Karl Görz (*11.02.1857 in Mindelheim; †12.05.1924 in Donauwörth)
1886 übersiedelte Karl Görz nach Donauwörth und erwarb das Haus Nr. 391 in der Reichsstraße; dort betrieb er sein Kolonialwaren- und Weingeschäft;
am 12.4.1902 Zustiftung von 1000 Mark zur Wohltätigkeitsstiftung
1903 stiftete Karl Görz zum Krankenhausneubau ein “farbiges Fenster in der Hauskapelle”;
1903 wurde er in den Stadtmagistrat gewählt und war dort zeitweise Bürgermeister-Stellvertreter;
ehemalige Magistratsrat und Ehrenbürger der Stadt Donauwörth
1912 errichteten Karl Görz  und seine Gattin Josefine (*1866; †10.01.1953)  aus Anlaß ihrer silbernen Hochzeit mit einem Kapital von 25.000 Mark die Karl-und-Josefine-Görz-Stiftung”;
1915 wurde Karl Görz das Ehrenbürgerrecht der Stadt Donauwörth verliehen

Nach Karl Görz wurde die Görzstraße in Donauwörth benannt.
-> siehe auch den Beitrag Donauwörther Straßen- und Ortsnamen: Herkunft/Bedeutung.

 

 

Nachruf, erschienen am 13.05.1924 im Donauwörther Anzeiger

 

Ehrenbürger Karl Görz †.

Gestern Früh durcheilte unsere Stadt die Trauerkunde vom plötzlichen Ableben des Herrn Karl Görz. Erschüttert wurde sie gehört und schmerzlich aufgenommen. Kannten und liebten doch alle den freundlichen, stets entgegenkommenden Mann.
Als junger Mindelheimer Kaufmann übersiedelte er 1886 nach Donauwörth und erwarb von Andreas Zink dessen schönes Anwesen, verbunden mit Drogen, Kolonial- und Weinhandlung. Durch seine vorzüglichen Fachkenntnisse und peinliche Gewissenhaftigkeit hielt er das uralte Geschäft auf gleicher Höhe.
Aber nicht bloss als tüchtiger und strebsamer Geschäftsmann ragte er hervor, sondern er zeigte sich auch im Lauf der Jahre als intelligenter, umsichtiger Gemeindebürger. Diese schätzbaren Eigenschaften wurden von der Bürgerschaft wohl erkannt und berief ihn deren Vertrauen an leitende Stelle in’s Gemeindekollegium. Von 1903 an hatte er drei Wahlperioden durch Sitz im Stadtmagistrat. Wie bei vielen Ehrenämtern, welche der Verstorbene Inne hatte, bewährte er sich auch im gemeindlichen Ehrenamt mit verschiedenen Referaten, auch als Bürgermeister-Stellvertreter, vollauf. Die Würdigung seiner verdienstvollen Tätigkeit, verbunden mit höchster Selbstlosigkeit und Arbeitsfreude, fand Ausdruck in einstimmiger Verleihung des Ehrenbürgerrechts, der höchsten Ehrung, welche eine Gemeinde gewähren kann. Ganz mit der Stadt verbunden, wollte er dies auch über das Grab hinaus sein, und errichtete mit seiner verehrten Frau Gemahlin eine Wohltätigkeitsstiftung. Nach Niederlegung der städtischen Ehrenstellen nahm er fortgesetzt innigen Anteil am Geschick der Stadt und hat mit seinem vorbildlichen Schaffenseifer gerade während der Kriegszeit sich für Gemeinde und Vaterland verdient gemacht. Selbst hart an den Kriegsfolgen leidend, hat er mannhaft das Unvermeidliche still getragen.
Die Armen und Bedrängten fanden an dem Verewigten stets einen unermüdlichen Helfer und Berater und gar viele Tränen wurden im Görz’schen Hause getrocknet. In Trauer werden daher gar viele morgen seine geöffnete Gruft umstehen und als letzten Dankesgruß eine stille Träne nachsenden. Aber nicht nur am traurigen Geschick Bedrängter nahm er teil, auch bei freudigen Anlässen war er gerne Gast. Besonders das sonnige Glück der Jugend zog ihn an und heute sehe ich ihn noch geistig stolz an der Spitze des Kinderfestzuges marschieren, um dort, an der Kinder höchsten Freudentag Gaben der Freude auszuteilen. Mit offener Hand förderte er das Erziehungswerk, hier blieb Karl Görz nie zurück! Ganz besondere Sorge war ihm die Verschönerung unseres Städtchens und die Hebung des Fremdenverkehrs. Allgemein bekannt war sein lebhaftes Interesse und seine tätige Mitarbeit für die städt. Anlagen und Spazierwege und voll Freude und innerer Befriedigung glänzten seine Augen, wenn es dort recht sauber und gepflegt aussah. Aber auch gerechter Zorn übermannte ihn bei so vieler Interesselosigkeit gegen solche idealer Bestrebungen oder gar, wenn rohe Bubenhände zerstörend eingriffen. Der Verschönerungsverein hat da wirklich ein unersetzliches Vorstandsmitglied verloren!
Stille ist es um Karl Görz geworden, ein braver, lieber Mensch ist von uns geschieden, heimgegangen zu seinem Schöpfer, den er innerlich so tief verehrt hat.
Aus Freundeskreis kommt dieses wehmutsvolle Gedenken, eint sich aufrichtige Anteilnahme am Trennungsschmerz seiner edler Frau Gemahlin.
In Ehren steht das Bild des Entschlafenen vor uns, umrahmt mit Anerkennung und Dankbarkeit für alle Zeit. S.