Zum Autor:

Otto von Schaching ist das Pseudonym des Bayerischen Schriftstellers und Redakteurs Viktor Martin Otto Denk (* 22. Juni 1853 in Deggendorf; † 9. Januar 1918 in Regensburg).
Viktor Martin Otto Denk war ab 1888 Lehrer am Cassianeum in Donauwörth. Lt. wikipedia.de war er nebenher Schriftleiter der Tageszeitung „Regensburger Anzeiger“, der Jugendzeitschrift „Efeuranken“ und 1898 – 1911 der Familienzeitschrift „Deutscher Hausschatz“. 1910 gründete er die katholische Monatsschrift „Der Aar“ und leitete sie bis 1913. Denk wurde zum königlichen bayerischen Rat ernannt.

zum Autor und zum Sachverhalt siehe u.a. auch
Wikipedia: Viktor Martin Otto Denk
www.lesekost.de: Bibliographie von Otto Denk – Otto von Schaching

Milger, Peter: Um Land und Leute – Der 30-jährige Krieg
Scharf, Claudio: Der Vorfall in Donauwörth, Studienarbeit WS 2010/2011, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Stadtarchiv  Donauwörth: Quellen zur Stadtgeschichte 1
Wikipedia: Kreuz- und Fahnengefecht

 

Viertes Kapitel (S. 54-66) aus dem Buch:

Otto von Schaching: Maximilian I., der Große, Kurfürst von Bayern; Freiburg im Breisgau 1876

 

Maximilian und die Reichsstadt Donauwörth.

Der zu Augsburg im Jahre 1555 geschlossene Religionsfriede hatte zwar den kämpfenden Parteien die Waffen aus den Händen gerungen, allein unter der trügerischen Asche glimmte der Funke fort, an dem die wilde Kriegsfurie bald ihre blutrothe Fackel anzünden sollte. Die nach den reichen Besitzungen der katholischen Kirche lüsternen protestantischen Fürsten wollten die Schranken des geistlichen Vorbehalts – reservatum ecclesiasticum – durchbrechen, wornach ein vom katholischen Glauben abgefallener Priester seiner Pfründen und Würden verlustig ging. Viele der protestantischen Fürsten hatten der Bestimmungen des Religionsfriedens so wenig geachtet, daß sie bis zum Jahre 1618 nicht weniger als zwei norddeutsche Erzbisthümer und zwölf Hochstifter an sich gerissen. Hiebei wollte man es nicht bewenden lassen. Das Bestreben der akatholischen Partei zielte auf eine völlige Zertrümmerung des höchst unbequemen Religionsfriedens. Unablässig klagten die Katholiken beim Kaiser über die sich häufenden Verletzungen der augsburger Bestimmungen. Aber was halfen die Klagen bei einem Kaiser, der sich in seiner eigenen hülflosen Lage in keiner Weise zurecht finden konnte. Unter Rudolph dem II. durften es die Holländer ungestraft wagen, den Rhein zu sperren und dem deutschen Handel die empfindlichsten Schäden beizubringen; unter ihm rissen sich die Niederlande vom Reiche los, fielen in die benachbarten deutschen Provinzen ein und nahmen Städte weg. Rudolph hatte dagegen nichts als unwirksame Mahnungen zum Frieden. In Ungarn schwang Stephan Botskai, unterstützt von den Türken, das Panier des Aufruhrs und gewann das Land für seine Pläne. Nur mühsam bewog der Erzherzog Matthias, Rudolphs Bruder, die Insurgenten zur freiwilligen Unterwerfung und die Türken zum Abschluß eines fünfzehnjährigen Waffenstillstandes. Botskai wurde mit Siebenbürgen zufrieden gestellt, den protestantischen Ungarn unumschränkte Cultusfreiheit zugestanden. Das war für die deutschen Protestanten ein neuer Sporn zu noch rücksichtsloserem Auftreten gegen die Katholiken. Namentlich thaten sich die Reichsstädte durch schreiende Verletzungen des Religionsfriedens hervor. Die in ihren Freiheiten und Rechten geschmälerten Katholiken erhoben beim Reichshofrathe Klagen. Die Hofprocesse mehrten sich; die Beschuldigten wurden durch kaiserliche Mandate zur persönlichen Verantwortung geladen, erschienen jedoch nicht.
In solch‘ einen Hofproceß wurde auch die Reichsstadt Donauwörth verwickelt, deren Bewohner, mit Ausnahme weniger katholischer Bürger und des Klosters zum hl. Kreuz, der neuen Lehre anhingen. In der Bittwoche des Jahres 1605 wollte der Abt des Klosters, Pater Leonhard, die herkömmliche Procession abhalten, aber der Magistrat verbot es. Hierüber beschwerte sich Bischof Heinrich von Augsburg als Schirmherr des Klosters bei Rudolph dem II. Herzog Maximilian von Bayern, den der Bischof um seine Unterstützung angegangen, bewirkte durch seinen Gesandten Wilhelm Boden zu Prag, daß der Kaiser die Donauwörther aufforderte, sich bei Vermeidung der Reichsacht innerhalb sechs und dreißig Tagen durch eine Deputation am kaiserlichen Hofe zu verantworten. Der Magistrat reichte eine Defensionsschrift ein, suchte aber zugleich bei den benachbarten Fürsten und Städten um Beistand nach. Alle erwiderten, den Umgriffen der „Papisten“ müsse man Schranken setzen. Zu Heidelberg einigten sich damals am 16. Januar 1606 die Calvinisten und einige protestantische Stände unter dem Directorat des Kurfürsten Friedrich IV. von der Pfalz zu einem engeren Bündniß. Im Hinblicke auf diese Coalition wuchs bei den Donauwörthern der Muth. Am Markustage 1606 nahm der Abt vom hl. Kreuz die Procession vor und erinnerte den Magistrat, dar ihn abermals hindern wollte, an das kaiserliche Mandat. Auf dem Rückweg in’s Kloster wurde die Procession von dem protestantischen Pöbel überfallen, der die Fahnen zerriß und in den Koth trat und die Bittgänger mit Steinen und Prügeln verfolgte. Auf die erneute Klage des Abtes beschied der Kaiser in einem zweiten schärferen Mandate Bürgermeister und Rath an sein Hoflager. Der Magistrat entschuldigte sich zum anderen Male in einem Schreiben und wälzte die Urheberschaft auf das erzürnte Volk, dessen man nicht Meister hätte werden können. Nun beauftragte Rudolph der II. unterm 16. März 1607 den Herzog von Bayern, die Katholiken Donauwörths in seinen Schutz zu nehmen und den Vorfall zu untersuchen. Maximilian schickte diesem Auftrage gemäß seinen Obersten Alexander von Haslang und den Rath Dr. Forstenhauser nach Donauwörth an den Stadtrath mit der kategorischen Frage, ob die Katholiken fürderhin in Ausübung ihrer durch den Religionsfrieden zugesicherten Cultusfreiheit unbehelligt bleiben würden oder nicht. Bei der Ankunft der beiden Commisarien befand sich Alles in tumultuarischer Bewegung. Die Wirthsstuben waren überfüllt von betrunkenen und tobenden Bürgern, die durch einen herabgekommenen Goldarbeiter Schenk und Loderer Feckel nach Demagogenart zum Widerstand aufgereizt wurden. Von der Kanzel schleuderte der Prediger Dölger zündende Worte in die gährende Masse. Die Commisarien bewirkten mit ihren Vorstellungen Nichts; selbst ihr Leben schwebte in Gefahr. Der tolle Rebellenhaufe, bewehrt mit Waffen aller Art, wälzte sich nach dem Rathhause, wo der Anführer Goldschmied Schenk, rief: „Wir fragen nach dem Kaiser und dem Bayerfürsten Nichts. Sie sollen nur selbst kommen, dann werden wir sie, wo nicht in die Donau werfen, doch über die Stadtmauern hinaushängen und ihre Zungen mit Spindeln durchstechen“. Nur unterm sichren Geleite konnten die bayerischen Commisarien aus der Stadt gelangen. Maximilian sandte den Bericht seiner Delegirten an den Kaiser und forderte ihn auf, mit aller Strenge gegen die ungehorsamen vorzugehen, „denn sollte so schlechten Leuten, wie die Donauwörther sind, dieser Ew. Maj. so hoch erwiesene Trotz ungestraft hingehen, hebn Ew. Maj. bey sich selbst leicht zu ermessen, daß andere Reichsstädte, bey welchen unsere wahre allein seligmachende Religion noch empor ist, den Katholischen an ihrem Religionsexerziz so lange Zwang und Einhalt thun, bis zuletzt bemeldte katholische Religion überall nach und nach ausgerottet würde“. Die Donauwörther, die nach den letzten Vorfällen auf einen friedlichen Ausgleich keine Hoffnung mehr setzten, warben um Bundesgenossen. Der Pfalzgraf Philipp Ludwig von Neuburg und mehrere benachbarte protestantische Stände sagten ihre kräftige Unterstützung zu. Der Herzog Friedrich von Württemberg protestirte bei Maximilian gegen die Uebernahme einer Execution, da nach den Reichssatzungen eine solche nur ihm, als Obersten des schwäbischen Kreises, zustehe.
Maximilian war nicht gesonnen, die seinen Glaubensgenossen zugefügte Beleidigung und Ungerechtigkeit ungeahndet zu lassen. Durch rasches Handeln sollte den Protestanten Achtung eingeflößt und den Katholischen Ruhe gesichert werden. „Man wird“, schrieb der Herzog an Max Welser nach Augsburg, „eine ernstliche Demonstration fürnehmen, darob sich das gemeine unbändige Gesindel sowohl bey euch als andern Reichsständen zu spiegeln hat.“ Maximilian entfaltete in der Betreibung dieser Sache die größte Rührigkeit. Truppen wurden geworben, Tag und Nacht waren Couriere und Boten auf den Wegen; durch Spione ließ der Herzog die genauesten Erkundigungen über die Bewegungen zu Gunsten der Donauwörther einziehen. Regste Thätigkeit herrschte in seinem Cabinete.
Weit weniger ernst trug dagegen Kaiser Rudolph zur Schau. Er grollte seinem Bruder Matthias wegen des mit Stephan Botskai abgeschlossenen Friedens und des türkischen Waffenstillstandes. Matthias, von unmäßiger Herrschsucht fortgerissen, lehnte sich gegen den Kaiser auf und ließ sich von den ungarischen Magnaten zum König von Ungarn wählen. Rudolph nahm seine Zuflucht zu Unterhandlungen und wollte, um seinem Bruder nicht mit Waffengewalt entgegentreten zu müsen, einen 1610 zu Prag versammelten Fürstencongreß die Entscheidung fällen lassen. Maximilian von Bayern wurde eingeladen, das Amt des Schiedsrichters zu übernehmen; er lehnte jedoch ab, da er die Fruchtlosigkeit des Convents voraussah. Unterdessen hatte der Erzherzog Leopold 16,000 Mann geworben, mit denen er zum Schutze des Kaisers in Prag erschien.
Die protestantischen Stände suchten aus diesem Zwiespalt im habsburgischen Hause Nutzen zu ziehen und namentlich auf Rudolph den II. dahin eine Pression auszuüben, daß er von einer Execution gegen Donauwörth Umgang nehme. Der Kaiser war diesem Ansinnen nicht abgeneigt, denn er wollte es mit den Protestanten, an deren Geldhülfe er dachte, einer einzigen Stadt wegen nicht gerne verderben. Er legte indeß die Angelegenheit seinen Ministern zum Entscheide vor. Unter diesen lebte nur ein einziger Mann, der für die katholische Sache Deutschlands warm und aufrichtig fühlte und der die Mißachtung der Verträge als das ansah, was sie waren, als gemeinschädliche Rebellion,  – nämlich der greise Vicekanzler des Reichshofrathes: Ludwig von Strahlendorf. Seinem schwer wiegenden Einflusse gelang es, den Kaiser zum Achtspruche über die Reichsstadt Donauwörth zu vermögen. Am 3. August unterzeichnete Rudolph der II. die Sentenz. Der Reichsherold war indeß mit dem Befehle noch nicht nach München abgegangen, als von dem Stadtrath Donauwörths ein Schreiben an den Kaiser einlief, worin die Bitte ausgesprochen wurde, die Acht nicht über die Stadt zu verhängen, damit nicht Unschuldige mit den Schuldigen zu leiden hätten. Die Urheber des Aufruhrs seien bereits verhaftet und würden zur Strafe gezogen werden. Der Kaiser fügte daraufhin dem Schreiben an Herzog Maximilian bei, er stelle es seinem Ermessen anheim, ob nicht bei so bewandten Umständen der Weg der Güte nochmals zu betreten wäre, ehe man mit Gewalt einschreite. Maximilian wählte also das Erste, um allen Klagen und Vorwürfen zu begegnen. Er schickte seine früheren Commissarien, denen noch Dr. Jocher und Freiherr von Benninghausen beigegeben wurden, nach Donauwörth. Ihrem Begehren, durch einen schriftlichen Revers dem Kaiser Gehorsam zu versprechen, die Häupter des Aufruhrs an Bayern auszuliefern und gegen die übrigen Tumultuanten auf dem Untersuchungswege vorzugehen, wurden Bürgermeister und Rath sogleich gerecht; Goldschmied Schenk und Loderer Feckel wurden den Commissarien übergeben. Kaum hatten diese der Stadt den Rücken gewandt, als der Sturm sich wieder erhob. Die Unbotmäßigen schrieen, eher Leib und Leben daran zu setzen, als einen Bürger auszuliefern. Ein Advocat rief: „Wenn selbst Christus mit einer Procession daherkäme, würde ich mit Prügeln danach werfen“. Der innere oder kleine Rath, der den Revers unterschrieben, wurde aus der Stadt verjagt, die Bürger vertauschten das Handwerksgeräth mit den Waffen und lagen Tag und Nacht in tobender Betrunkenheit in den Wirthshäusern. Von ihren Predigern wurden sie mit den Worten angefeuert, daß man den Allmächtigen um Befreiung von dem „Papistenungeziefer“ bitten müsse. Herzog Maximilian schickte abermals eine Commission zu den Verblendeten und versprach ihnen, für sie beim Kaiser um Gnade zu bitten, wenn sie freiwillig zum Gehorsam zurückkehren würden. Allein den Abgesandten wurde mit Hohn und Spott gelohnt und ihnen zugerufen, die Sache müsse auf einem schwäbischen Kreistag oder auf einer Reichsversammlung zum Austrage gelangen. Da befahl Kaiser Rudolph, mit gesetzlicher Strenge zu verfahren, die Rebellen aber vor Publicirung der kaiserlichen Sentenz zum letzten Male im Guten zu ermahnen. Maximilian ordnete demgemäß seine Commissäre nach der Stadt Rain ab, um dort mit einer Bürgerdeputation aus dem benachbarten Donauwörth nochmals zu unterhandeln; schon hatten die bayerischen Delegirten die Bürger für ihre Forderungen gewonnen und es fehlten nur mehr die Unterschriften, als ein pfalz-neuburgischer Gesandter in Donauwörth eintraf und die nahende Hülfe der benachbarten Stände ankündigte mit der Aufforderung, auszuharren, da jetzt nicht mehr bloß ihre politischen Freiheiten, sondern auch ihr Seelenheil, ihre Religion auf dem Spiel stünden. Die Worte machten alle friedlichen Unterhandlungen alsbald unmöglich. Die Donauwörther schwuren, eher untergehen als weichen zu wollen. Nun wurde die Reichsacht verkündet. Aber die Donauwörther achteten die Worte des Herolds kaum, der im Angesichte ihrer Stadt mit lauter Stimme den Achtspruch verlas. Sie warben Truppen und trafen alle Vertheidigungsanstalten. Der Pfalzgraf von Neuburg und der Herzog von Württemberg forderten von Maximilian und dem Kaiser den Aufschub der Execution. Der bayerische Herzog gab zur Antwort, er werde nach dem Willen des Kaisers handeln; dieser erklärte, er hoffe, daß kein Reichsstand Maximilian an dem Vollzuge der Acht hindere. Eine nach Ulm ausgeschriebene protestantische Versammlung warnte den bayerischen Herzog, irgend Etwas gegen den Religionsfrieden zu unternehmen und protestirte gegen eine Execution. Maximilian, unbekümmert um die Einsprüche der Gegner, mobilisirte seine Executionsarmee. Sie bestand aus 6000 Mann, darunter 2000 Söldner; die übrigen Truppen waren bayerische Landfahnen. 600 Reiter, eine Artillerie von 14 Geschützen und achzig Wägen mit Belagerungszeug und Munition folgtem dem Heere, dessen Führung dem Obersten Alexander von Haslang anvertraut war. Maximilian hielt es unter seiner Würde, in Person gegen eine geächtete Stadt zu ziehen. Dem Oberbefehlshaber trug er auf, strenge Disciplin zu handhaben, Donauwörth vor Plünderung zu schützen und die dortigen Officiere, da sie in den Dienst einer geächteten Stadt getreten, nach Kriegsgebrauch aufzuknüpfen. Ferner befahl er ihm die sofortige Verhaftung der lutherischen Prediger, die durch ihre aufreizenden Reden das Volk zur Widersetzlichkeit getrieben.
Am 16. December 1607 erschienen die Bayern im Angesichte Donauwörths. Die Besatzung der Stadt bestand aus einigen Hundert Mann unter dem Commando eines vom Pfalzgrafen von Neuburg abgeordneten Hauptmanns. Vergebens spähten die von Kleinmuth erfaßten Bürger nach der versprochenen Hülfe aus. Sie wurden zur Uebergabe aufgefordert; eine Deputation verließ die Stadt und begehrte Namens der Bürgerschaft zu capituliren. Sie verlangte zuerst vier Wochen Bedenkzeit, allein es wurden ihnen nur fünfzehn Minuten zugestanden. Zugleich ertheilte Haslang der Deputation die Versicherung, daß Leib und Gut der Bürger geschützt sein solle. Die Nacht brach bereits herein und noch waren die Schlüssel nicht ausgeliefert. Von den Mauern herab rief man den Bayern höhnisch zu, sie sollten sich nur wieder entfernen, da es schon dunkel geworden. Nun ließ Haslang die Artillerie anrücken und Petarden an die Thore legen. Angesichts dieser drohenden Vorbereitungen entsank den Donauwörthern der Muth und sie capitulirten. Haslang ließ die Deputation, welche die Schlüssel überbrachte, zur Strafe auf die Kniee niederfallen. Am 17. December hielten die Bayern ihren Einzug; Todtenstille herrschte in der Stadt, nur hie und da zeigten sich Frauen oder Kinder, von Neugierde getrieben, am Fenster. Haslang beschied den Magistrat vor sich und entkleidete ihn seiner Würde. Als zur Ablieferung der Waffen geschritten wurde, wollten die Bürger sogar Aexte und Fleischerbeile einhändigen. Wer von den Aufwieglern noch nicht das Weite gesucht, wurde verhaftet und nach München in den Falkenthurm gebracht, wo schon einige Donauwörther lagen. Der Stadt wurden ihre Privilegien genommen und 300 Mann Besatzung eingelegt; die Landfahnen wurden zurückgeführt und die geworbenen Knechte abgedankt. Diese erhielten zum Abschied Geschenke, „damit Seine Durchlaucht bei den Knechten guten Namen behalten, und Seine Durchlaucht im Ausland rühmen und preisen, und im Nothfalle, sobald man ihrer wieder bedürfte, dem bayerischen Dienste zulaufen möchten“. Maximilian ließ in Donauwörth zwei Jesuiten zurück, denen er aber nur in der hl. Kreuzkirche zu predigen gestattete. Die protestantischen Kirchen ließ er als Stätten aufrührerischer Agitation schließen.
Die Nachricht von der Einnahme Donauwörths erfüllte die Protestanten mit Furcht und Schrecken, die Katholiken mit Genugthuung. Maximilian I. war für die Lutheraner und Calvinisten fortan ein Gegenstand besonderen Hasses geworden; sie ahnten, welches Uebergewicht die Katholien unter der Führung eines solchen Fürsten bald erlangen mußten. Dieser schrieb an Papst Paul V.: „Durch diese Execution ist der kaiserlichen Majestät Authorität, Respekt und Gehorsam im heiligen Reiche nicht wenig stabilirt, zuvörderst aber der katholischen Religion ein sehr großer Behelf und Vorschub geschehen, was derselben an vielen Orten im Reiche und in Deutschland tröstlich und fürständig seyn wird. Denn eine solche Execution hat fast bey Menschen Gedenken mit solcher Beschaffenheit niemals vorgenommen werden dürfen. Und ist damit den protestierenden Ketzerischen eine solche Demonstration geschehen, wie sie nie verhofft hätten“. Nach Prag sandte er die Worte: „Ich habe mir der Donauwertherischen Execution wegen den Haß und die Feindschaftz aller protestirenden Fürsten und Stände auf den Hals geladen“.
In der That sollte der im Jahre 1608 zu Regensburg stattfindende Reichstag nicht vorübergehen, ohne von einigen protestantischen Ständen zu Kundgebung wegen der donauwörther Frage benutzt zu werden. Maximilians Schwager und Universitätsfreund, Erzherzog Ferdinand von Steyermark[1] , eröffnete am 12. Januar die Versammlung im Namen des Kaisers. Der bayerische Herzog ließ sich durch Gesandte vertreten, denen er folgende Instuction mitgab: „Es hat das Ansehen, daß die Protestirende bei  vorstehender Reichsversammlung des Vorhabens seyen, die Freystellung mehrerley Religionen abermalen stark zu betreiben und zu ihrem Vortheil ins Werk zu richten. Auch wird aller Vermuthung nach die Donauwerthische Sache auf die Bahn gebracht, und ein gemeines Wesen daraus gemacht werden wollen. Unsere Räthe sollen also hierauf fleißige Achtung geben, und sobald sie dergleichen in der Feder zu seyn vermerken, oder in Erfahrung bringen, Uns davon mit allen Umständen Nachricht geben“. Die kaiserliche Proposition unterschied sich fast nichts von den früheren Vorlagen; Türkensteuer, Reichsjustiz, niederländischer Krieg und Münzwesen bildeten die Hauptangelegenheiten. Die bayerischen Gesandten und mit ihnen die katholischen Stände wollten die Verhandlungen mit der Discussion über die Justizfrage einleiten. Ferdinand wandte sich an seinen Schwager mit der dringenden Bitte, die Türkensteuer als ersten Gegenstand in die Berathung zu nehmen. Maximilian instuirte seine Gesandten im Sinne des Erzherzogs. Die heidelberger Verbündeten, Kurpfalz an der Spitze, drangen auf Verhandlung über Justizpflege und Ordnung der Religionsbeschwerden, sonst könne von Geldbewilligung keine Rede sein. Der Gesandte Württembergs stellte geradezu den Antrag, die Debatte mit der donauwörther Angelegenheit zu eröffnen, und beschwerte sich in heftigen Ausdrücken über die Execution; ihm schloß sich der Deputirte von Hessen-Kassel an. Die Erregung wuchs, als die Calvinisten Abänderung und Erweiterung des Religionsfriedens begehrten und der Abgeordnete von Braunschweig zu den katholischen Deputirten hinüberschrie: „Ihr glaubt uns die Klöster wieder entwinden zu können! Im Gegentheil, wir hoffen, daß wir noch andere mehr in unsere Gewalt bringen werden“. Die Katholiken stimmten, unbeirrt von den gegnerischen Forderungen, für die Geldhülfe. Als die Prostestanten an Beseitigung der Religionsbeschwerden mit Umgehung der Bedingungen des Religionsfriedens festhielten, gaben die bayerischen Gesandten im Auftrag Maximilians die Erklärung ab, der Religionsfriede solle abgeändert werden unter der Bedingung, „daß Alles wieder in den Stand gesetzt werde, wie es vor dem i. J. 1555 bestätigten Passauervertrage gewesen sey, daß Alles, was seit diesem Vertrage gegen den klaren Inhalt dieses Religionsfriedens an Kirchen und Stiftsgütern eingezogen wurde, wieder zurückgegeben und jedem beschwerten Theile sein Recht vorbehalten bleiben sollte“.  Jetzt kam es zum förmlichen Bruche. Aufgehetzt durch französische Emissäre und von Erzherzog Matthias, der bei jeder Gelegenheit die Interessen seines kaiserlichen Bruders zu schädigen versuchte, verließen die Protestanten  und Calvinisten Regensburg, nachdem sie zuvor an den Erzherzog Ferdinand eine Beschwerdeschrift[2]  eingereicht, in welcher sie übrigens der donauwörther Angelegenheit mit keiner Silbe erwähnten. „So war denn“, wie der protestantische Historiker Senkenberg sagt, „der ganze Reichstag in Ansehung aller zum gemeinen Besten des Reiches vorzunehmenden Handlungen, und zwar leider durch die Protestanten, fruchtlos auseinander gegangen. Hingegen für den Privatvortheil der Protestanten war er wichtiger als irgend einer der vorhergehenden!“ Man hat es trotzdem an Versuchen nicht fehlen lassen, dem Herzog Maximilian von Bayern die Schuld für die Zersplitterung des Reichstags von 1608 zuzuschreiben. Noch während der Reichstagssitzungen hatten die protestantischen Stände den Kaiser in einem weitläufigen Schreiben ersucht, „die allergnädigste Verfügung zu thun, daß die bedrängte Stadt Donauwörth in ihren vorigen Stand und Wesen unverlängt wieder gebracht und auch bey dem Römischen Reiche als ein Glied desselben erhalten werde“. Rudolph II. war auch bestrebt, den bayerischen Herzog zur Herausgabe der Stadt Donauwörth zu veranlassen. Der Herzog weigerte sich der Restitution nicht, wenn ihm die auf die Execution verwandten Unkosten von 300,000 Gulden erstattet würden; bis dahin müsse er aber die Stadt als Pfand betrachten.  Da sich aber kein Zahler meldete und der Kaiser die Summe nicht aufzubringen vermochte, wurde Donauwörth von der Acht befreit und an Bayern verpfändet. Maximilians Hauptaugenmerk war nun auf die Beseitigung des revolutionären Geistes gerichtet, der sich in jene Stadt geschlichen. Doch ging er hierin in weiser Mäßigung zu Werke. In alle öffentlichen Aemter wurden nach und nach zuverlässige katholische Beamte eingesetzt und das lutherische Predigtamt, eine Hauptquelle des Aufruhrs, abgeschafft.

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[1] Ferdinand war mit Maximilians Schwester, Maria Anna, vermählt.

[2] In dem Votum der kurpfälzer Deputirten finden sich u. a. die Worte: „Sie (die Protestanten) wollten von dem, was sie an Kirchengütern bereits in ihrer Gewalt hätten, nichts mehr restituiren, dagegen aber auch nicht mehr weiter greifen.“ Diese letzteren Worte hatte Maximilian in dem Reichstagsprotokolle mit rother Tinte unterstrichen und an den Rand eigenhändig bemerkt: „Das dank der Teufel“.