Beitrag vom 30.01.2020

Es ist nicht so, dass ich eine Mehrzweckhalle in Donauwörth grundsätzlich ablehne. Ich sehe durchaus, dass für einige Veranstaltungen, wie z.B. Schulabschlussbälle, ein größerer Saal nötig wäre, als z.B. im Tanzhaus geschaffen werden kann.
Allerdings halte ich aus verschiedenen Gründen den Bau einer weiteren, zusätzlichen Halle (im Alfred-Delp-Quartier soll ebenfalls eine zusätzliche (3-fach Sport-)Halle gebaut werden) nicht für sinnvoll.

Besser und nachhaltiger wäre es meiner Meinung nach, dass (sobald der entsprechende finanzielle Spielraum gegeben ist) am Standort Neudegger Halle entsprechend generalsaniert oder neu gebaut wird. 

 

 

Nachstehend dazu meine in der Stadtratssitzung vom 27.01.2020 vorgetragene Stellungnahme:

„… um es gleich vorneweg zu sagen: Ich lehne eine Mehrzweck- oder Stadthalle nicht grundsätzlich ab, aber … zum jetzigen Zeitpunkt, in Hinblick auf die städtischen Finanzen und  die städtische Einkommenslage, dazu im Zusammenhang mit all den anstehenden Projekten … wie soll das gehen, ohne städtische Pflichtaufgaben und/oder andere freiwillige Leistungen und Projekte zu vernachlässigen?

Ich will das kurz erläutern und als erstes in Erinnerung rufen, wo wir noch vor kurzem standen. Die finanzielle Lage der Stadt Donauwörth war noch vor 3-4 Jahren sehr prekär. Es gab ein eigenes Gremium, die Haushaltssteuerungsgruppe, die intensiv nach Einsparmöglichkeiten suchte. Untersucht wurden sowohl die städtischen Pflichtaufgaben, wie Verwaltung, Schulen, Kindergärten, Stadtarchiv, Straßenunterhalt, Friedhof, aber auch freiwillige Leistungen wie Jugendfreizeitstätten, Bücherei, Museen, Musikschule, Förderung der Erwachsenenbildung (VHS) und des Sports und so weiter  – nahezu alles kam auf den Prüfstand, so schlecht stand es derzeit.

Auf die „magere“ Zeit ohne nennenswerte Gewerbesteuereinnahmen zurückzuführen, ist u.a.
– dass die städtischen Wohngebäude im Pappelweg, am Fischhaus und in der Sallingerstraße verkauft wurden und sich die Stadt Donauwörth damit aus dem Bereich „kommunales Wohnungswesen“ stark zurückgezogen hat,
– dass ein großer Teil der städtischen Gebäude in einem sanierungsbedürftigen Zustand ist,
– das Gleiche gilt für zahlreiche Straßen.

Und was hat sich nun seit dieser Zeit geändert? Was sich zum Positiven verändert hat, sind die Gewerbesteuereinnahmen. Diese sind in den letzten Jahren deutlich angestiegen. Es konnte daher in den letzten paar Jahren tatsächlich auch die ein oder andere Baustelle angegangen werden, was nichts daran ändert, dass der Investitionsstau nach wie vor riesig ist und deutlich im 3-stelligen Millionenbereich liegen dürfte.

Als besonders kritisch sehe ich, dass die derzeit etwas entspannte finanzielle Lage lediglich auf die Zahlungen eines großen Gewerbesteuerzahlers zurückzuführen ist und es in „den Sternen steht“, wie sich die finanzielle Situation in den nächsten Jahren entwickeln wird. Die Situation kann von heute auf morgen wieder zu Ungunsten der Stadt kippen! Und dann?

Mein Appell daher an alle: Kümmern wir uns zuerst um die wirklich wichtigen Aufgaben, wie
– zuerst die städtischen Pflichtaufgaben,
– die Belebung der Innenstadt mittels einer höheren Aufenthaltsqualität,
– die Zukunft des Bürgerspitals (bei dem ja die künftige Trägerschaft noch offen ist)
– und nicht zuletzt die sehr komplexe Herkulesaufgabe „gesellschaftliche Verantwortung hinsichtlich Klimawandel“, die ein Umdenken und große, zukunftsorientierte städtische Investitionen, z.B. in den Bereichen Verkehr und Energie erfordern.

Eine zusätzliche Halle ist sicher „nice-to-have“, aber auch ein nicht zu unterschätzender, dauerhafter „Klotz“ im städtischen Haushalt, der den Handlungsspielraum für alles andere einengen würde.

Mein Lösungsvorschlag:
In meinen Überlegungen hinsichtlich Mehrzweckhalle sehe ich die Neudegger Mehrfachturnhalle  in einer zentralen Rolle. Diese ist in die Jahre gekommen und es werden dort mittelfristig größere Investitionen erforderlich sein. Hier könnte man zu gegebener Zeit, wenn gewünscht und finanzierbar, ein derartiges Projekt vernünftig umsetzen. Es gibt bereits ausgebaute Bushaltestellen und ausbaufähige Parkflächen, und … was ich als ganz wichtig ansehe …es besteht dort mit dem Schulzentrum eine vernünftige Grundauslastung.

Danke.“

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siehe dazu auch:

29.01.2020 Donauwörther Zeitung – Die neue Multifunktionshalle soll definitiv kommen

16.10.2019 Donau-Ries aktuell – Ausschuss spricht sich für Multifunktionshalle aus