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Aus: Donauwörther Nationalzeitung vom 27.11.1936

 

Ein Krokodil aus der Donau gefischt.

Donauwörth, 27. November 1936.

Es ist, so unglaubwürdig es klingt, doch kein Witz, denn wir schreiben weder den 1. April, noch sind wir beim Fasching angelangt. Daß in unserer schwäbischen Donau ein Krokodil gefangen wird, das glauben wir ist ein Vorkommnis, das selbst den weisen Ben Akiba[1] widerlegen würde; von ihm stammt ja der Spruch „es gibt nichts Neues unter der Sonne“. Das aufsehenerregende Geschehnis ereignete sich am Mittwoch, als Arbeiter des Kunstmühlbesitzers Distel, Stählesmühle, bei der Baggerei Wenninger u. Sachs Kies holten. Zur größten Verblüffung der Augenzeugen förderte der Bagger plötzlich ein 1 Meter langes Krokodil mit herauf. Der mit Hornschildern bedeckte Rücken, der seitlich zusammengedrückte mächige Ruderschwanz, die durch Schwimmhäute verbundenen Zehen an den Hinterfüßen und die scharfen spitzen Zähne im gewaltigen Rachen bewiesen, daß es sich wirklich um ein Krokodil oder einen Alligator handelte. Das Tier war allerdings bereits tot, aber noch frisch. Es ist möglich, daß es erst durch die Einwirkung der Baggerschaufeln getötet wurde, denn der Rückenpanzer war zum Teil aufgerissen. Die Distlerschen Arbeiter nahmen das Reptil mit nach Wertingen mit, wo es bei Inspektor Schäffler besichtigt werden kann.

Ist es einer wandernden Schauspielertruppe eingegangen und ins Wasser geworfen worden oder lebte es schon längere Zeit, irgendwo entlaufen, in der Donau? Das ist die allgemeine Frage. Der letzteren Annahme müßte freilich eine kaum glaubliche Akklimatisatisierungsfähigkeit zugrunde gelegen haben.

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[1] Das berühmte Zitat „Es gibt nichts Neues unter der Sonne“ geht ursprünglich auf das biblische Buch Kohelet (Prediger 1,9) zurück und wurde durch den fiktiven Rabbi Ben Akiba im Roman Die Ritter vom Geiste (1850) von Karl Gutzkow als geflügeltes Wort („Alles schon dagewesen“) populär. Es beschreibt die ewige Wiederkehr des immer Gleichen.