(01.05.2021)

Franz Förg
* 12. Dezember 1797 in Schwandorf
† 10. September 1878 in München

deutscher Jurist, Politiker und Komponist[1]

Magistratsrat (1826 bis 1844)
Bürgermeister von Donauwörth (1845 bis 1875)
Mitglied der bayerischen Abgeordnetenkammer (1848 bis 1869)

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Zum Gedenken an Franz Förg wurde die Straße nördlich der Zirgesheimer Straße mit Förgstraße benannt.

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Nachruf, erschienen am 28. September 1878 im Wochen-Anzeige- und Amtsblatt der Stadt Donauwörth:

Franz Förg †.

Am 10. d. Mts. ist zu München ein Mann mit Tod abgegangen, der es wohl verdient, daß sein reiches Wirken und Schaffen, seine Eigenschaften als Mensch, Gemeindebürger, Staatsbürger und Gemeinde-Beamter nicht bloß im Gedächtnisse seiner zahlreichen Verehrer aufgefrischt, sondern auch in weiteren Kreisen bekannt gemacht werde: es ist der qu. rechtsk. Bürgermeister Franz Förg von Donauwörth. In seinem nahezu 50jährigen Wirken in dieser Stadt hat er, mit den reichsten Gaben des Geistes und Herzens ausgestattet, sich die Liebe und Achtung aller Schichten der Bevölkerung in einem wohl einzig dastehenden Grade zu erwerben und zu erhalten gewußt.

Nachdem der 1797 geborne „kleine Franz“, ferne dem in Schwandorf gelegenen elterlichen Hause, zu St. Emmeran in Regensburg seine Studien, auf der Universität in Landshut rühmlichst absolvirt und als Konzipient in München bereits angefangen hatte, sein gediegenes Wissen zu verwerthen, berief ihn das Vertrauen der Bürgerschaft der Stadt Donauwörth unterm 3. Juli 1826 auf den Posten eines rechtsk. Magistratsrathes, dem er nach Ablauf des dreijährigen Provisoriums wiedergewählt, volle 18 Jahre mit Auszeichnung, wie in wiederholten Beschlüssen der städtischen Kollegien hervorgehoben, vorgestanden ist.

Gleich in dem ersten Jahre seines amtlichen Wirkens that er sich so sehr hervor, daß, als ihm das Amt eines Patrimonialrichters in Aussicht stand, die städtischen Kollegien unter ehrender Anerkennung seiner Leistungen Alles aufboten, den jungen Rechtsrath in städtischen Diensten zu halten.

Von Jahr zu Jahr ward seine Thätigkeit eine ausgedehntere und segensreichere, von Jahr zu Jahr sein gediegenes Wissen, sein Diensteifer, sein solider Charakter noch mehr erprobt, so daß man bei der unterm 28. Sept. 1844 vorgenommenen Bürgermeisterwahl sich wohl nicht besonnen haben mag, den im gemeindlichen Dienste vollbewährten, allbeliebten Rechtsrath an die Spitze der Gemeindeverwaltung zu stellen, ihn den mehrfach aufgetretenen Bewerbern vorzuziehen.

Er hat aber auch stets sich des auf ihn gesetzten Vertrauens im höchsten Grade würdig erwiesen und hat die Hoffnungen, zu denen schon sein 18jähriges Wirken als Rechtsrath berechtigte, erfüllt.

Was er bei seiner Einweisung in das Bürgermeisteramt am 2. Januar 1845 gelobte, unverbrüchliche Treue und Ergebenheit, an das bayerische Herrscherhaus, Pflege derselben als des heiligsten Kleinodes der Unterthanenpflicht, Erfüllung der vielseitigen Pflichten seines Berufes, Schutz und Wahrung der theuersten Interessen der Bürgerschft und des Interesses der Kommune und Stiftungen, namentlich aber die Erhöhung des Wohlstandes der Bürger, ihre materielle und geistige Förderung und die stete Festigung des die Bürgerschaft mit dem Bürgermeister verknüpfenden Bandes – all diese Versprechen hat er treulichst gehalten und sich, wie von den städtischen Kollegien oftmals ausgesprochen, durch seine allgemein anerkannt tüchtigen Kenntnisse, durch seine uneigennützige Hingebung an das wahre Wohl der Stadt reiche Verdienste erworben.

Seinen Bemühungen verdankt die Stadt Donauwörth ihre Unmittelbarkeit (1850) und den Sitz des Bezirksgerichts (1856); er ist der Schöpfer vielfacher Verschönerungen der Stadt und der Gründer und Erweiterer vieler gemeindlicher Anstalten.

Er schuf die städtischen Anlagen, die Promenade (1849), er verschönerte den historischen Schellenberg mit seiner entzückenden Aussicht, er ließ die Gruppe beim sogen. „Zeisigbrunnen“ (1856) anlegen, die alten unschönen Stadtthorthürme (1834, 1838 und 1857) niederlegen.

Wo man in der Stadt Donauwörth hinsieht, begegnet man beredten Zeugen seiner schaffender Hand: das städtische sogen. „Tanzhaus“, das unter ihm (1846) mit einem großen, jetzt noch zu Konzert, Theater ec. verwendeten Saale versehen, unter ihm (1855) zur Knabenschule adoptirt, unter ihm (1871) in würdigster Weise renovirt, zu einer Zierde der Stadt umgewandelt wurde, die rühmlich bekannte Mädchenschule im Kloster St. Ursula, die er (1838) ins Leben gerufen, das städtische Krankenhaus, das unter seiner Amtsführung (1842) erbaut, (1870) erweitert wurde und seit Einführung des Ordens der barmherzigen Schwestern (1846) gleich dem 1845 schon bezüglich der Pflege in dieselben Hände übergegangenen Bürgerspitale eine noch segensreichere Thätigkeit entfaltete, das Rathhaus, das (1848) reparirt und mit anderer Facade versehen, so stolz die freundliche Reichsstadt hinaufsieht, die Kleinkinderbewahranstalt im Kloster St. Ursula, die er (1857) gleich der dort befindlichen Erziehungsanstalt für arme Mädchen gegründet, das Spital, das er (1854) erweitern ließ, die Gasbeleuchtung, deren Einführung er durchzusetzen gewußt, das Armen- und Leichenhaus, das er (1870) erbauen ließ: lauter Schöpfungen des Verlebten, die ihn unvergeßlich gemacht, seinen Namen mit der Geschichte der Stadt Donauwörth aufs Innigste verflochten haben.

Aber unvergänglicher noch denn alle seine Schöpfungen, ein Denkmal der Liebe hat er sich gesetzt in den Herzen der von ihm 31 Jahre geführten Bürgerschaft Donauwörths, ein Denkmal der Liebe, das ihn, als der Nachlaß der körperlichen Kräfte ihn zwang, das von ihm mehr als drei Dezennien ehrenvoll bekleideten Amt niederzulegen, in den Ruhestand und durch denselben bekleidet, und, über das Grab hinaus während, in fernen Geschlechtern noch fortleben wird.

Er war ja ein wahrer, ein echter Vater der Stadt, Vater Förg, wie die dankbaren Bürger Donauwörths den gemüthlichen, in München in Pension lebenden alten Herren zu bezeichnen pflegten und hat stets die Bedeutung der goldenen Kette, die ihm als Symbol des ihn mit der Bürgerschaft verknüpfenden innigen Bandes galt, erfaßt. Liebenswürdig und leutselig im amtlichen Verkehr wie in heiterer Gesellschaft, hatte er für Jeden ein offenes Ohr, oftmals ein begütigendes Wort, namentlich als großer Kinderfreund und warmer Förderer des Schulwesens, für die lieben Kleinen, die seiner nie ansichtig wurden, ohne die Hand zu drücken, die ihnen wie ihren Eltern und ihrer Heimath so viel Gutes gespendet.

Daß er nicht blos ein Vater der Stadt, sondern auch der städtischen Armen gewesen, beweist der St. Johannisverein, beweisen die zahlreichen Thränen, die am Grabe des verblichenen, in die ewige Heimath eingegangenen Wohlthäters geflossen. Von seltener Gutmüthigkeit, hatte erfür jeden Kummer, für jede Bedrängniß ein fühlendes herz, das sich den Leiden der Armen nicht verschloß, eine lindernde Hand, die nicht blos an wahre Bedürftigkeit zu vertheilen, sondern auch aus eigenen Mitteln reichlich zu spenden verstand.

Nimmt man hiezu seine geselligen und musikalischen Talente, die er, ein fideler Gesellschafter und tüchtiger Kenner wie Förderer der Musik, über den häuslichen Kreis hinaus trug, so findet man wohl begreiflich die allgemeine Beliebtheit, deren der Verblichene sich stets erfreute. Wie im Kreise seiner Bürger beliebt, so war er auch beliebt in höheren und höchsten Kreisen, und wurden ihm auch von dort die ehrendsten Anerkennungen seines Wirkens zu Theil namentlich durch Verleihung des Ritterkreuzes des Verdienstordens vom hl. Michael und der von Herzog Max gestifteten Medaille für Kunst und Wissenschaft.

Wie er unter den schönen Künsten namentlich die Musik gepflegt und gefördert, ist wohl jedem erinnerlich, der gleichzeitig mit ihm in Donauwörth gelebt.

Vorliegende biographische Skizze beansprucht durchaus keine auch nur annähernde Vollständigkeit, allein uns würde uns wohl mit Recht der Vorwurf der Unvollständigkeit treffen, würden wir nicht noch des Jahres 1848 gedenken, dessen Stürme seine Energie ungefährlich an Donauwörth vorübergleiten ließ, und des Jahres 1870/71, das in ihm einen warmen Anhänger der deutschen Sache fand. Was er damals für die Verwundeten geleistet, fand Anerkennung in der Verleihung der Kriegsgedenkmünze für Nichtkombattanten. Daß Förg 21 Jahre lang der bayerischen Kammer der Abgeordneten angehörte, daß er auch in diesem politischen Leben viel des Ersprießlichen in den verschiedensten Referaten geleistet, ist zu bekannt, als daß es hier weiterer Ausführung hierüber bedürfte.

Die letzten Jahre seines Lebens brachte Förg im heitern Kreise seiner Kinder und Schwiegersöhne zu – seine Gattin, mit der er 12 Jahre in der glücklichsten Ehe gelebt, war ihm längst (1846) schon in die ewige Ruhe vorangegangen – und in diesem Kreise, umgeben von all‘ den Seinen, beschloß er sein thatenreiches Leben.

Mit vollstem Rechte ward ihm an seinem Grabe noch der Dank der Stadt gezollt, die ihn nie vergessen wird; der Lorbeer, der auf das frische Grab, auf die Ruhestätte des theuren Verblichenen niedergelegt ward, er hat ihn sich längst selbst ums Haupt geflochten.

Möge die jetzige Generation, mögen kommende Generationen, in Erfüllung des am Grabe abgegebenen Gelöbnisses forterhalten, was er geschaffen; mögen sie fortbauen an seinen Werken und all‘ edle Bürgertugenden pflegen, als deren schönste er stets den Gemeinsinn zu bezeichnen pflegte.

[1] v.a. Komische Oper „Der Hanns ist da“; dem Musikverein Donauwörth gewidmet und in dessen Theater uraufgeführt am Sonntag, den 30 September 1860 (Text von Franz Bonn)

 

Quelle:

  • Stadtarchiv Donauwörth: Magazin III, Zeitungsbestand 1878

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Zur Tätigkeit als Abgeordneter des bayerischen Landtages siehe:

www.bavariathek.bayern.de unter Geschichte des bayerischen Parlaments seit 1819/Personen/Franz Förg

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zu Franz Förg siehe auch:

  • Franz Sichler/Alfred Wolfsteiner(2006): Berühmte Schwandorfer Persönlichkeiten, Begleitschrift zur Ausstellung im Jubiläumsjahr, S. 65f
  • Lore Grohsmann (1978): Geschichte der Stadt Donauwörth., Band II: Von 1618 bis zur Gegenwart; Verlag der Stadt Donauwörth