweglichst angesuchet/ ihnen zu Hülffe geschicket worden/ mit accord Damit nun haben sich die Chur-Bayerische solchergestalt vortheilhafftig postiret/ indem sie über Freyburg den holen Graben Willingen und durch das Fürstenburgische über Pfuldorff und Biberach angerücket/ daß dem so lange erwarteten Detachement von 18000. Mann schwer fallen wird/ sie wiederum zu delogiren/ oder irgendwo in Bayern einzubrechen. Denn wo oberhalb Memmingen längst der Iller hinauff/ die gend in Altgey überaus bergicht/ und also von dorten nicht durchzukommen/ oder doch mit wenig Mannschafft die Pässe verleget werden können/ als bedienen sich nun die Bayern des Iller-Stromes von Memmingen biß Ulm an statt einer Linie/ und längst demselben Redouten auffwerffen/ und können auch den unsrigen die Passage um so viel leichter verwehren/ als solcher Fluß nirgends queable, und darzu im Herbst sehr rapid ist. Von Ulm hingegen biß nach Ingolstadt und Kehlheim ist Chur-Bayern nicht weniger der Donau Meister/ und also auch auff solcher Seiten nicht wohl möglich durchzukommen. Denn was Güntzburg und Neuburg anbelanget/ welche Brücken über die Donau haben/ sind solches keine haltbare Oerter/ und vuerden also die Bayern/ im Falle die Kayserlichen sich dort herüber wenden wollten/ sich deren gar leicht bemeistern/ und die Brücken abwerffen. Bey Kehlheim fliesset die Altmühl in die Donau/ und giebt also der Ober-Pfaltz biß Dietfort eine neutral-Bedeckung/ von Dietfort an aber biß Neumarck hinauff/ wollen nun die Bayern eine Linie graben lassen/ und haben schon den dritten Mann dort herum auffgeboten. Solchergestalt ist Chur-Bayern im Stande/ ob bemeldetem Detachements, es wende sich auch wohin es wolle/ das Einbrechen in Bayern leichtlich zu verwehren/ und scheinet also kein ander Mittel übrig zu seyn/ als daß Schwaben-Land/ an dessen Conservation doch dem Publico sehr viel gelegen/ vor dem ruin zuu bewahren/ und durch eine schleunige Divresion in dessen Land einzufallen/ um dem Churfürsten sein Concept also zu verrücken/ dann in der Ober-Pfaltz alles offen stehet/ die benachbarte Francken auch treulich helffen würden ; also müste der Churfürst entweder sein Land im Stiche lassen/ oder enn er es defendiren wollte/ die avantageuse Post beym Iller/ wo nicht gantz verlieren/ wenigstens doch so degarniren/ daß hernach das dorten stehende Detachement um so viel leichter die Iller passiren/ und glücklich reussiren könnte. Wo aber dergleichen diversion nicht noch vor Winters geschiehet/ sondern Chur-Bayern Zeit gelassen wird/ sich noch mehr zu verstärcken/ so ist nichts gewissers/ als daß es um Schwaben auch gethan/ und entgehet dadurch dem Publico nicht allein ein Corpus von 1000. Mann/ sondern es ziehet sich auch der Krieg völlig ins Reich.“

XVII.   Es ist wegen der uns vorgeschriebenen Kürtze unmöglich/ alle den Verdruß/ Mühe und Unheil zu specificiren/ welchen das Bayerische Unwesen verursachet. Denn ob gleich dieser Churfürst alle hostilitäten gegen den Schwäbischen und Fränckischen Kreyß ausübete/ so muste doch alles unter dem Deck-Mantel eines Patriotischen Eyfers/ vor die maintenirung des Rißwickischen Friedens und der deutschen Sicherheit passiren/ und kunte der zu Regenspurg anwesende Chur-Bayerische Ministre Baron de Zindt kaum Farben und Entschuldigungen genung erdencken/ die unrechtmäßigen Attentata seines hohen Principalen damit zu beschönigen. Seine Churfürstliche Durchlauchtigkeit zur Pfaltz liessen wegen dieser besorglichen Nachbarschafft das am Ober-Rheinstrom mit unter denen Krieges Operationen begriffen gewesene Iselbachische Regiment sich in Neuburg werffen; aber aus eben dieser Ursache schrieb der Churfürst von Bayern den Januarii 1703. an Ihro Durchlauchtigkeit die verwittibte Churfürstin zur Pfaltz / Sie möchte sich bey Zeiten aus Neuburg hinweg begeben/ sintemahlen er entschlossen wäre/ zur Sicherheit seiner eigenen Lande/ den Donau-Paß zu Neuburg wegzunehmen/ die alldasige Brücke über die Donau zu demoliren/ und den Ort von aller Fortification zu entblösen. Zu welchem Ende der General-Wachtmeister von Tettenbach den 1. Februarii mit einem Theil der Armee davor rückte die Stadt auffforderte/ und die Guarnison zwang/ (weil an keinen Entsatz zu gedencken war/) sich den 3. dito nach einer kurtzen Gegenwehre auff Discretion zu ergeben/ da sie denn sämtlich zu Krieges-Gefangenen gemacht/ und nach ünchen abgeführet worden. Man kann sich leicht einbilden/ daß es sich Chur-Pfältzischer Seiten bey dem Wienerischen Hofe und Reichs-Convent an Klagen und protestiren nicht ermangelt/ nur daß dieses alles sonder Frucht und Triost abgieng. Es hatte zwar das Römische Reich den 4. Decembr. 1702. Einen Schluß gemacht/ und nach gewisser Anlage der zehen Kreyße super quanto militari sich verglichen/ eine in 120000. Köpffen bestehende Reichs-Armee auffzurichten/ beständig zu unterhalten/ und damit gegen die Feinde des Reiches mit gesamter macht zu agiren: Welchen Reichs-Schluß Ihro Kayserl. Majest. allergnädigst confirmiret/ und die Sache mit höchstem Eyfer zu poussiren gebeten; der Erfolg aber hat leider erwiesen/ daß es an vielen Orten gefehlet/ und die unglückselige Campagne sothanen 1703ten Jahres hat uns traurige Merckmahle davon eingedruckt. Denn Chur-Bayern machte nicht allein alle erdencklichen Anstallten zur facilitirung des Frantzösischen Entsatzes und conjunction beydenseitiger Waffen/ wovon wir bald reden wollen/ sondern fiel auch den Fränckischen Kreyß feindlich an/ und machte Mine/ Nördlingen und Nürnberg übern Hauffen zu werffen/ welches jedoch selbige Kreyß-Trouppen verhinderten/ als die unter dem Commando Seiner Hochfürstl. Durchl. Hn. Marggrafen Christian Ernsts zu Brandenburg Bareuth in die Ober-Pfaltz giengen/ und die Stadt Neumarck den 17. Martii eroberten/ auch den 8. April. das feste Berg-Schloß Rotenberg/ in welchem der Graf de S. Bonifacio mit Bayerischer Besatzung lag/ durch den Herr General Feld-Marschall Lieutenant/ Grafen von Auffsäß berennen liessen/ der es auch/ nachdem man die bloquade in eine formale Belagerung verwandelt/ den 19. Sept. per accord erobert/ vortreffliche Munition und Krieges Requisita darinnen gefunden/ die Festung selbst aber auff Gutbefinden der Herren Marggrafen zu Baaden als Kayserl. General-Lieutenants / und Marggrafen zu Bareuth/ als Fränckischen Kreyß-Generals/ durch 3000. Mann von dem Fränckischen Kreyß darzu ausgebotenes Land-Volck ungesäumt gäntzlich demoliren lassen/ welche demolition, aller Bayerischen durch die Amberische Amts-Regirung den 2. Octobr. geschenen Protestation ungeachtet/ durch den Herrn General Wachtmeister/ Grafen von Hohenzollern ins Werck gerichtet worden. Also war es nunmehr auff seiten Ihro Kayserl. Maj. und des Heil. Römischen Reichs contra Chur-Bayern zur völligen Ruptur gelanget/ und stunde der Hr. Gen. Lieutenant Printz Louis von Baaden mit dem Herrn Marggrafen von Bareuth am Ober-Rhein bey Offenburg/ der Hr. Graf Styrum aber mit dem grösten Theil der Trouppen in Schwaben/ um die Operationes gegen Bayern/ so bald es möglich/ vor die Hand zu nehmen. Weil aber auff Seiten des Reichs die Anstalten nicht so hurtíg hergiengen/ als es die Noth erforderte/ so bediente sich Chur-Bayern dieses Verzuges/ marchirte mit einer Starcken Armee gegen Passau/ und hielte mit dem Kayserl. corpo, welches der herr General von Schlick bey Scharding versammlet/ den 11. Martii eine schaffe recontre, bey welcher auff jeder Seite über tausend Mann ins Graß beissen/ und die Kayserlichen denen Bayern viel gefangene/ Bagage/ Standarten/ nebst dem Felde überlassen müssen.  Die Kayserl. zogen sich alsdenn hinter Passau zurücke/ und postirten sich disseits der Donau/ um daselbst noch einige Recreuten und Remontirung zu erwarten/ auch den in letzterer Action erlittenen Abgang an Munition/ Proviand/ und Bagage zu ersetzen: Chur-Bayern aber movirte sich unverzöglich gegen Regenspurg/ tarff den 28. Mart.  zwey Meilen davon einige Kayserl. Trouppen vom Styrumischen Corpo an/ mit denen er chargiret/ 4. Biß 500. Mann erleget/ und zu unseren grossen Verlust/ den regirenden Hn. Marggraf George Friedrich zu Brandenburg Onolzbach mit einer doppelten Drat-Kugel tödlich blessiret/ daß er den 30. Mart. zu Nürnberg an seiner Verwundung Todes verblichen. Nach diesem Verlust geriethe der Fränckische Kreyß in neue Furcht/ der Churfürst von Bayern aber gieng auff Regenspurg loß/ bemächtigte sich am ersten heiligen Ostertag der alldasigen Donau-Brücke/ und zwang die Stadt Regenspurg/ den 8. Aprilis mit ihm dergestalt zu accordiren/ daß ihm die Donau-Brücke nebst dem Donau-Thore eingeräumet/ und tausend Mann zur Besatzung eingenommen worden. Dieses Verfahren setzte die annoch daselbst auff dem reich-Tage versamlete Gesandschafften und Stände in unaussprechliche Consternation. Denn obgleich besagter Churfürst sich erbot/ seine Trouppen wieder herauszuziehen/ so bald der Kayserl. Hoff genugsame Versicherung geben würde/ daß dessen und der hohen Alliirten Trouppen unter währendem kriege niemahls über selbige Brücke ins Bayerische passiren sollten/ so war doch in der Stadt und bey den Comitiis ein steter Allarm, und weil Chur-Bayern nicht einmal der Stadt die Neutralität gerne überlassen/ oder an seinen tractat mehr gebunden seyn wollte/ so schrieb er an seinen daselbst liegenden Obristen Santini, alle Thore der Stadt zu besetzen/ etliche tausend Mann mehr Besatzung hinein legen/ und die Bürger entwaffnen zu lassen. Aus diesen Ursachen wurde resolviret/ den Reichs-Convent daselbst zu quittiren/ die Versammlung auff einen andern Ort zu verlegen/ und damit aus Regenspurg zu entweichen: Chur-Bayern aber wollte zum Abzug keine Pässe ertheilen/ bevor er versichert würde/ daß sein alldasiger Abgesandter auch mit reisen/ un bey dem Reichs-Collegio alle Sucurität geniessen sollte. Zuletzt wurde von Kayserlichen Seiten der Stadt die Neutralität mit Bayern zugestanden/ die völlige Evacuation aber ist so lange trainiret worden/ biß vor wenig Tagen die glückliche Victorie bey Donawerth vor die hohen Alliirten einen wichtigen Ausschlag gegeben. Mittler Zeit war Chur-Bayern in voller Bewegung/ brach an Oster-Montag mit 15000. Mann bey Regenspurg wieder auff/ marchirte die Donau hinab/ und zwang das unter dem Grafen von Schlick stehende Corpo/ sich von Viltz-Hofen biß an den Inn zurücke zu ziehen/ und um einen Angriff zu vermeiden/ sich auf eine vortheilhaffte Höhe zu postiren; worauff das stärckste Bayerische Detachement von 6000. darbey sich der Churfürst selbst befunden haben soll/ jenseits die Donau hinauff marchiret/ und das Absehen entweder auff die Hinwegnehmung einer gewissen Reichs-Stadt/ oder auff Beförderung der Conjunction mit dem Marschall de Villars gerichtet.

XVIII.   Nunmehro beruhete der Haupt-Punct des gantzen Feld-Zuges auff der obgedachten Conjunction, und es ist Zeit/ daß wir auch derselben erwehnen. Der gantze Französische Hof wartete mit höchsten Verlangen auff den Ausschlag desselben Desseins, und wurden hierzu die ersinnlichsten Anstalten gemacht. Der Marschall de Villars gieng mir seinen Trouppen im Monat Februario 1703. bey Hüningen über den Rhein / verjagte den Prince Louis von Baaden (welcher die gröste force seiner Armee dem General Styrum gegen Bayern überlassen) aus seiner postirung bey Offenburg/ forcirte die Linien bey Oberbühl und Stolhofen/ verschantzte sich mit einem Theil seiner Armee an den Würtenbergischen Gräntzen/ mit dem andern aber belagerte er den Februarii das Fort Kehl/ (welches Fort Kehl eine starcke Schantze oder kleine Festung ist) disseits Rhein/ gegen Strasburg über/ an demjenigen Orte gelegen/ da der Fluß Kintzing in den Rhein sich ergisset/) und fieng es an/ aus 60. Biß 70. Canonen starck zu beschiessen. Alle Krieges-Verständige und vernünftige Leute hielten diese expedition des Villars vor ein Glück derer Schwäbischen und Fränckischen Kreyße/ denn woferne er mit seiner ziemlichen starcken Armee gleich in dem ersten allarm, welcher gewiß nicht gering gewesen/ in das Würtenbergische durchgebrochen/ und einen schleunigen March gegn die Donau gewaget hätte/ so ist leicht zu urtheilen/ wie die Sachen vor die hohen Alliirten würden gestanden haben: Wie dann so wohl der Prince Louis von Baaden als auch der Marggraf von Bareuth an den Schwäbischen Kreyß diese äusserste Gefahr notificirten/ um schleunige Hülffe anhielten/ und den Schwartz-Wald zu verbauen und zu verschantzen erstlich baten Das Fort Kehl gieng nach unterschiedlichen ausgehaltenen Stürmen den 9. Martii par accord an die Frantzosen über/ welche vielleicht den Printz Louis von Baaden auffs neue angegriggen hätten/ wenn ernicht ein starckes Corpo von Holländischen Völckern unter dem General Goor bey Zeiten zum Succurs erhalten. Also blieben die Armeen gegen einander stehen/ biß Villars nochmahlige Ordre vom Frantzösischen Hofe bekam/ die Conjunction mit Chur Bayern zu tndiren/ es koste was es wolle. Dahero gieng er mit seinen Leuten/ die man 30000. Mann starck schätzte/ an drey Orten über den Rhein/ conjungirte sich erstlich mit dem Corpo des Marschalls de Tallard, und griff den 24. April. den Herrn Marggrafen von Baaden in seinem wohlverschantzten Lager und den Linien bey Stollhofen und Bühl an; wie es aber daselbst viel Schläge setzte/ so gieng der Marsch nach dem Kintzinger-Thal / woselbst der Villars durch den Schwartzwald bey Haßlach und Wolfach durchbrach/ die Infanterie sich bey Villingen setzte/ und endlich der gantze Succurs sich in 20000. Mann starck mit dem Churfürsten zu Bayern zwischen Donau-Eschingen und Dutlibgen conjugirte. Der Herr Marggraff Louis/ der den Frantzosen auff dem Fuße nachfolgte/ verstärckte zwar das Styrumische gegen Bayern campirende Corpo mit verschiedenen Regimentern/ daß man selbiges auff 27000. Mann schätzen wollte; weil aber die Frantzosen ein sehr vortheilhafftes Lager zwischen Dillingen und Lauingen bezogen / und Printz Louis bey den Linien am Ober-Rhein noch genung zu thun fand/ so muste man das Würtenberger-Land durch unauffbringliche Contributiones vom Feinde erschrecklich mitnehmen lassen/ und fehlete wenig/ es hätten 7000. Frantzosen und 10000. Bayern die Stadt Lindau am Bodensee weggenommen/ welchere Anschlag jedennoch vergebens gewesen. Hierauff giend der Waffen-Tantz allererst recht an. Printz Louis von Baaden ließ das Lager bey Stollhofen noch mehr verschantzen/ übergab es der obsicht Herrn Generals von Thüngen/ und stieß mit einem Theile seiner Soldatesca zu der Styrumischen Armee/ welche sich inner wenig Tagen biß auf 36000. Mann gestärcket/ und den Villars in seinem Lager angreiffen wollte/ befandt es aber dergestalt verschantzet/ daß ihm unmöglich beyzukommen war. Hierbey liesse man auff feindlicher Seite nicht bewenden/ sondern es brach der Churfürst mit einem Detachement in Tyrol ein/ eroberte Kuffstein / Rattenberg / Hall / Ehrenberg / und andere Oerter / ja die Hauot-Stadt Inspruck selbst muste ihm huldigen/ und die Regirung nach seinem Willen einrichten lassen. Allein/ da man auff der andern Seite den Hertzog von Vendome mit 20000. Mann auch erwartete/ und durch eine neue conjunction nicht alleine die communication der in Italien stehenden Kayserlichen Armee völlig abzuschneiden / und die Kayserl. Erb-Lande vollends zu überschwemmen vermeynte/ fehlete es an dem rechten tempo, und fiengen unterdessen die Tyroler Bauern an/ die Waffen zu ergreiffen/ und ohne sonderbare Ceremonien ihr Vaterland dermassen zu defendiren/ daß sie damit einen ewigen Ruhm erworben/ und den Feinden miter Hinterlassung aller Conquesten sich biß auff Kuffstein zurücke zu ziehen genöthiget haben. Unterdessen hat den 1. Junii ein Frantzösisches Corpo, das unter dem Grafen de la Tour zu Munderkingen bey Ehingen gestandene Detachement angegriffen/ und anfangs ziemliche Avantage gehabt/ weil aber die Unsrigen gegn den Mittag den Feind von neuen attaquiret/ ist derselbe zuletzt repoussiret/ und biß nach Ulm verfolget worden/ worbey auff unserer Seite 300. auff feindlicher aber 700. geblieben/ und Printz Christian von Hannover/ welchem/ da er über die Donau setzen wollen/ das Pferd erschossen worden/ darbey sein Leben verlohren. Nachdem auch die Kayserl. Haupt-Armee etliche Wochen gegen die Feindlichen stille gelegen/ so wurde resolviret/ sie aus ihrem Vortheil zu bringen ; dahero der Herr General-Lieutenant zu Ende des Augusti mit dem stärcksten Corpo oberhalb Ulm die Donau passirete /den General Styrum aber mit den übrigen Trouppen disseits stehen liesse. Dieses verursachete / daß Chur-Bayern wieder zu dem Marschall de Villars stieß/ und sich der Stadt Augspurg zu versichern Willens war/ welche aber durch hochgedachten Herrn General-Lieutenant mit einer Guarnison beleget wurde. Der Feind ließ also die Alliirten in dieser gegend unangefochten/ rückte aber den 20. Septembr. unversehens gegen das Styrumische Corpo an/ welches eben ein klein mouvement gegen Donawerth gemacht hatte/ und behielt in einem hitzigen Gefechte die Oberhand/ also/ daß jenes mit vielem Verlust an Volck und Bagage sich unter Nördlingen zu reteriren genöthiget wurde. Ob nun gleich der General Herbeville in der Ober-Pfaltz eine starcke diversion gegen Bayern machte/ und die Stadt Cham den 3. Octob. Wegnahm/ auch die Haupt-Stadt Amberg d. 29. Octobr. berennete/ und den alldasigen Commendanten/ Grafen de S. Bonifacio, den 28. Nov. zur Ubergabe zwang/ mithin also sich also der gantzen Ober-Pfaltz bemächtigte/ so hatte Bayern sein Haupt-Absehen auff den Marggrafen von Baaden gerichtet. Daher marchirten beyde Armeen jenseits der Donau immer einander an der Seite her/ wodurch die Trouppen wegen des übeln Wetters dergestalt abgemattet wurden/ daß der Kayserl. General Lieutenant die Seinigen gegen Eingang des Decembris auseinander gehen/ und die Winter-Quartiere beziehen/ vorher aber Augspurg unter dem Commando des Würzburgischen Generals/ Freyherrens von Bibra mit einer starcken Besatzung versehen ließ. Hingegen gieng der Churfürst von Bayern mit dem Grafen von Marsin/ welcher den Marschall de Villars auff Königliche Ordre abgelöset/ den 13. Nov. vor Kempten/ zwang selbige Stadt/ worinnen die Alliirten ein Magazin angeleget/ zur Ubergabe/ und marchirte vondar auff Augspurg/ welcher Ort eine Bombardirung ausstehen/ und weil keine Hülffe zu hoffen war/ den 14. Decembris sich ergeben muste. Weil nun der accord bloß vor die Militz eingerichtet/ die Bürgerschafft aber gäntzlich davon ausgeschloßen war/ so ist nicht zu beschreiben/ was vor Drangsal die ehrlichen Augspurger von Bayern und Frantzosen ausgestanden/ was vor unglaubliche Geldsummen gelieffert/ der Ort gleichsam zu einem Dorffe gemacht/ und endlich jüngst eine Citadelle von Chur-Bayern daselbst angelegt worden. Also war der Feld-Zug des verwichenen 1703ten Jahres vor die hohen Alliirten im Reiche höchst unglücklich/ welche nicht allein gegen Bayern schlechten Succes gehabt/ sondern auch darbey im Herbste die zwey considerablesten Festungen Breysach und Landau eingebüsset. Denn als der Hertzog von Burgund mit dem Marschall de Vauban bey der unter dem Marschall de Tallard am Rhein stehenden Armee angelanget/ und allerhand falsche Marche und Contremarche gethan/ ließ er den 18. Augusti Breysach berennen/ welches die Kayserl. mit 5000. unter dem General Grafen von Arco besetzet gelassen/ und hatte das Glücke daß dieser importante Ort/ der eine Vormauer vor gantz Deutschland wider Franckreich war/ und bey welchen Vauban eine Probe seiner Ingenieur– und Artillerie-Kunst abgeleget/ nach einer nicht allzu langen und hefftigen Gegenwehr sich den 7. Septembr. mit Accord ergeben/ wiewohl nachmahls die Besatzung vors Krieges-Recht gestellet/ und der Commendant Graf von Arco, zu Bregentz wegen seiner lachetè enthaubtet/ die übrigen Officiers aber nach ihrer Gebühr bestraffet worden. Besagter Tallard rückte nachmahls im October, als der Hertzog von Burgund im Herbst wieder nach Franckreich gegangen/ vor die im verflossenen 1702. Jahr mit so vielen Mühe und Kosten gewonnene Haupt-Festung Landau/ und ob er wohl zu Ausführung dieser Entreprise eine ziemlich schwache Armee hatte/ so setzte er dennoch mit der in grosser Menge von Strasburg angelangten Artillerie derselben gewaltig zu. Die Wichtigkeit dieses Platzes/ und/ daß es die erste Conqueste Se. Römischen Königl. Majest. gewesen/ bewegte unter andern die Hn. General Staaten/ daß sie den Erb-Printzen von Hessel-Cassel mit einem guten Detachement aus dem Limburgischen zum Entsatz hinauff schickten/ welchem noch ein Hannover-Lüneburgisches Corpo folgete. Die Frantzosen liessen hingegen den General-Lieutenant/ Mr. de Pracontal, jenem mit 12000. Mann meistentheils Cavallerie immer an der Seite hermarschieren/ welchem es auch so weit glückte/ daß er denen Alliirten zuvor kame/ daher wurden diese/ ehe sie sich noch mit den Lüneburgischen conjugiret hatten/ von der feindlichen Armee den 15. Nov. bey Speyer angegriffen/ und nach vielem Blutvergiessen sich zu retiriren genöthiget; in welchem hitzigen Treffen auff beyden Seiten viel Volck/ und darunter auch obiger Mr. de Pracontal, von den Alliirten aber die Generalen/ Printz von Hessen-Homburg/ Baron Hochkirchen/Tettau/Iselbach/ und mehr andere hohe Officiers geblieben. Hierauff wurde der tapffere Gouverneur zu Landau/ Graff von Friesen/ nachdem er die Festung gegen eine der gewaltigsten Attaquen, als man jemahls gesehen/ fünff biß sechs Wochen defendiret/ dem 17. Nov. zu capituliren genöthiget/ und mit dieser Eroberung die Campagne am Ober-Rhein beschlossen.

XIX.   Diese und andere dergleichen Unglücks-Fälle/ wie auch die von der Republick Holland an das Reichs-Collegium gethane nachdrückliche Remonstrations, nöthigten die sämtlichen hohen Alliirten/ auff eine bessere Resistence zu gedencken/ und die Chur-Bayern par force auff andere Gedancken zu bringen. Zwar es fehlete auch itzo nicht an güttlichen Vorstellungen/ und ist gewiß/ daß vornehmlich sich der König in Preussen mit recht patriotischem Eyfer vor die Ehre Deutschen Nahmens und Reichs/ durch allerhand vortheilhaffte offerten angelegen seyn lassen/ das Gemüthe Seiner Churfl. Durchl. zu Bayern vor die Partie der hohen Alliirten geneigt zu machen. Nachdem aber kein Zureden/ kein Drauen etwas verfangen wollen/ vergliche man sich durch eine geheime im Haag gehaltene Conference, dieses jetztlauffende 1704te Jahr/ die gröste Macht in Schwaben zu gebrauchen/ und einen nachdrücklichen Versuch zu thun/ ob man nicht diesen Dorn aud dem Eingeweyde herausziehen/ und dadurch das Hertze Deutschlandes in einige Ruhe setzen könnte. Dannenhero wurden die Reichs-Völcker mit benöthigten Recreuten und Munition versehen/ in den Quartieren und Linien fleißige Hut gehalten/ die Regimenter zeitlich beysammen geführet/ und allenthalben Anstalten gemacht/ dem Frantzösischen auffs neue in bayern erwartetem Succurs die Conjunction zu verwehren. Unterdessen gienge die allgemeine Rede/ es würde dieses jahr die meiste force am Mittel-Rhein und an der Mosel gebraucht/ zum ersten das feste Schloß Greiffenberg bey Trarbach angegriffen/ und nach dessen Emportirung entweden Luxemburg berennet/ oder Lotthringen angefallen/ und dadurch denen Frantzosen eine gewaltige Diversion gemacht werden. Und damit man an dem Kayserliche Hofe ungeachtet der noch anhaltenden Hungarischen Unruhe/ zu deren Dämpffung man vieler wackeren Regimenter bedürfftig ist/ den Ernst zeigen möchte/ vornehmlich/ da Se. Churfürstl. Durchl. zur Pfaltz am Kayserlichen Hofe durch Ihre Gegenwart die Nothendigkeiten mit höchstem Eyfer urgiret/ seinen Ernst sehen liesse/ so wurde der weltberühmte Printz Eugenius von Savoyen beordert/ als Kayserlicher General-Feld-Marschall ins Reich zu gehen/ die Linien am Ober-Rhein wider den Frantzösischen Einbruch zu defendiren/ und die neue intendirte Conjunction zu verhindern. Bevor aber hochgedachter Herr General auff sinem Posten angelanget/ hatte nicht allein der Churfürst zu Bayern einen grossen March gethan/ und Mine gemacht/ die Kayserlichen Linien selbst anzugreiffen/ sondern die Frantzosen waren auch über der Schweizer Grund und Boden durchgedrungen/ und de Tallard hatte dem Churfürsten 10000. Mann zugeführet/ sonder daß es die hohen Alliirten verwehren können/ wiewohl sie die Arrieregarde angefallen/ und nebst der Kriegs-Canzelerey einen grossen Theil der Bagage erbeutet. Aus diesen Ursachen beschleunigte der heldenmüthige/ und wegen seiner grossen Verdienste/ von der Königin in Engelland in den hertzoglichen Stand erhobene Milord Duc de Marleboroug seinen Feld-Zug/ ließ 18000. Mann auserlesene Englische Trouppen nebst einer vortrefflichen Artillerie voraus gehen/ und führte diese Armee/ nicht/ wie jedermännlich vermeynte/ nach Trarbach/ sondern nach Schwaben/ und verursachte dadurch/ daß die Kron Franckreich/ welche sich dergleichen Zug nicht eingebildet/ alle conjectirte Mesures ändern/ der Marchal de Villeroy über Halß und Kopff zur Verstärckung des Tallards an den Rhein gehen/ und wo möglich/ den Engelländern vorzukommen suchen musten. Diese hielten auff dem Wege strenge Ordre, und kamen in Schwaben glücklich an/ woselbst hoher Krieges-Rath gehalten/ und vornehmlich zwischen Hrn. Marggrafen von Baaden und dem Herrn Duc de Marleboroug geheime Conference gepflogen worden. Die Zeit war viel zu edel/ daß solche mit unnöthiger Verweilung umsonst hätte vorbey streichen sollen/ also wurde der march nach Bayern fortgesetzt/ und die Resolution ergriffen/ bey Donawerth einen Versuch auff die alldasige Donau-Brücke zu thun. Wir haben oben gemeldet/ daß harte an Donawerth der so genannte Schellenberg lieget/ auff welchem eine feste Schantze angelegt/ bey welcher Chur-Bayern dieses mahl noch ein grosses Retrenchement anlegen/ und solches mit 12000. der besten Trouppen besetzen lassen; Wodurch er nicht allein den Feind lange abhalten/ und ihm empfindlichen Schaden zufügen/ sondern auch dem daselbst anrückenden Corpo die Communication mit denen unweit Ulm stehenden Völckern abschneiden wollte. Sothaner Anschlag war von keiner geringen Consequenz, und weil Bayern alle Pässe an der Donau und dem Lech sattsam besetzt/ so war vor menschlichen Augen eine harte Nuß auffzubeissen/ doch sind alle Difficultäten mit Gottes Hülffe/ durch die Großmüthigkeit der Alliirten überwunden worden. Den 1. Julii 1704. brach die Armee auff/ und hat ihren Marsch biß Amerdingen und Ringen fortgesetzt. Die ordinaire zum recognosciren ausgehende zwey Lieutenants brachten zurück/ daß der Feind ein Detachement von Cavallerie und Infanterie aus seinem Retrenchement zwischen Lauingen und Dillingen/ abwerts gegen Donawerth gehen lassen. Den 2. Julii, war das fest Mariä Heimsuchung/ ist das Lager abermahl auffgebrochen/ und der Zug gegen Donawerth prosequiret worden. Die Armee ist lincks abmarschiret/ und hat zu Ober-Mergern und Wernitzstein die Wernitz/ welche bey Donawerth vorbey fliesset/ passiret/ das Lager geschlagen/ allwo der lincke Flügel von dem Kaysersheimer Wald/ der rechte aber von der Wernitz bedecket wurde/ den so genannten Schellenberg und Donawerth/ in der fronte haltend. Der Hertzog von Marleboroug marschierte mit 6000. Mann der Seinigen voraus/ um zu sehen/ ob der Feind den Schellenberg besetzt habe/ wo nicht/ wo wollte er solchen occupiren. Die beyden Armeen folgten ihm auf dem Fusse nach/ und hohlten ihn eine Stunde von Donawerth noch ein/ da sie sich mit ihm wieder vereiniget. So bald man nun ohnweit obbesagtem Ort gerücket/ nahmen beyde hohe commandirende Generals/ Printz Louis von Baaden/ und Milord Duc de Marleboroug den Schellenberg und das darauff angelegte Retrenchement in möglichsten Augenschein/ und hörten von einigen Deserteurs und Gefangenen/ daß unter dem Commando des Bayerischen General Arco/ dieser Platz mit 16. Bayerischen und 6. Frantzösischen Bataillons nebst 4. Regimentern Cavallerie besetzet sey. Diesem allen ohnerachtet/ wurde resolviret/ den Feind sonder Zeit-Verlust anzugreiffen/ bey welcher Attaque, die gegen 6. Uhr Abends ihren Anfang nahm/ den rechten Flügel der Printz Louis von Baaden/ den lincken aber den Duc de Marleboroug selbst angeführet / und zu einer rühmlichen Tapfferkeit encouragiret.

Die Gegenwehr derer Bayern geschahe wegen ihrer grossen Menge und votheilhafften Situation des Ortes mit entsetzlicher Wuth/ und wurden die Salven aus groben und kleinem Geschütz unaffhörlich zwey Stunden lang continuiret/ daß auch die Englische Infanterie auff dem lincken Flügel/ wenn sie gleich schon einmahl eingedrungen/ doch durch des Feindes Cavallerie zu zweyen mahlen repousiret/ aber jedes mahl von der Cavallerie sothanen Flügels/ die der Herr Erb-Printz von Hessen-Cassel tapffermüthig angeführet/ secundiret worden. Endlich hatten die Kayserlichen auff dem rechten Flügel das Glück / dieses Retrenchement zu übersteigen/ und dadurch denen Engelländern Lufft zu machen/ welche mit ungemeiner furie bald darauff hinein gedrungen und alles was ihnen vom Feinde vorkommen/ sondern eintziges Ansehen niedergemacht. Hiermit wurden die Alliirten völlig Meister vom Retrenchement, welches die Feinde mit Hinterlassung vieler Fahnen / sechzehen grossen Stücken/ vielem Schantz-Zeuge / und völliger Bagage verliessen/ sich theils in die Stadt Donawerth/ theils nach der alldasigen Donau-Brücke retiriret/ welche Brücke aber/ wegen allzugrossen Tumults/ zeitig gebrochen/ wannenhero der gröste Theil von den Flüchtigen entweder in der Donau ersoffen/ oder von denen auff Ordre der hohen Generalität dem Feinde nachsetzenden Hertzoge von Würtenberg/ Marquis Cusani, und Grafen Merco auffgerieben/ und biß an den Wald verfolget worden. Der Verlust von Todten und Bleßirten ist auff beyden Seiten sehr groß/ und ob man gleich nicht weiß/ wie viel von dem Feinde eigentlich geblieben/ so ist doch die Nachricht nachgehends eingelauffen/ daß von denen auff dem Schellenberge gestandenen 12000. Mann sich kaum der dritte Theil salviret. Unserer Seits werden als Todte beklaget die Herren General-Lieutenant Goor von den Holländern; General-Wachtmeister Printz von Bevern / Braunschweigische Linie ; General-Major von Bentheim/ und die folgender Tage darauff an ihren Blessuren gestorbene Herren General Feld-Marschall Graf Styrum/ und General Feld-Marschall-Lieutenant Printz Louis von Baaden/ dem das Pferd unter dem Leibe weggeschossen und er am Fusse verwundet worden; Herr General Feld-Zeug-Meister Graf von Friesen an der Achsel/ Herr General Feld-Zeug-Meister Graf von Fürstenberg in Unterleib/ Herr Erb-Printz von Hessen-Cassel an der lincken Brust/ Herr General Wachtmeister Printz Alexander von Würtenberg ans dicke Bein/ der Fränckische General-Wachtmeister Mohr von Wald tödtlich. Was von andern Ober- und Unter-Officiers/ so wohl auch den Gemeinen dererjenigen Bataillons und Esquadrons, so zum Treffen kommen/ geblieben oder blesiret sey / zeiget beygefügte aus dem lager hieher communicirte Tabelle:

 

 

XX.   Nach dieser herrlichen Victorie blieb die Alliirte Armee des nachts durch auff ihren Posten stehen / die Frantzosen und Bayern aber wurden dergestalt geschreckt/ daß sie ihr vortheilhafftes völliges Lager zwischen Dillingen und Lauingen verlassen/ die Guarnisons aus allen kleinen Oertern heraus gezogen/ und sich selbst untereinander dergestalt vertheilet/ daß die Bayern nach Ingolstadt/ die Frantzosen aber nach Augspurg marchiret/ woselbst hin auch der Churfürst von Bayern sich begeben/ und mit Mann continuirlich Tag und nacht sich verschantzten/ vorher aber die Früchte auff eine Meilwegeslang totaliter consumiren lassen. Der Fränckische Herr General-Feld-Marschall-Lieutenant/ Herr von Erffa/ welcher den Posten auff dem Retrenchement zu behaupten commandiret war/ konnte von dem Schellenberge das Flüchten und Marchiren der Bayern gar wohl observiren/ und berichtete/ daß den 3. Julii in der Nacht der Feind sich vollens aus der Stadt Donawerth salviret/ und das Magazin in Brand zu stecken gesucht/ dessen Feuer jedoch die Engelländer bey Zeiten gelöscht/ und dadurch 100. Tonnen Pulver/ 3. Stücke im Zeug-Hauß/ 2000. Säcke Mehl/ nebst vielem Haber und andern Victualien gerettet. Hierauff giengen die Alliirten an dreyen Orten über die Donau nach dem Bayer-Lande zu/ liessen Dillingen und Lauingen durch den Hn. General-Wachtmeister Fugger besetzen/ und die noch darinen gebliebene Feinde zu Krieges-Gefangenen machen; gaben von ihrem erfochtenen Siege an den Hn. General Herbeville Rapport, welcher hierauff bey Neuburg über die Donau gesetzt/ und diesen Ort wieder in Posses genommen. Von dem Feinde wurden täglich viel Gefangene eingebracht/ und den 7. dit. unter dem Commando des Hn. General-Feld-Zeugmeister Grafens von Friesen/ mit 6000. Mann die Brücke über den Bach oberhalb Rayn verfertiget/ welcher Ort alsobald auffgefordert/ und auff verweigerte Ubergabe belagert/ beschossen/ und den 16. Julii per accord eingenommen worden/ vermöge dessen die Guarnison ohne Gewehr ausziehen/ das darinnen liegende Land-Volck wider den Kayser nicht mehr fechten/ die Pferde aber/ nebst der Munition, Proviand, und dergleichen den Uberwindern lediglich zurücke gelassen werden soll. Durch Eroberung dieses Postens/ wo sich Chur-Bayern vorher verschantzet hatte/ haben die Alliirten einen grossen Vortheil / nehmlich die freye Passage nach Bayern und Augspurg gewonnen/ wie denn aus unterschiedenen Brieffen verlauten will/ ob wären die Alliirten mit einem Detachement bey Settenhofen über eine Schiff-Brücke ins Chur-Bayerische eingefallen. Die Churfürstin von Bayern ist bey ihren Hn. Gemahl in Augspurg gewesen/ und hat sich nach einer kurtzen Unterredung nach Landshutt in Sicherheit begeben/ auch/ wie man vorgiebt/ bey dem Ertz-Bischoff von Saltzburg angehalten/ ihr in selbiger Stadt die Retirade zu vergönnen/ deferne die Gefahr grösser werden sollte. Ob nunmehro der March recta nach Augspurg gehen oder ob Ingolstadt angegriffen/ oder München attaquiret werden dörffte/ müssen die künfftigen Posten nechster Tages zeigen/ sintemahl die Armee marschfertig gestanden/ und dem Vornehmen nach der Auffbruch nach Augspurg und München gehen sollen. Indessen wird das Land/ sonderlich was unter Chur-Bayern gehöret/ durch Brand und Plünderung in eusersten Ruin gesetzt/ und weil/ unterschiedenen Briefen nach/ ein Englischer Tambour bey Aufforferung der Stadt Rayn/ wider Krieges-Gebrauch/ erschossen worden/ so haben die Engelländer etliche und zwantzig Dörffer dafür abgebrandt/ sonderlich dererjenigen Bauern/ welche sich mit dem Ihrigen nach Rayn salviret/ und auff Erforderung zu ihren Häusern nicht zurücke kehren wollen.

XXI.   Man hat bey diesem Donawerthischen Siege wiederum ein klares Exempel gesehen/ daß aus einer rechtschaffenen vigoureusen Action viel nützliche Consequentien hervor fliessen/ und wenn man die Umstände rechtschaffen erwegen will/ so findet man Ursache/ theils dem Allerhöchsten davor zu dancken/ theils die Tapfferkeit derer Alliirten zu loben/ theils auch noch viel Gutes inkünfftig zu hoffen. Der Hochmuth unserer Feinde war bereits dahin gediegen/ daß sie sich in ihren Sincerationibus nicht gescheuet/ mit Anführung des göttlichen Nahmens und seiner allwissenden Gerechtigkeit nur ein Gespötte zu treiben. Die vornehmste Chur-Bayerische Fahne soll/ nach einiger Bericht/ das Gemählde der Mutter Gottes/ der hl. Jungfrauen Maria führen nebst den Bey-Worten: In hoc signo vinco, das heist: In diesem Zeichen überwinde ich. Es ist aber remarquable, was von Regenspurg geschrieben worden/ daß daselbst in der Dominicaner-Kirche/ an Mariä Heimsuchungs-Fest (war eben der Tag/ an welchem das Treffen vorgegangen) um 3. Uhr zu Mittage/ unter der Bet-Stunde des Rosen-Krantzes oder Paternosters/ das mitten in der Kirche hangende Marien-Bild herab gefallen/ und etliche darbeystehende Leute sehr beschädigt : wessenthalben nachmahls ein lustiger Kopff mit denen auff der Bayerischen Haupt-Fahne stehenden Worten seinen Scherz gehabt/ und gesagt/ man solle jetzt nicht mehr vinco schreiben/ sondern in hoc figno vincor, das ist/ in diesem Zeichen werde ich geschlagen nñ überwunden. Die Alliirte Armee hatte sich durch einen 24stündigen March sehr abgemattet/ sie sahe ein so starck besetztes und übel anzugreifendes Retrenchement vor sich/ sie wuste/ daß der Kern von den besten Bayerischen Regimentern drinnen mit Kraut und Loth erwartete/ und den Kayserlichen insonderheit war noch im frischen Gedächtniß/ was die Frantzosen vorm Jahre zwischen Lauingen und Dillingen vor ein vortheilhaftes Lager gehabt/ dennoch überwand ihr Großmuth alle diese Difficultäten/ und griff diejenigen behertzt an/ welche die gantze Welt verwirren wollen/ daß also der Schellenberg/ welchen die Feinde binnen wenig Tagen zu einer unüberwindlichen Festung machen wollen/ ihnen selbst gleichsam zu einem naturellen Kirchhof worden. Der Verlust ist zwar auff Alliirter Seiten/ wegen so vieler vornehmen Generals-Personen/ wo entweder geblieben oder hart blesiret sind/ sehr considerable, allein man darff sich nicht einbilden/ daß die Bayern Seide darbey gesponnen/ und ist lächerlich/ daß dieselben in Augspurg einen Brief weisen/ den der General Graff von Arco an Ihro Churfürstl. Durchl. von der Action geschrieben haben soll/ daß darbey auff Chur-Bayerischen Seite kaum 300. getödtet und 400. verwundet worden/ welche Unwarheit sich durch sich selbst widerleget/ und hat uns der Heldermüthige Erb-Printz von Hessen-Cassel/ welcher die Reuterey auff dem lincken Flügel commandiret/ in seinem an den König in Preussen gestellten Schreiben gar eine andere Abbildung dieser Attaque und des beyderseitigen Verlusts vor Augen gestellet. Vorher wuste man Chur-Bayerischer Seiten in puncto Restitutionis der Stadt Regenspurg nicht rergiversationes genung vorzuwenden/ allein nach erlittener Niederlage truge man deshalben kein ferneres Bedencke/ und ist die Chur-Bayerische Guarnison, welcher Zeither unter dem Brigadier Grafen Santini darinnen gelegen/ den Julii völlig ausgezogen/ und der Stadt die Neutralität Zeit währenden Krieges zugestanden/ welches denen Bayern selbst zu ihrem Besten dienet/ sintemahlen bey jetzigen hereinbrechenden Unglücks-Wolcken sich schon viele vornehme Familien aus Bayern mit ihren besten Mobilien dahin zu retiriren anfangen. Es haben einige Particulier-Briefe aus Nürnberg und Weissenburg von einer gewissen Propheceyung/ die man in Bayern bey einer aus dem Grunde auffgebauten Capelle ehemahls gefunden/ und mit der sich itzo der gemeine Mann in Schwaben und Bayern auff allen Ecken herum träget/ gemeldet/ dieses Innhaltes: Anno MDCCII. orietur ex Bavaria bellum & Anno MDCCIV. erit totius Bavariae ruina, das heist auf Deutsch: Im Jahr 1702. eird aus Bayern ein grosser Krieg sich hervor thun/ und im Jahr 1704. wird gantz Bayerland ruiniret werden. Wir überlassen jedwedem von diesem Mährlein seine überflüßige Gedancken/ meynen aber/ daß diese Campagne noch mehr als einen Ruin in Bayern versuchen wird. Der eintzige Trost/ den so wohl Chur-Bayern als die Frantzosen bey diesem Malheur haben/ ist die Hoffnung eines baldigen Succurses, den ihnen der Marschall de Tallard mit 25000. Mann überbringen solle. Ungeachtet aber einige Gazetten melden/ es sey gedachter Tallard mit seinem Corpo bereits durch den Schwartzwald gebrochen/ so wird er doch von dem Printzen Eugenio, der ihn schon mit 20000. Aus den Linien nach Rotweil entgegen gegangen/ und dem die hohen Herren Alliirten den General Thüngen mit 16000. Mann zu Hülffe geschickt/ noch gar grossen Widerstand finden: So ist auch zwischen ihm und denen bey Augspurg sich verschantzeten Flüchtlingen noch eine grosse Klufft befestiget/ und kann durch deren Attaquirung/ oder einen andern Einbruch in das Hertze von Bayern eine gewaltige Diversion gemacht werde. Der Ausschlag dieses grossen Desseins beruhet in den Händen Gottes/ welcher der gerechten Sache beystehen wird. Dieses dörffte uns Gelegenheit geben/ künfftig dem neubegierigen Leser mit fernerer Communication dieser Krieges-Operationen einen Gefallen zu erweisen.

 

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  • zu Abb1: wikimedia commens: File:Schellenberg_1704.jpg
  • zu Abb2: Die Schlacht am Schellenberg 1704. Kupferstich aus dem Imhofschen „Bildersaal“, Nürnberg 1710; Original-Bildformat 55 x 82 mm; (Sammlung GD)
  • zu Abb3: Kupferstich aus Merian’s „Theatrum Europaeum“: „Held-haftige actie. vant gecombineerte Leger onder des van marl: en P. L. van Baden. de Fransen en By’ren in haer voordeel aen gegrepen en geslagen den 2 July 1704. / Pugna egregie pugnata et res felicitur gestae a fortissimis viris Duce Marleburgio et Principe Badaeo adversus Gallos.“ „Pet. Schenk exe Amst: C.P.“ (Sammlung GD)
  • zu Abb4: Kupferstich aus Merian’s „Theatrum Europaeum“ von ca. 1718: „Die Franzosen und Bayern wurden in Ihren Vortheil auff den SCHELLENBERG attaquiret und von der Alliirten Armee unter Anführung des Hertzogs von MARLEBORUG und Printz LOUIS von BADEN geschlagen den 2. Julii 1704“ (Sammlung GD)
  • zu Abb5: „Battle of Donawert fought July 2. 1704“; Original-Kupferstich von Claude Du Bosc, 1737; Blatt-Format: ca. 45 cm x 40,5 cm; Bild-Format: ca. 42 cm x 32 cm; (Sammlung GD)
  • zu Abb6: „Combat de Donawert“; Original-Kupferstich von ca. 1740; Blatt-Format: ca. 60 cm x 54,5 cm; Bild-Format: ca. 46 cm x 36,5 cm; (Sammlung GD)
  • zu Abb7: aus “ Donauwerthisches Blut-Bad oder der mit Blut vermischte Donau-Strom …
  • zu Abb8: Martin Zeiller (1589-1661) – Thonauwerth – (gemeinfrei)

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siehe dazu auch:

  • Peter Paul Bornhausen: Augenzeugenberichte von der Schlacht am Schellenberg; in: Mitteilungen des Historischen Vereins für Donauwörth und Umgebung 2003, S. 9-55
  • Ottmar Seuffert: Die Schlachten von 1704 am Schellenberg und bei Blindheim nach dem 1833 verfaßten Bericht von Leonhard Kremer; in: Mitteilungen des Historischen Vereins für Donauwörth und Umgebung 2003, S. 56-74
  • Ottmar Seuffert: 300 Jahre Schlacht auf dem Schellenberg 1704-2004, Eine Spurensuche im Altstadtbereich von Donauwörth; Stadt Donauwörth 2004
  • www.wikipedia.org: Schlacht am Schellenberg
  • www.youtube.com: Schlacht am Schellenberg
  • www. zum.de: Die Schlacht am Schellenberg. Des Türkenlouis letztlich tödliche Verwundung.